Es gibt so Personen, über die glaubt man einfach alles zu wissen, weshalb man nie in Erwägung ziehen würde, ein Buch über sie zu lesen. Als ich vor drei oder vier Jahren in England über dieses Taschenbuch gestolpert bin, war ich allerdings ein wenig neugierig, warum es über dieses Gangsterpärchen so viele Seiten zu füllen gibt, denn ich hatte im Hinterkopf, dass die beiden relativ jung gestorben sind. Irgendwo spukte was mit Bankraub und mit einem dramatischen Schusswechsel im Kopf rum, und natürlich die Fotos von Faye Dunnaway als Gangsterbraut mit diesem schicken, senffarbenen Barett auf dem Kopf. Dieser Film hat das Image von Bonnie Parker und Clyde Barrow geprägt wie nichts anderes, obwohl sie während ihrer kurzen kriminellen Karriere vor anderen Größen wie John Dillinger eigentlich untergingen. Jeff Guinn versucht in seiner Biographie, sich diesen beiden anzunähernd und auch einiges an Bildern, die wir im Kopf haben, geradezurücken.
Was mir an dem Buch gefallen hat: obwohl Guinn ein anderes Bild der beiden zeichnet, läuft er nie Gefahr, dabei in Romantik abzugleiten oder die beiden zu Helden zu stilisieren. Dazu taugen sie auch nicht, denn trotz aller Heldenposen mit Schusswaffen, letztlich sind sie zwei Ganoven, die rücksichtslos vorgehen und für die das eigene Leben das einzige ist, das zählt. Andererseits zeigt Guinn eben auch, wie sich das Leben der beiden entwickelt hat und zeigt, dass die beiden letztlich weit entfernt von dem Bild sind, das sie auch selbst von sich zeichnen. Diese berühmte Fotoserie z.B. ist nichts anderes als eine Quatschserie, die zufällig der Polizei in die Hände fiel. Bonnie hat, nach Aussagen anderer Weggefährten, dieses Bild gehasst, auf dem sie sich lässig mit der Knarre und das Auto stützt und eine Zigarette pafft – und so richtig wohl scheint sie sich auf den Bildern tatsächlich nicht zu fühlen. Eigentlich war das alles anders geplant, eigentlich wollte sie mit diesem Clyde Barrow doch nur raus aus dem Kleinstadtmief, in dem sie aufgewachsen waren. Clyde gerät schon früh mit dem Gesetz in Konflikt, die üblichen Dinge: Autodiebstahl, Diebstahl – alles, womit man versuchen möchte, sein Leben hinter sich zu lassen. Dass er dabei eine erschreckende Erfolglosigkeit an den Tag legt und sich immer früher als später im Knast oder der Jugendfürsorge wiederfindet – das passt so gar nicht zu diesem Bild des anzugtragenden Waffenfans, als der er der Öffentlichkeit später verkauft wird. Auch die Überfälle von Bonnie und Clyde sind geprägt von fast schon rührender Hilflosigkeit, denn die höchste Beute der beiden beträgt einmal ganze 300 Dollar. Zu der Zeit läuft John Dillinger mit 10000 Dollar aus einer Bank raus – sind Bonnie und Clyde also tatsächlich nur ein halberfolgreiches Gangsterpaar? Zumindest sind sie extrem rücksichtslos, vielleicht auch, weil sie nur wenig zu verlieren haben, und jederzeit bereit, sich in gewagten Schusswechseln mit der Polizei den Weg freizuballern. Aber rechtfertigt das ein Abknallen aus dem Hinterhalt, wie es dann letztlich zu ihrem Tod führen wird?
