Samstag, 8. Februar 2014

[Buchgedanken] Andrea Sawatzki - Ein allzu braves Mädchen

In einem Villenviertel verständigt ein besorgter Nachbar die Polizei wegen des ständigen Hundegebells aus dem Nebenhaus. Die Polizisten finden im Haus die Leiche des Besitzers, eines ehemaligen Staatsanwalts. Parallel finden zwei Jungen in einem Wäldchen eine junge Frau in einem Abendkleid, die kein Wort spricht. Im Krankenhaus soll eine Psychologin sich ihrer annehmen und es scheint, als würden die beiden Fälle zusammenhängen. Allmählich öffnet sich die unbekannte Patientin und schildert der Psychologin die Geschichte ihrer Kindheit. Als sie acht Jahre alt ist, erkrankt ihr Vater an Alzheimer und das Mädchen muss sich gemeinsam mit der Mutter um ihn kümmern. Die traumatischen Erlebnisse mit dem dementen Vater reißen das Mädchen in eine Spirale nach unten ...

Ach, ich weiß auch nicht, was ich mir erwartet habe. Ich mag Andrea Sawatzki und dachte, dass sie mit Sicherheit nicht eine völlig unfähige Schriftstellerin sein wird, wenn der Piper-Verlag sie mit einer ziemlich großen Auflage debuttieren lässt. Gut, 16,99 für nur 173 Seiten Text ist verdammt happig, deshalb habe ich das Buch dann doch nur gebraucht via medimops bestellt und kann jetzt sagen: zum Glück habe ich das so gemacht. Mich hat dieses Buch nicht überzeugen können.
Die Idee ist sehr interessant und bei guter Ausführung hätte ich vermutlich ein Highlight meines Lesejahres vor mir gehabt. Aber leider sind diese 170 Seiten eine einzige Aneinanderreihung von schon hundertmal gelesenen Beschreibungen. Es gibt keine Szene, in der ich wirklich Zugang finde, in der ich Grauen, Schrecken, Wut oder Hass nachvollziehen kann - weil mir alles vorgegeben wird. Kein Bild ist wirklich plastisch, keine Sprache wirklich authentisch, keine Handlung wirklich realistisch. Dass sich diese Patientin so schnell öffnet und dann wie ein Wasserfall einfach alles rauslässt, nehme ich der Autorin nicht ab. Die Polizei spielt effektiv keine Rolle, es ist mehr oder weniger ein langer Monolog, in dem mir ein Erzähler genau sagt, wie ich mich jetzt zu fühlen habe. Sowohl Plot als auch Sprache schaffen es nicht, mich bei der Stange zu halten, ich habe das Buch gelesen und konnte mich dabei gleichzeitig im Kopf mit der Einkaufsliste beschäftigen, so wenig gefesselt war ich. Dieser Versuch wurde in den Sand gesetzt und ich hoffe, dass Andrea Sawatzki weiter spielt und weniger schreibt ...

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