Sonntag, 13. September 2015

[Buchgedanken] Jeffrey Deaver - Der Giftzeichner

In New York schlägt ein Serienmörder zu. Seine Opfer werden im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode tätowiert - statt Tinte setzt der Täter Gift ein, das seine Opfer in kurzer Zeit schmerzhaft tötet. Lincoln Rhyme und sein Team nehmen die Ermittlungen auf und stellen durch einen Hinweis am Tatort fest, dass der Mörder sich den Knochenjäger zum Vorbild zu nehmen scheint, den Rhyme vor Jahren erledigt hat. Und dann gerät das Team in die unmittelbare Gefahrenzone, denn sowohl Lincoln als auch Lon Selitto werden Opfer von Giftanschlägen ...

Bevor ich mich jetzt an das Rezensieren des brandneuen (gestern erschienen und vernichtet von mir) Lincoln-Rhyme-Bandes mache, erfolgt für euch die

OBLIGATORISCHE SPOILERWARNUNG, DENN ANDERS KANN ICH DAS BUCH NICHT BESPRECHEN!!!!!! ACHTUNG!!!!!!!!!

Wer jetzt noch weiterliest, ist selbst Schuld. Aber ich muss leider auf den Inhalt eingehen, um zu erklären, warum ich das Buch einfach nicht gut finde.

Seit einigen Bänden hat Deaver ja zwei ständig wiederkehrende Themen in seinen Lincoln-Rhyme-Romanen: inländischen Terrorismus durch rechtsextreme Milizen und den Superschurken des Uhrmachers, Lincoln Rhymes Moriarty. Und ehrlich gesagt, ging mir das schon im letzten Band ein wenig auf den Senkel. Deshalb war ich bei der Inhaltsangabe zum neuen Band auch sehr begeistert, klang das doch alles danach, dass hier endlich mal wieder etwas anderes im Mittelpunkt stehen wird. Klassischer Fall von Denkste.

Es fängt schon damit an, dass Ron Pulanski die ganze Zeit dem Uhrmacher auf die Fersen gehetzt wird, das aber total untergeht, weil sich Deaver auf den Fall des Untergrundmanns konzentriert. Dann am Ende dreißig Seiten, in denen der Uhrmacher wieder auftaucht - warum?????

Über den Tattookünstler können wir relativ viel von Anfang an erfahren inklusive seines Names- und bereits das hat in mir den Verdacht aufkommen lassen und schnell bestätigt, dass das Ganze doch wieder ganz andere Ursachen hat. Und ich war auch relativ schnell dahinter, dass das Phantombild vermutlich nicht stimmen wird - gut, die Auflösung habe ich nicht ganz erraten, aber zumindest ein wenig. Es lag fast auf der Hand, dass Billy und Seth dieselbe Person sein müssen, ich hatte zumindest gehofft, dass Billy einfach nur ein wahnsinniger Stalker ist und sich deswegen an Pamela ranmacht. Ja, und dann, als der Mörder dann endlich klar war ...

Ernsthaft, Mr.Deaver. Schaffen Sie es vielleicht mal, einen Roman zu schreiben, in dem nicht am Ende dann hingeklatscht ein Terrorismus-Strang auftaucht??? Und vielleicht könnten Sie Ihren Täter dann auch weniger demonstrativ präsentieren? Ich WUSSTE einfach vom ersten Auftauchen und Beschreiben her, dass da was faul sein muss! Und dann noch diese, ja, durchaus lächerliche Darstellung der Terroristen inklusive tumben Sohn - mein Gott, das war jetzt auch nicht grade hilfreich, die Leute ernst zu nehmen. Die Figuren waren dieses Mal so überzeichnet, dass ich mich gefragt habe, ob Ihnen einfach nichts eingefallen ist und Sie deshalb in den Klischeetopf greifen mussten. So hinterwäldlerisch dargestellt, vor denen muss man einfach keine Angst haben - dabei wäre es doch spannend, zu zeigen, wie sehr das Gedankengut von verfassungsfeindlichen Rechtsextremen in den USA bereits in die Mitte eingesickert ist. Fände ich spannender, als ein paar langweilige Betrachtungen über "Meine Frau hat eine Waffe? Aber sie ist eine Frau. Na gut okay. Aber eine ausländische Waffe? Wie kann sie nur ..."

Für mich war das Buch einfach nichts Neues mehr. Altbekannt und irgendwie sehr vorhersehbar geschrieben. Selbst die berühmten Cliffhanger waren diesmal weniger spannend, sondern offensichtlich. Insgesamt war das Buch fast schon langweilig trotz des interessanten Themas. Ich hätte mir gewünscht, wieder einmal einfach nur eine spannende Mörderjagd zu finden und nicht diese schale Suppe!!

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