Jeff Guinn stellt dieses Leben sehr detailliert und sachlich dar, ohne dabei langweilig zu werden. Ich fand das Buch sowohl als Biographie als auch als True-Crime-Buch extrem spannend und informativ und will es euch uneingeschränkt empfehlen. Auf Deutsch ist es leider nicht erhältlich, warum eigentlich nicht? Wer es auf Englisch lesen möchte, braucht manchmal ein Wörterbuch, aber insgesamt ist es flüssig lesbar. Ach ja, von Guinn gibt es auch noch ein Buch über den Okey-Coral-Shootout von Wyatt Earp, das ich mir unbedingt zulegen möchte – Spenden sind gerne willkommen :-p
Julie Powell ist dreißig Jahre alt, ihr Job als Sekretären erfüllt sie mit mäßigem Vergnügen und ihr Arzt teilt ihr mit, dass sie vermutlich Probleme haben wird, Kinder zu bekommen. Gefrustet in New York setzt sie sich ein ehrgeiziges Projekt. Sie will alle Rezepte des Kochbuchs „Mastering the Art of French Cooking“ der Autorin Julia Childs nachkochen, die in den Fünfziger und Sechziger Jahren mit ihrer Kochsendung im amerikanischen Fernsehen bekannt wurde. In einer zu kleinen Küche mit zu wenig Kochgeschirr und mit einem Ehemann, der sich daran gewöhnt künftig erst um elf Uhr abends zu essen, stellt sich Julie also der Herausforderung, Hummer zuzubereiten, Suppe aus frischen Zutaten zu bereiten und dabei herauszufinden, was sie wirklich will ...
Hmmm …. Hmmmmmmmmm … hmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm … Ihr seht, ich bin nicht begeistert von diesem Buch. Man sollte dazu sagen, dass ich aufgewachsen bin mit einem großartigen Rezept für Bœuf Bourguignon á la Julia Childs (das wir von weit entfernten Verwandten aus den USA mal bekommen hatten), mir der Name als irgendwie vertraut war und ich deshalb den gleichnamigen Film mit Meryl Streep angeschaut habe. Der war niedlich und lustig, ein bisschen was fürs Herz und macht Lust aufs Kochen. Dass er auf Julie Powells Blog basiert, war mir klar, allerdings habe ich nie die Mühe gemacht, den Blog zu suchen oder die Buchvorlage zu lesen. Bis zu den Sommerferien, weil ich da zufällig über das Buch gestolpert bin. Ganz ehrlich, wäre meine erste Bekanntschaft mit Julia Childs oder mit „Julie und Julia“ dieses Buch gewesen – ich hätte mich nie wieder dafür interessiert. Dieses Buch ist einfach nur grottenschlecht und das gleich aus mehreren Gründen.
Zunächst einmal merkt man dem Buch an, das es aus einem Blog entstanden ist. Es gibt nicht wirklich eine Geschichte und Hauptaugenmerk liegt auf dem Aspekt des Kochens. Was mich aber mehr gestört hat, Julie Powell ist einfach keine Schriftstellerin. Die Erzählepisoden dazwischen sind langweilig und motivationslos und ganz ehrlich: sie helfen mir nicht im mindestens, zu verstehen, wie sie eigentlich auf die Idee kommt, dieses Buch nachzukochen oder warum ausgerechnet Julia Childs ihr Kochvorbild werden soll. Julie bleibt im gesamten Buch eine mir total unsympathische Person, die in komplett ekligem Chaos lebt (meine Küche ist alles andere als klinisch sauber, aber allein die Schilderungen im Hause Powell haben bei mir dazu geführt, dass ich während des Lesens nichts essen konnte!) und von ihrem Leben total gelangweilt ist, das aber nicht wahrhaben will, sondern sich um jeden Preis zu etwas besonderem machen muss. Ist okay, kann sie gerne tun, aber als eine der Hauptfiguren in einem Buch nervt mich das. Insbesondere, weil die Episoden über Julia dabei total in den Hintergrund rücken – anscheinend möchte sie versuchen, zu zeigen, dass auch für Julia Childs das Kochen ein Projekt war, etwas aus ihrem Leben zu machen, aber ich finde einfach, dass das nicht gelingt. Jedenfalls nicht dann, wenn man absolut nichts über Julia Childs erfährt. Stattdessen steht immer nur Julie hier und Julie da im Mittelpunkt, ohne dass ich wüsste, warum. Also, auch wenn man als Leser nie denkt, dass man so etwas mal empfiehlt: Schaut den Film und vergesst das Buch – oder lest Julia Childs Kochbuch ;-)
Eines Nachts dringt ein Mann namens Jack in ein Haus ein und tötet die gesamte Familie. Der einzige Überlebende ist der 18 Monate alte Sohn, der aus dem Haus läuft und sich auf dem benachbarten Friedhof versteckt. Dort finden ihn die Owens, ein sympathisches Ehepaar, das seit mehreren Jahrhunderten auf dem Friedhof als Geister lebt. Sie adoptieren Nobody, wie sie den Jungen nennen, und gemeinsam mit den anderen Geistern des Friedhofs erziehen sie den Jungen. Besonders wichtig für ihn jedoch wird der Vampir Silas. Je älter Bod wird, desto mehr interessiert er sich für die Welt draußen und desto mehr kann er zur Gefahr für den Friedhof werden ...
