Dienstag, 10. Dezember 2013

Paul Maar - Kartoffelkäferzeiten


Februar 1948. In einem kleinen fränkischen Dorf lebt Johanna. Sie ist fast 13 und ihre Lebenswelt ist geprägt von den Alltagssorgen der Nachkriegszeit. Lebensmittel sind knapp, die Männer - auch Johannas Vater - zum Teil immer noch in Kriegsgefangenschaft, und die beengten Wohnverhältnisse in der Dorfwirtschaft, die die Familie führt, sorgen oftmals für Streit. Johanna lebt zusammen mit Mutter, Tante und den beiden Großmüttern, ein Fünffrauenhaushalt, in dem unterschiedliche Erziehungs- und Lebensstile aufeinander prallen. Dazu kommt die dörfliche Angewohnheit, Fremdes abzulehnen - wie etwa Johannas Freund Emmanuel, ein uneheliches Kind - und die unangesprochene jüngste Vergangenheit des Nationalsozialismus und des Krieges. Johanna wächst hier allmählich zu einer jungen Frau heran, die sich die Frage stellen muss, ob Erwachsen werden nicht auch bedeutet, altes zu hinterfragen ...

Paul Maar kennt man eigentlich vor allem durch die "Sams"-Bücher (die mich ehrlich gesagt nie interessiert haben, so dass ich sie nie gelesen habe). Dass er aber auch sehr einfühlsame und unterhaltsame Jugendromane schreiben kann, zeigt er mit "Kartoffelkäferzeiten". Ich habe mich in Johanna gut hineinversetzen können, sie ist eine sehr stark gezeichnete Figur mit Ecken und Kanten, die im Laufe der Geschichte erwachsener im Denken wird. Auch gefallen hat mir, dass Maar relativ wenig mit dem Holzhammer arbeitet. Das Leben in der Nachkriegszeit und im beginnenden Wirtschaftswunder wird realistisch dargestellt ohne dabei aber zu sehr Leiden oder Entbehrung in den Mittelpunkt zu stellen. Viele Themen werden nur angedeutet oder nicht völlig ausgebaut, das passt aber ziemlich gut zum Setting des Buchs. Für mich ein wirklich gutes Jugendbuch, das eine spannende Geschichte mit historischen Details verbindet.

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