Montag, 5. November 2012

Sabine Kornbichler - Das Richterspiel

Als Marlene an einem Silvesterabend im Haus einer Kundin über die Leiche von deren Tochter stolpert, ist das nur das Ende eines unerfolgreichen Jahres. Die junge Frau hat sich nach dem Tod ihres Vaters, den sie gepflegt hat, selbstständig gemacht. Ihr Seniorenservice steckt noch in den Kinderschuhen, sehr zum Leidwesen ihres Bruders Fabian, der sie finanziell unterstützt. Da kommt das Angebot eines Kunden gerade Recht: der blinde Herr möchte sie dauerhaft beschäftigen - aber dann muss sie feststellen, dass es sich bei ihrem Kunden um einen frühpensionierten Kriminalkommissar handelt, der ausgerechnet im Fall von Marlenes Leichenfund weiterermittteln möchte. Und so geraten die beiden auf die Spur eines Verbrechens, das seine Wurzeln in einem gut gemeinten Kindheitsspiel hat ...

Ich bin von deutschen Krimis und Thrillern nicht allzu begeistert, ganz oft fehlt mir dabei entweder Spannung oder sprachliches Vermögen oder beides. Durch diesen Zufallsfund in der Stadtbibliothek habe ich erfahren: es geht also doch. Sabine Kornbichler hat etwas geschafft, was ich bislang vermisst habe. Eine spannende Geschichte zu erzählen und dabei nie die Realität aus den Augen zu verlieren. Das zeigt sich in den Dialogen, die immer lebendig und vor allem echt wirken - sei es das Gefrotzel mit ihrem Bruder, ethische Diskussionen mit ihrem potentiellen Freund, selbst das Geständnis am Ende wirkt irgendwie echt und nicht nach dem altbekannten "bevor ich dich umbringe erzähl ich noch, warum ich es tue"-Schema verfasst. Die Geschichte wirkt sehr gut recherchiert, die psychologischen Schlüsse sind überzeugend, ich war noch nie so zufrieden mit einem Buch in letzter Zeit. Und dürfte nicht das letzte dieser Autorin sein, das ich lese ;-)

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