Bereits der Titel dieses Jugendbuchs ist eine Erinnerung an eine andere Geschichte eines Waisen, der ungewöhnlich aufgezogen wird: Rudyard Kiplings "Das Dschungelbuch". Allerdings ist Gainmans Buch nicht einfach nur die Phantasy-Variante, sondern ein eigenständiges Werk, das aber zumindest bekannte Themen aufgreift. Was mir sehr gut gefallen hat, war die Tatsache, dass in diesem Buch Angst durchaus eine Rolle spielt. Die Angst vor dem Bösen, die Angst vor der Dunkelheit - aber gleichzeitig lernt man, dass nicht jede Angst wirklich wichtig ist und man meistens Angst vor den falschen Dingen hat. Bod wächst in einer Geisterwelt auf, in der unsichtbar Werden und nächtliches Dasein alltäglich sind, in der aber dennoch Gefahren existieren. Als Leser folgt man ihm gerne in diese Welt und nimmt Gefahren wahr, um die man sich vor lauter Geistern sonst vielleicht gar keine Sorgen gemacht hätte.
Das Buch ist sehr episodenhaft geschrieben, was mir beim Lesen gelegentlich ein wenig störend aufgefallen ist, weil die große Hintergrundgeschichte dadurch immer wieder einmal in den Hintergrund gerät. Trotzdem ist es, ähnlich wie auch "Coraline" ein spannendes Buch, das in eine andere Welt entführt und sich gut lesen lässt.
Dr.
Siri ist 72 Jahre alt und arbeitet als praktischer Arzt in Laos. Da das ganze Land über keinen ausgebildeten Pathologen
verfügt, wird Siri kurzerhand befördert praktiziert nun seit zehn Monaten mit Hilfe eines französischen Pathologie-Handbuchs aus den 1940er Jahren, einer wissensbegierigen Assistentin namens Dui und einem Gehilfen mit Down-Syndrom. Dieses Trio ist dem Krankenhausvorsteher zwar ein Dorn im Auge, gleichzeitig aber von der Obrigkeit geschützt. Doch das ändert sich, als Frau Nitnoy auf Siris Obduktionstisch landet. Die ist nicht nur plötzlich verstorben, sondern Ehefrau eines Parteibonzen, der ein Verhältnis hat. Ein natürlicher Tod sieht irgendwie anders aus, aber dennoch erhält Siri die Anweisung, genau diesen festzustellen.
Als dann auch noch die Leichen von drei toten Vietnamesen aus einem Stausee
gezogen werden, gerät Siri immer mehr in Konflikt mit den Staatsvertretern. Noch während der
Ermittlungen zu den Vietnamesen wird Siri dann auch noch in einen entfernten
Landesabschnitt geschickt, um dort bei den Mong mysteriöse Todesfälle
aufzuklären. Alle Hände voll zu tun, egal, ob er will oder nicht, versucht Siri diese Fälle zu lösen ...
