Freitag, 28. Februar 2014

[Buchgeplauder] Ulrich Clausny / Gerd R. Ueberschär - "Es lebe die Freiheit!" Die Geschichte der Weißen Rose und ihrer Mitglieder

Diese Rezension steckt jetzt seit mehreren Monaten einfach fest bei mir, dabei wollte ich es euch direkt nach dem Lesen sofort uneingeschränkt empfehlen. Ich habe das Buch zum Abschied von meiner Betreuungslehrerin geschenkt bekommen und meine sehr kurzen Sommerferien dazu genutzt, mich darin zu vertiefen.

Das Buch ist eine Anschaffung wert für jeden, der sich mit der Weißen Rose beschäftigen möchte und vor allem Interesse an Originaldokumenten hat, denn diese nehmen fast die Mehrheit des Buches ein. Zunächst werden die Mitglieder der Weißen Rose in kurzen Biografien vorgestellt, dann die Entwicklung der Weißen Rose und die einzelnen Aktivitäten vorgestellt, es wird eingegangen auf den Prozess und die Folgen für die Familien. Ergänzend folgen danach sowohl Abdrucke der gesammelten Verhörprotokolle von Hans und Sophie Scholl, den vollständigen Flugblättern und den Urteilen gegen alle Mitglieder. Dabei muss man sich jedoch im Klaren sein, dass man es hier mit Akten zu tun hat, nicht mit Dialogen, d.h. die Verhörprotokolle sind samt und sonders am Stück geschrieben und man muss sich ein wenig selbst erschließen, was hier gefragt worden sein könnte oder welche Haltung hinter den Aussagen steht. Dadurch, dass man hier aber interpretieren üben kann, ist das Buch für Geschichtslehrer zumindest mal ein Nachdenken wert, im Unterricht lässt sich das mit Sicherheit mal gut einsetzen. Was mir ebenfalls gefallen hat (und ja, ich bin da seltsam), ist die Tatsache, dass das Buch auch die letzten bekannten Fotos der Weißen Rose veröffentlicht, nämlich die Fotos aus der polizeidienstlichen Behandlung, wie es so schön im Beamtendeutsch heißt. Diese Bilder hatte ich noch nie zuvor gesehen und es ist einerseits einfach spannend gewesen und andererseits ist das Buch damit einen entscheidenden Sprung weg von der Ikonisierung der Weißen Rose durch die bekannten zwei Fotos, die nur drei Mitglieder zeigen.
Mäkelige Leser werden das Buch vielleicht hier und da tendenziell unspannend finden, es ist einfach eine Dokumentensammlung, die sich zum Teil doch sperriger liest als ein reines Sachbuch, aber es ist zumindest als Quellensammlung sehr empfehlenswert.

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