Mittwoch, 11. Dezember 2013

Jennifer Teege - Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen

Jennifer Teege ist die Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers. Die Eltern trennen sich noch vor ihrer Geburt und mit wenigen Wochen landet Jennifer im Kinderheim, wo sie von einer Pflegefamilie aufgenommen und im Alter von sieben Jahren adoptiert wird. Der Kontakt zu ihrer Mutter und ihrer Großmutter wird abgebrochen. Sie wächst mit zwei Brüdern in einem Münchner Vorort auf, doch ihre doppelte Außenseiterrolle - adoptiert und dunkelhäutig - führt bei der sensiblen jungen frau letztlich zu Depressionen. Mit Mitte dreißig, verheiratet, Mutter von zwei Söhnen und erfolgreich im Beruf, glaubt sie, diese Vergangenheit aufgearbeitet zu haben, als sie ein neuer Schock ereilt. In der Bibliothek stößt sie auf ein Buch, das ihre leibliche Mutter erst wenige Jahre zuvor veröffentlich hat - und Jennifer erfährt, dass ihr leiblicher Großvater niemand anders ist als Amon Göth, der Leiter des Konzentrationslagers Plaszow. Jennifer Teege steht irgendwo zwischen Schock und Wahnsinn, denn die Frage bleibt: wie stellt man sich mit ihrer bisherigen Lebensgeschichte dieser Familienvergangenheit?

Das Buch lebt natürlich zunächst einmal von dieser unvorstellbaren Erkenntnis, die Jennifer Teege zu Beginn des Buchs ausführlich schildert. Gemeinsam mit ihrer Co-Autorin gelingt es ihr jedoch, den Leser nicht einfach nur eine Lebensbeichte erfahren zu lassen, sondern gleichzeitig eine tiefere Ebene anzusprechen. Ausgehend von Jennifer geht das Buch der Frage nach, wie sehr die Deutschen tatsächlich die NS-Vergangenheit ihrer Familien verarbeitet haben. Nein, nicht jeder steht vor der Tatsache, einen eindeutig zuordenbaren Kriegsverbrecher in der Familie zu haben, aber im Buch wird immer wieder auf Studien verwiesen, die doch spannende Ergebnisse haben. Nazis, so das Gefühl, gab es innerhalb der eigenen Familie eigentlich nicht. Vielleicht einen Mitläufer, aber einen hundertprozentigen? Doch nicht mein Opa! Die geschilderte Reaktion von Jennifer Teeges Adoptivvater auf ihre Eröffnung ist da sehr bezeichnend: er flüchtet sich in wissenschaftliche Betrachtungen. Parallel zu Jennifer Teeges persönlicher Auseinandersetzung wird von Nikola Sellmair die historische und psychologische Sachebeen beleuchtet. So erhält man kurze Informationen über amon Göth, über Reaktionen von Familie und Freunden auf Jenniger Teege, über psychologische Effekte durch Schweigen. Darin liegt allerdings ein wenig das Problem, das ich mit dem Buch hatte, denn diese Passagen kommen einfach immer so mitten ins Buch rein, sind ein so völlig anderer Stil, und schaffen es leider auch, dass der in Ich-Form geschriebene Bereich des Buches blasser wird, weil man immer wieder raus aus Jennifer teeges Gedankenwelt gerissen wird. Darüber hinaus finde ich diese Sahpassagen relativ kurz und zum Teil ein wenig unpräzise, ein bisschen merh Fülle hätten ihne gut getan. Das Buch schwankt dadurch immer ein wenig am Rand von "Schiksalsreportage" statt Sachbuch und Familienauseiandnersetzung zu sein. Schade eigentlich, dass die Ausfürung so holprig ist ...

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