Zunächst mal zur Geschichte. Colin Cotterill hat mit "Dr.Siri und
seine Toten" einen Roman geschrieben, der weit mehr ist als einfach nur Thriller oder Krimi. Die Charaktere, allen voran Siri, sind herrlich verschroben und ausgefeilt, die drei Handlungsstränge überraschend und fesselnd, und vor allem der Einblick in das post-revolutionäre Laos ist ungeheuer faszinierend. Im Hörbuch trifft es dann aber noch auf einem Sprecher, dem man anhört, dass er jede Menge Spaß dabei hat, diese Geschichte zum Leben zu erwecken. Klar, Jan-Josef Liefers hat dieses Hörbuch wegen des Münsteraner Tatorts bekommen, aber Siri ist ein völlig anderer Typ als der Rechtsmediziner Boerne, den Liefers dort spielt. Er hat eine extrem angenehme Stimme beim Vorlesen, auch wenn er manchmal etwas hektisch klingt, und ich habe ihm gerne zugehört. Ich lege dieses Hörbuch jedem ans Herz, der ein gut gemachtes Hörbuch in den CD-Player legen will, bei dem man sich nicht hundertprozentig konzentriere muss, um Nuancen zu erfassen.
*hust* Ich habe irgendwie ein wenig schleifen lassen, dass ich den Blog nicht nur dazu verwende, meine Bücher aufzulisten, sondern auch diese nette kleine Fragerunde weiterzuführen. Aber ab sofort bin ich wieder mit dabei und hole jetzt ein wenig nach ;-)
Welches Kinderbuch hast du als letztes gelesen?
"Die Vorstadtkrokodile" von Max von der Grün. Meine Klasse liest es über die Ferien als Ferienlektüre und ich habe mir auch ein Exemplar mitgenommen, um mein Wissen aufzufrischen.
Ein Buch, bei dem dir peinlich war, dass du es gelesen hast.
Uff, da bin ich ein wenig überfragt. Ich meine, ich suche mir meine Bücher ja immer danach aus, ob sie mir gefallen, und ein Buch, das ich doof finden würde, weil es peinlich ist, würde ich demnach auch nicht lesen. Aber was mir manchmal ein bisschen unangenehm ist, ist es, im Zug ein lustiges Buch zu lesen und mir das Lachen verkneifen zu müssen - da fühle ich mich einfach unangenehm beobachtet :-p
Ein Buch, dessen Cover du sehr hässlich findest.
Ich habe wirklich überlegt, aber ich finde einfach keines, das ich spontan nennen könnte. Was mir nicht so gut gefällt, sind Cover mit großen Gesichtern in Nahaufnahme, auch Vollmond, wehende Haare oder dergleichen schrecken eher ab - aber das liegt daran, dass das oft Cover von Genres sind, die ich nicht wirklich mag ;-)
Ein Buch, das du mit deinen Eltern verbindest.
Ich hatte schon irgendwann erzählt, dass ich mit meinem Vater "Das Geschenk der Weisen" verbinde, aber welches Buch mit meiner Mutter? Ich glaube, es ist "Tom Sawyer" von Mark Twain. Denn dieses Buch habe ich nicht nur von meinen Eltern geschenkt bekommen, sondern ich hatte auch noch zusätzlich eine Ausgabe in meinem Schrank, die meiner Mutter gehört hat. Dieses Buch ist inzwischen quer durch die Verwandtschaft gereist, es gehört mir also nicht mehr, aber ich kann es immer noch vor mir sehen :-)
Wie ist dein Bücherregal eingeräumt?
Theoretisch nach Genres und innerhalb der Genres nach dem Alphabet. Den Umzug habe ich dazu genutzt, das auch wieder einmal neu zu sortieren, aber ich stelle fest, dass nach nur zwei Monaten doch wieder ein gewisses Chaos eingezogen ist, weil ich zu faul bin, Neuzugänge, tatsächlich einzuordnen. So liegen viele einfach nur vor der Bücherreihe im Gernefach und warten darauf, aufrecht gestellt zu werden. Und das passiert normalerweise dann, wenn ich ein anderes Buch rausnehme ...
Wie viele Bücher hast du auf deinem Ebook-Reader?
Sieben. Da ich keinen Kindle habe, kann ich von Amazon nichts runterladen - und dementsprechend wenig Klassiker habe ich. Würde ich aber gerne ändern.
Wann hast du deinen letzten Klassiker gelesen?
