Sonntag, 16. Februar 2014

[Hörbuch] Fear and Loathing in Las Vegas (gelesen von Martin Semmelrogge u.a.)

Die letzten sechs Wochen habe ich nicht nur permanent Bekanntschaft mit dem ADAC machen dürfen, sondern auch mit einem sogenannten Kultroman. Hunter S. Thompsons "Fear and Loathing in Las Vegas" landete als Hörbuch von einer wohlmeinenden Bekannten bei mir mit einem kurzen Begleitbrief : "Vielleicht fällt's dir leichter als mir, damit warm zu werden."

Ich muss es leider verneinen. Erzählt wird die Geschichte des Journalisten Raoul Duke, der ür eine Zeitung über ein Of-Road-Rennen in Las Vegas berichten soll. Dabei wird er von dem Anwalt Dr. Gonzo begleitet und schon bald stellt sich heraus, dass die beiden in erster Linie daran interessiert sind, sich in Las Vegas das Hirn wegzuradieren, indem sie nahezu sämtliche erwerblichen Drogen auf einmal konsumieren. Das Buch beginnt mit einem denkwürdigen Absatz. 
„Wir hatten zwei Beutel Gras, fünfundsiebzig Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, einen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und ein ganzes Spektrum vielfarbiger Upper, Downer, Heuler, Lacher … sowie einen Liter Tequila, eine Flasche Rum, eine Kiste Bier, einen halben Liter unverdünnten Ether und zwei Dutzend Poppers. Den ganzen Kram hatten wir in der Nacht zuvor zusammengerafft, auf einer wilden Höllenfahrt durch den gesamten Los-Angeles-Bezirk; von Topanga bis Watts griffen wir uns alles, dessen wir habhaft werden konnten. Nicht, dass wir das ganze Zeug für den Trip wirklich brauchten, aber wenn man sich einmal darauf einläßt, eine ernsthafte Drogen-Sammlung anzulegen, neigt man eben dazu, extrem zu werden."
Je länger ich zugehört habe, desto mehr war ich der Meinung, den Sinn des Werks vermutlich nur mit einer ähnlichen Ladung erschließen zu können. Es ist einfach nicht meine Welt, in die ich hier entführt werde, aber es hätte ja zumindest Unterhaltung beim Autofahren werden können.

Dass es das nicht wurde, liegt an der Umsetzung. Wenn wir noch einmal nachschauen, dann finden wir in diesem Buch zwei Protagonisten. Wenn man also mehrere Sprecher einsetzen will, wie viele bieten sich dann an? Nach Meinung der Produzenten ihrer drei. Davon einer deutlich älter als die beiden Figuren, einer deutlich angelaschter als die beiden, und einer gesegnet mit der quäkenden Stimme eines Martin Semmelrogge, die zwar perfekt zur Geschichte passt, mir aber beim Hören immer wieder auf den Senkel geht. Die drei wechseln sich immer Track für Track ab, ohne dass für mich verständlich wäre, warum genau jetzt ein anderer Sprecher erforderlich sein könnte. Es ist alles andere als hilfreich, in einer Geschichte, sie so oder so schon verwirrend genug ist, dem Zuhörer auch noch die letzte Konstante zu nehmen, das freut doch den Hörer ungemein, der nichts anderes zu tun hat, als sich zu fragen, wer denn jetzt grade was und warum fragt.

Um es also kurz zu machen: kein Hörbuchtipp von mir :-(

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