Samstag, 28. Dezember 2013

[Rezension] Jussi Adler Olsen - Erwartung

Marco ist um die vierzehn Jahre alt und schlau. Viel zu schlau für die Bande von Taschendieben und Einbrechern, der er seit seiner Kindheit angehört. Als er endlich die Chance zur Flucht nutzt, ist es fast zu spät, doch er schafft es, seinen Verfolgern zu entkommen. Dabei stolpert er jedoch über eine verwesende Leiche. Einige Zeit später hat sich Marko ein neues Leben aufgebaut und findet eine Vermisstenanzeige für einen verschwundenen Beamten. In ihm glaubt er die Leiche zu erkennen - und bevor er seinen nächsten Schritt planen kann, wird er von seinen Verfolgern entdeckt. Plötzlich scheint die ganze Welt hinter ihm her zu sein, denn Marko ist ohne es zu wollen in einen ausgeklügelten Plan gestolpert, in dem es um Unterschlagung von Entwicklungszuschüssen und andere krumme Geschäfte geht ...

Merkt ihr was? Man kann das gesamte Buch zusammenfassen, ohne ein einziges Mal die Ermittler des Sonderdezernats Q erwähnen zu müssen. Dabei haben wir hier Band 5 der Serie vorliegen und dieses Mal war ich während des Lesens einfach extrem enttäuscht. Mein Verdacht ist wirklich, dass Adler Olsen nicht eingefallen ist und er deshalb in einen existierenden Romanentwurf zu einem normalen Action-Thriller einfach gelegentlich eine Passage geschrieben hat, in der mal die Namen von Morck, Assad und Rose fallen. Effektiv tun die drei in diesem Fall mal so gar nichts - und das liegt nicht nur daran, dass sie dank eines Personalwechsels in der Chefetage plötzlich mit deutlich mehr Gegenwind zu rechnen haben als bisher. Zentrale Hauptfigur dieses Buchs ist eindeutig Marko, der aber trotz allem irgendwie merkwürdig glatt und bilderbuchmäßig die Rolle des geläuterten Jungen spielt, der ein neues Leben beginnen will. Aber gut, darüber könnte man noch hinwegsehen, wenn es für den Leser ein wenig Rätselmöglichkeiten gäbe und man selbst herausfinden könnte, warum die alle hinter ihm her sind. Doch Adler Olsen hat sich dafür entschieden, den Leser von Anfang an über alles zu informieren. So folgt man denn erst einmal einer Handlung in Afrika und im Ministerium, die einem sehr genau über sämtliche Vergehen informiert. Das würde bei einem normalen Thriller bestimmt gut funktionieren, bei einem Krimi, der eben auch auf der Frage nach dem "Warum?" fußt, führt es aber dazu, dass das Buch sehr schnell langweilig wird, weil ich als Leser zu viele Informationen habe. Was ich an denen zu viel habe, habe ich dafür an eigentlichen Hauptfiguren rund um das Kommissariat zu wenig. Mit dem "Spion" gibt es zwar eine nette neue Figur, die insgesamt aber auch blass bleibt, und ein wenig lüftet sich das Geheimnis um Assad (aber ganz ehrlich, das ist dann doch ein wenig sehr unrealistisch geraten!) - aber verdammt, ich will den Adler Olsen der ersten drei Bände zurück, in denen er sich selbst weniger ernst genommen hat und seine Figuren wirklich gezeichnet hat, statt sie einfach nur von Abziehbildern zu kopieren. Das Buch ist gut gewollt und leider weniger gut gekonnt - schade. Lassen Sie sich mehr Zeit, Herr Adler Olsen, Ihre Leser werden gerne warten, wenn sie dafür mit stärkeren Büchern entlohnt werden ...

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