Verdammt, das ist schon so lange her ... Ich muss mal wieder, ganz ehrlich, und werde mich demnächst an Heinrich Manns "Der Untertan" machen.
Wie viele Bücher sind auf deiner Amazon Wunschliste?
Gar keine. Ich verwende die Wunschlisten-Funktion überhaupt nicht.
Wann hast du dein letztes Buch gekauft?
Heute. Da ich am Samstag spontan auf die Buchmesse fahren werde, habe ich mir heute zwei Exemplare zum Signieren gekauft, die ich bei den reduzierten Büchern gefunden habe ;-)
Nenne ein Erlebnis in einem Buchladen.
Ich hatte leider noch keine einschneidenden Erlebnisse in Buchläden :-(
Lesen verbindet. Wurdest du schon mal von einer fremden Person angesprochen?
Ja, nachdem ich mich im Zug vor Lachen bei Terry Pratchett weggeschmissen hatte. Daraufhin fragte mich mein Nachbar, ob ich nicht endlich mal die Klappe halten könnte (ja, ja, sehr freundlich). Meine Entgegnung: "Nein, leider nicht, dann würde ich platzen und das wäre für Sie noch störender."
Über welches Buch hast du bisher mit Freunden am meisten geredet?
Immer über das aktuelle. Ich habe eine Freundin, die sehr gerne liest, aber wenig Zeit dazu hat. Deshalb erzähle ich ihr bei unseren Treffen immer gerne mal, was ich alles gelesen habe. An Zitatedichte ist Douglas Adams "Per Anhalter durch die Galaxis" in meiner Familie extrem wichtig :-)
Was stört dich als Leser/in?
Mangelhaftes Lektorat. Ja, ich weiß, ich habe hier eine Tippfehlerquote jenseits von gut und böse. Aber ich bin weder Autor noch mit einem Verlag verbunden, der mein Werk vor der Veröffentlichung lektoriert. Ich bin wirklich niemand, dem sofort Fehler auffallen oder der Logikfehler aus dem Stegreif erkennt. Aber wenn selbst ich erkenne, dass sich auf einer Seite Schreib- und Grammatikfehler häufen, dass Logik nicht die Sache des Autors war - dann fühl ich mich sauer. Seinen Beruf schlampig auszuüben finde ich nervig, und Beruf des Autors und des Verlegers gleichermaßen ist es, Bücher so zu schreiben, dass sich der Leser nicht darüber ärgert.
Es ist vollbracht. Freitag morgen um 9:43 habe ich das letzte Buch dieser Challenge zugeschlagen. Und jetzt sitz ich hier und versuche, einen Rückblick auf die letzten zehn Monate zu halten, weiß aber noch so gar nicht, was ich schreiben soll ...
In den letzten zehn Monaten habe ich einige spannende Dinge über Krimis gelernt. Dass Leichen auf Coverbildern sehr selten zu finden sind, nackte oder spärlich bekleidete Menschen Frauen dagegen schon eher. Vor allem bei Tess Gerritsen. Geld ist noch seltener zu finden, dafür gibt es aber eine Vielzahl an Schnee-Varianten und Gebäuden, auch Treppen fallen häufiger auf, als man denkt. Es war spannend, Bücher einzig nach dem Cover auszuwählen und sich überraschen zu lassen, was dann vom Cover im Buch vorzufinden ist. Viele Bücher habe ich gerne gelesen, einige wenige nicht sehr gerne - Joy Fielding war enttäuschend.
Gegen Ende der Challenge habe ich selbst gemerkt, dass meine Rezensionen immer mehr in den Bereich "so lala" abdriften, was nicht nur an den Büchern selbst lag, sondern wirklich vor allem daran, dass ich überhaupt nicht mehr überrascht werden konnte. Die Bücher waren vorhersehbar geworden, mein Todfeind beim Lesen. Dabei bin ich ja auch sonst jemand, der Thriller und Krimis wirklich verschlingt, man muss nur einen Blick in meine Kategorien-Liste werden, diese Abteilung ist eindeutig am längsten! Inzwischen bin ich so weit, dass ich noch nicht einmal Jussi Adler Olsens neustes Buch gekauft habe - dabei habe ich dem wirklich entgegengefiebert - und der Gedanke, dass im November der neue Elizabeth George erscheint verursacht bei mir eher den Gedanken: "Noch ein Krimi?"
