Freitag, 8. April 2011

Das Leben von ...


Im Moment komme ich gar nicht so richtig zum Lesen. Entweder, ich lese Fachbücher - die ich aber aus gutem Grund nicht in meine Leseliste mit aufnehme - oder ich lese meine Zusammenfassungen von Fachbüchern. Wenn ich meine Leseliste für dieses Jahr anschaue, dann muss ich einen extremen quantitativen Rückgang im Vergleich zu letztem Jahr feststellen, wobei die Qualität der Bücher auch extrem schwankt ;-) Allerdings habe ich in letzter Zeit einen ganz deutlichen Überschuss an Biographien bei mir feststellen können, wie das Foto beweist (das ist nur ein kleiner Ausschnitt). Unterschiedlicher könnten sie kaum sein, deshalb also zu jedem etwas.

Heike B. Görtemaker ist Historikerin und hat sich eine äußerst undankbare Aufgabe ausgesucht. Sie will eine Biographie schreiben über eine Person, über deren Leben fast keine Quellen mehr existieren, weil sie bewusst vernichtet wurden, und bei denen die Quellen, die noch existieren, extrem kritisch hinterfagt werden müssen. Die Rede ist von Eva Braun, der Lebensgefährtin und letztendlich doch Ehefrau Adolf Hitlers. Was mir an dem Buch gefallen hat war die Tatsache, dass Görtemaker wirklich serh quellenkritisch arbeitet. Sie stellt jede Aussage, die über Eva Braun getroffen wird, erstmal in den Gesamtzusammenhang der Quelle, um sie dann auf ihre Schlüssigkeit zu überprüfen. Das ist allerdings auch problematisch, denn dadurch wird das Buch letztendlich weniger zu einer Biographie als zu einer Bestandaufnahme der Geschichte des Nationalsozialismus, die beim Lesen mitunter etwas irritiert: wenn dann knapp fünfzig Seiten lang überhaupt nicht über Eva Braun gesprochwn wird, sondern über alle möglichen anderen Personen im engsten Kreis, dann ist man von dem Etikett "Biographie" doch eher irritiert. Nichtsdestotrotz war das Buch unglaublich lesenswert und interessant, vor allem hinterfragt es sämtlcihes Wissen, das man bisher gehabt zu haben glaubt.

Daniel Siemens schlägt einen ähnlichen Weg ein. "Horst Wessel: Tod und Verklärung eines Nationalsozialisten" ist auch weniger Biographie als Bestandaufnahme und hat mich wirklich überrascht. Horst Wessel wurde nach seinem Tod von den Nationalsozialisten zum Märtyrer stilisiert und die von linksextremistischer Seite dagegen gehaltene Kolportage vom rechten Zuhälter hält sich ebenfalls immer noch. Siemens hinterfragt gleich beide Sichtweisen und zeichnet nicht nur ein biographisches Bild Horst Wessels, sondern stellt vor allem die Frage danach, wieso ausgerechnet die Generation um 1900 sich so schnell vereinnahmen lässt. Die Darstellungen der Prozesse ist dann noch interessanter als der Rest. Das einzige Manko ist die unglaublich schlechte Qualität der Bilder, die ja eignetlich dazu dienen sollten, das Gesagte zu illustrieren, hier aber eher zum Rästelraten animieren.

Und zuletzt habe ich mich an eine neue Biographie von Oliver Hilmes gewagt. Hilmes ist in der Hinsicht mein Lieblingsautor, er hat sowohl eine glänzende Biographie über Alma Mahler-Werfel geschrieben als auch eine ebenso gute über Cosima Wagner. Die Wagners lassen ihn seitdem vermtulich nie wieder aus ihren Klauen, denn nach Cosima kam das hier zu sehende Buch: "Cosimas Kinder". Hier stehen die fünf Kinder Cosima Wagners - zwei aus erster, ehe, drei in dieser gezeugt aber vom zweiten Ehemann - im Mittelpunkt und eins muss man ihm lassen: er schafft es, diese komplizierten Familienverhältnisse so klar darzustellen, dass man immer den Überblick behält. Vor allem aber ist das Buch überraschend kurzweilig für eine Biographie, was aber auch am Thema selbst liegt: die Kinder Cosima Wagners haben einfach einen an der Klatsche. Aber so richtig. Wir präsentieren: Ein schwuler Sohn, der heiraten muss, weil die eigene Schwester - die den einzigen männlichen Erben geboren hat - die Mutter auf Feststellung der Vaterschaft verklagt. Und das ist nur eine der Geschichten, die hier berichtet werden, nicht um schmutzige Wäsche zu waschen, sondern eil auch darin ein Grund leigt für den Wagnerianismus, der sich rund um unseren hübschen Grünen Hügel entwickelt hat.

Und was mussten meien entzündeten Augen gerade entdecken? Hilmes hat, passend zum Liszt-Jubiläumsjahr, eine neue Biographie geschrieben: Franz Liszt. Der war der Vater Cosima Wagners - ich sag doch, die lassen ihn nicht mehr los :-D

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