Zehn Monate lang bestand meine Lektüre in erster Linie aus Krimis und Thrillern. Ich hätte es nicht geglaubt, dass ich gegen Ende dieser Challenge die Nase voll habe von Mördern und Detectives, von Spurensicherung und Richtern, aber so ist es. Ich brauche dringend eine Pause! Deshalb werde ich in den nächsten zwei Monaten wirklich einen Bogen machen um alles, was auch nur im entferntesten nach Strafrecht riecht. Vermutlich werde ich für nächstes Jahr auch eine Challenge starten, die aber nicht streng thematisch orientiert ist, denn das habe ich gemerkt: ich brauche viel mehr Abwechslung im Bücherregal.
Dennoch danke ich dem Lesenden Katzenpersonal, die diese Challenge gestartet haben. Es waren großartige Ideen und es war großartig, zu sehen, was andere aus den Angaben gemacht haben. Wir haben uns kaum wiederholt, es gab so viele verschiedene Bücher zu entdecken. Dafür möchte ich ganz herzlich danke sagen, sowohl an euch als auch an die ganzen Teilnehmer der Challenge. Lest weiter, genießt die Seiten, die gerade vor euch liegen - wir sehen uns vielleicht im nächsten Jahr wieder :-)
London im Winter 1920. Als die Mittzwanzigerin Elsie Cameron den neunzehnjährigen Norman Thorne trifft, ist sie hin und weg. Elsie, die Angst hat, als alte Jungfer zu enden, ergreift die Initiative und Norman ist durchaus angetan von ihr. Doch als er ein Jahr später arbeitslos wird, verstärken sich die Probleme mit Elsie. Während sie alles daran setzt, Norman zu heiraten, würde er zumindest gerne ihre ständigen Nervenzusammenbrüche, ihre Launenhaftigkeit ändern. Die Idee, eine Hühnerfarm in Sussex zu eröffnen und sich so allmählich von Elsie zu lösen, kommt da wie gerufen. Doch als er sich mit ihr verlobt, die Hochzeit immer wieder verschiebt und schließlich eine andere kennenlernt, weiß er nicht mehr, wie er aus dieser Situation rauskommen soll ...
"Der Schrei des Hahns" ist eine sehr kurze Nacherzählung des tatsächlichen Mords an Elsie Camerson, für den Norman Thorpe 1925 hingerichtet wurde. Bis heute ist die Beweisführung im Fall nicht hundertprozentig schlüssig, denn während die Anklage erklärte, keine Strangulierungsmerkmale an Elsies Hals und am Balken, an dem sie sich angeblich erhängt hatte, feststellen zu können, behaupteten die Gutachter der Verteidigung das genaue Gegenteil. Über den Fall bin ich im Rahmen meiner True-Crime-Erfahrungen immer wieder gestolpert und dementsprechend war es zumindest für mich ein bewusst gewählter Abschluss der Krimi-Cover-Challenge, endlich auch das Buch zu lesen.
Minette Walters steht eindeutig auf der Seite Normans und geht davon aus, dass Elsies Tod tatsächlich ein in die Hose gegangener Fake-Selbstmord war, mit dem sie hoffte, Norman an sich binden zu können, und dass Norman bei der Entdeckung ihrer Leiche einfach durchdrehte und sie zerteilte, um sie besser verstecken zu können. Da dies aber nicht beweisbar ist, entscheidet sich Walters dafür, diese Szene komplett auszulassen. D.h. das Buch hat in der Mitte eine ziemliche Bruchstelle. Während bis dahin die Gedanken und Gefühle Elsies und vor allem Normans geschildert werden, unterbricht das Buch diese Ebene mit dem Auftauchen der Polizei, den Verhören Normans und der Hinrichtung. Dieser zweite Teil der Handlung ist ziemlich kurz gehalten, das sind etwa dreißig Seiten, in denen man keinen Zugang mehr zum Innenleben der Figuren bekommt. Das ist schade, denn hätte Walters sich die Zeit genommen, das darzustellen (oder einfach nur ein bisschen mehr des Prozesses, der eben allein durch den Gutachterstreit spannend und interessant ist), hätte das Buch echt sehr gut werden können. So bleibt es extrem skizzenhaft, was sicher auch daran liegt, dass die Autorin hier kein Sachbuch schreiben wollte, sondern eine literarische Verarbeitung. Das gelingt im ersten Teil bis zum Verschwinden Elsies besser. Nichtsdestotrotz, wer einfach mal reinschauen will, die 140 Seiten lohnen sich schon ;-)
Zürich, nicht gerade die Stadt, die man sofort mit Verbrechen assoziiert. Dennoch ist die Polizei sofort zur Stelle, als eine Drogentote gefunden wird. Andrea Bernardi, Detektiv der Stadtpolizei Zürich, heftet sich an die Fersen eines international agierenden Drogenhändlers. Gemeinsam mit seiner Praktikantin Rea kommen sie auf die Spur der geheimnisvollen Rebecca König, eine junge Frau, die internationales Jet-Set-Leben führt und vom Kontinent zu Kontinent reist. Ist sie tatsächlich eine perfekt getarnte Kokainhändlerin? Bernardi will hinter die Fassade blicken …
Ich muss gestehen, dass ich dieses Buch nur noch zu Ende gelesen habe, um endlich die Aufgabe mit dem Geldschein beenden zu können. Der Klappentext klang ganz gut, das Titelbild ist sehr cool gestaltet – und trotzdem war ich nicht so wirklich zufrieden . Denn auf mich wirkte der Fall recht unspektakulär unter extremen langwierig, was bei Krimis eigentlich von Anfang an Probleme hervorruft. vor allem der Schreibstil der Autorin hat mir überhaupt nicht zugesagt, es war an manchen Stellen bemüht witzig zu lesen, an anderen dagegen hätte ein bisschen Witz vielleicht mehr Spannung gebracht. Für mich gab es einfach eine ganz große Diskrepanz zwischen der spannenden Idee und der tatsächlich der Ausführung. Ich weiß, ich klinge wie ein Büchersnob, aber man merkt doch, dass der Gmeiner-Verlag ein zwar feiner, aber auch kleiner Verlag ist. Daraus resultiert, dass eben auch Bücher veröffentlicht werden, die vermutlich im Freundes- und weiteren Bekanntenkreis der Autoren für Furore sorgen, beim Publikum dann aber zwiespältige Gefühle hinterlassen . ich finde, dass diesem Buch eine Lektoratsüberarbeitung durchaus noch einmal gut tun könnte , um mehr Spannung und Fahrt in den Roman zu bringen. Im Moment ist es eine sehr interessante Idee, die viele Leser aber verlieren wird . Ja, man kann das Buch durchaus lesen, wenn man nichts anderes mehr im Schrank hat, aber ist das wirklich alles, was man von einem Buch erwartet? Ich glaube nicht.
Vermutlich hat jeder schon einmal von den großen Ganoven gehört, die in den USA ihr Unwesen getrieben haben. Seien es Billy the Kid oder John Dillinger, beide haben sich ihre Berühmtheit in der Illegalität erarbeitet. Aber da gibt es eben noch die anderen, diejenigen, die genauso berühmt werden wollen – und dann an den Widrigkeiten des Lebens, den Qualitäten der Polizei oder einfach an der eigenen Dummheit gnadenlos scheitern. In diesem Buch sind sie alle versammelt, der Leser ist fasziniert bis fassungslos, wie krumm manches krumme Geschäft tatsächlich laufen kann. Diesen geplagten Ganoven möchte Michael Schulte hier ein Denkmal setzen, ob ihm das gelingt, ist allerdings nicht in allen Fällen zu bejahen.
Meine Probleme mit diesem Buch sind nicht etwa dem geschuldet, dass ich zumindest bei Bonnie und Clyde erheblichen Einspruch einlegen möchte (warum, werdet ihr noch erfahren) ,sondern vor allem, weil das Buch ziemlich USA-zentriert ist. Ich hätte es besser gefunden, mehr "einheimische" Ganoven kennen zu lernen, oder auch Ganoven, die nicht alle zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelebt haben. Dementsprechend war ich beim Lesen ein wenig enttäuscht, da ich mir mehr erwartet hatte. Gut, dafür kann Schulte nur bedingt etwas, aber trotzdem finde ich es schade. Ich muss gestehen, das mir aus dem Buch recht wenig an Fakten in Erinnerung geblieben ist, obwohl es bei True-Crime-Büchern eigentlich meistens alles im Gedächtnis behalten ,um meine Umwelt mit absurden, schockierenden oder auch einfach nur interessanten Informationen zu versorgen. Aus diesem Buch habe ich nichts davon mitgenommen, dieses Qualitätsmerkmal wurde einfach nicht erfüllt .dementsprechend ist das Buch auch eher nicht so atemberaubend komisch, wenn man bei dem Titel und den Versprechungen des Klappentextes vielleicht erwarten würde. Eigentlich schade, aber was soll's. Zumindest unterhält es während des Lesens einigermaßen, für lange Bahnfahrten dürfte es dementsprechend geeignet sein.
Heinz ist 17 und aus Harburg - mit diesen sechs Wörtern kann man das gesamte Elend des Knaben zusammenfassen. Harburg, das ist halt der falsche Stadtteil von Hamburg, wenn man in den Achtzigern groß rauskommen möchte, wenn man Erfolg haben möchte, wenn man alles außer Spießer sein will. Heinz einzige Hoffnung ist seine musikalische Grundausbildung, hat er doch so ziemlich alles an Blasinstrumenten parat - und das will er nutzen. Also steigt er bei "Tiffanys" ein, der angesagtesten Combo für Vereinsfeiern und Schützenfeste. Doch die Band ist nicht gerade der Reißer, sondern führt allzu oft zu langen Gesichtern im Publikum. Das kann vielleicht daran liegen, dass man das verdiente Geld in erster Linie für Fleischorgien opfert, die nach dem Auftritt gefeiert werden. Oder daran, dass die Mitglieder außer Heinz mit ihrem Schicksal bereits abgeschlossen haben. So begleiten wir als Leser eins durch dieses Tal der Depressionen und Spielsucht ,in das der Weg ins Erwachsenenleben nun einmal führt ...
Ich kann mir nicht helfen, aber als ich dieses Buch gelesen habe, war ich immer wieder versucht, an den Verlag zu schreiben und ihn zu fragen, was genau in dazu bewogen hat, Heinz Strunk zu veröffentlichen. Ich habe selten ein Buch gelesen, das so gut beworben worden, dessen Klappentext so viel versprechend klang, und das sich dann als ein solcher Reinfall entpuppt hat. Es ist nicht einmal so, dass das Buch schlecht wäre, sondern das große Problem ist, dass Heinz Strunk sich um jeden Preis bemüht, nur nicht einfach nur komisch zu sein, sondern zu der Art Leute gehören zu scheint, die so „indie„ sein wollen, dass ein einfacher Witz nicht genügt. stattdessen ist das Buch eine einzige Ansammlung Teichs ekliger teils extrem langweiliger Szenerien. Wer das Bedürfnis hat, seitenweise Informationen über den Inhalt der Eiterpickel von Heinz Strunk zu erhalten, oder alte Schlagertexte zu lesen die eins zu eins über mehrere Buchseiten geschrieben werden, der ist hier mit Sicherheit gut aufgehoben. Das Problem ist tatsächlich, das Buch ist einfach nicht lustig. Es ist weder anarchisch wie Helge Schneider – was es vermutlich sein soll – es ist auch nicht obszön – was vermutlich Strunks Intention war – und es ist nicht komisch – was der Verlag vermutlich gehofft hat. Es ist einfach nur langweilig, und das ist vermutlich das Schlimmste was man über ein Buch sagen kann, dass ein Skandal sein will. Verdammt, man hätte echt was draus machen können, aber das ist hier leider nicht geschehen.