Mittwoch, 6. Januar 2016

[Rezensionsexemplar] Volker Hage - Die freie Liebe

München, Anfang der Siebziger Jahre. Wolfgang hat sein Abitur in der Tasche und will studieren - in München. Möglichst weit weg von zu Hause in Lübeck, weg von seiner Jugendfreundin Anna und weg von allen anderen, die nerven könnten. Stattdessen landet er in der WG von Andreas und Lissa. Die beiden sind verlobt, aber sie pflegen die freie Liebe - und so gibt es schon bald eine Dreiecksbeziehung. Wolf, der Lissa mehr liebt als er zugestehen will, und Andreas, der eigentlich seine Verlobte für sich haben will, begegnen sich in der Situation immer angespannter, auch Lissa ist hin- und hergerissen ...

Ich hatte mir das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar ausgesucht, weil es eine sehr spannende Lektüre versprach, die von einem althergebrachten Literaturkritiker stammt. Also aus erfahrener Feder, will man meinen. In der Tat merkt man, wie sehr Volker Hage sich in Literatur und Film zu Hause fühlt, das Buch steckt voll mit Reflexionen über andere Werke des Themas. Allerdings, und das hat mir das Lesevergnügen dann doch verdorben, beschränkt er sich auch schon darauf. Den Hauptteil des Textes nimmt das Tagebuch von Wolf aus den Siebzigern ein, in der er seine Gefühle niederschreibt. Statt jetzt aber in irgendeiner Weise das Tagebuch reflektiv zu nutzen oder die Figuren dadurch charakterisieren zu wollen, jammert diese Erzählerstimme permanent rum wie schlimnm doch alels ist oder ergeht sich in detaillierten Schilderungen von Sex oder der Schönheit von Schamhaar. Wolf ist für mich ein weicheiernder Unsympath, Andeas Motivation verstehe ich mal so überhaupt nicht, und Lissa? Die geht mir mit ihren permanenten Stimmungsschwankungen echt auf die Eierstöcke!

Das Buch war nicht schlecht - ich fand es großartig, zu Jahresanfang so viele verschiedene Impulse zu kriegen, welche Filme ich schauen oder welche Literatur ich mal lesen könnte. Und ich fand es ganz spannend, die angedeuteten Dinge zu recherchieren - aber reicht mir das, um zu sagen, dass ich hier ein gutes Buch vorliegen habe? Ich finde, Nein. Das Buch ist eine Skizze, die in sehr schöner Sprache effektiv wenig sagt.

Sonntag, 3. Januar 2016

[Rezensionsexemplar] Max Bentow - Das Dornenkind (gelesen von Axel Milberg)

Die Berliner Kriminalpolizei steht vor einem Rätsel, als man drei Leichen findet, in deren Haut geheimnisvolle Botschaften geritzt wurden. Doch während Kommissar Nils Trojan noch versucht, deren Sinn zu entschlüsseln, wird sein schlimmster Albtraum wahr: Der bestialische Serienmörder, der ihn vor vier Jahren fast getötet hätte, ist wieder aufgetaucht. Zumindest behauptet das die Tochter des besagten „Federmanns“. Als Trojan sich mit ihr trifft, wird ihm klar, dass das Töten noch lange kein Ende hat …

Ich habe wirklich ewig für dieses Hörbuch gebraucht. Das liegt nicht etwa an Axel Milberg, der wieder einmal eine durchaus angenehme Lesestimme geboten hat. Auch nicht an der wenigen Zeit, die ich hatte, um mich auf ein Hörbuch zu konzentrieren (Kankenhausaufenthalte sind hervorragend geeignet). Es lag an der Geschichte, bei der ich das Gefühl hatte, dass Max Bentow einfach nichts mehr einfällt, sonder er immer wieder altbewährte Strickmuster bedient. In diesem Fall das Klischee des doch-noch-auf-abstruse-Weise-davongekommenen-Serienmörders, gepaart mit der geheimisvollen jungen Dame. Alles andere was wirklich wie immer und ging mir an dem Fall ein wenig zu sehr auf den Keks. Irgendwann in der Mitte hatte ich kurzzeitig wirklich das Bedürfnis, einfach abzubrechen und mir dann gesagt, ich ziehe es jetzt durch. Für mich ist es der schlechteste Trojan-Fall bislang.

[Hörbuch] Agatha Christie - Das Geheimnis von Greenshore Garden (gelesen von Wolfgang Condrus)

Für ihr Sommerfest haben sich die Bewohner von Greenshore Garden eine besondere Überraschung ausgedacht: eine Mörderjagd soll das Publikum beeindrucken. Ausgedacht hat sich den ganzen Fall Ariadne Oliver, die alte Freundin Hercule Poirots. Doch plötzlich hat sie das Gefühl, dass jemand dieses Spiel manipuliert und seine ganz eigenen Strippen zieht - aber warum? Kurzentschlossen holt sie ihren alten Freund ins Herrenhaus und lässt ihn ermitteln. Als dann tatsächlich beim Gartenfest eine Frau spurlos verschwindet und eine andere ermordet wird, ist klar, dass hier der belgische Ermittler gefragt ist ...

Mir kam die Inhaltsangabe doch gleich so bekannt vor. Ttasächlich handelt es sich hier um eine Kurzgeschichte, die Agatha Christie nicht veröffentlichte, sondern später zu einem Roman ausbaute, den ich kenne. In der Tat sind Roman und Kurzgeschichte effktiv gleich, auch wenn im Roman die Figuren noch mehr ausgebaut werden. Aber es ist spannend, die Geschichte als Vorläufer zu betrachten und zu sehen, wie Christie beim Schreiben vorging. Besondern spannend ist, dass das eines der Bücher ist, bei denen der Schaulatz sehr deutlich erkennbar ist - es ist Christies eigenes Ferienhaus, das sie hier verewigt. Auf diese Entstehungszusammenhänge verweist dann am Ende noch einmal eine Anmerkung ihres Enkels, die wirklich spannend ist und für mich zumindest sehr interessant.

Das Hörbuch fand ichsehr angenehm für eine Autobahnfahrt. Wolfgang Condrus liest akzentuiert, ohne dabei völlig zu übertreiben, es gibt keine augesetzten belgischen Akzente oder dergleichen, und man kann der Geschichte wunderbar folgen. Alles in allem wirklich ein angenehmes Hörvergnügen, dass ich über das bloggerportal gratis erhalten durfte.

[Buchgedanken] David Safier - 28 Tage lang

Mira ist 16 Jahre alt und versucht, mit ihrer Mutter und ihrer Schwester im Waschauer Ghetto zu überleben. Dafür schmuggelt sie heimlich Essen aus dem polnischen Teil der Stadt ins Ghetto und trifft dabei einen Jungen, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Amos, so sein Name, gehört dem jüdischen Widerstand im Ghetto an und geht davon aus, dass schon bald das Ghetto geräumt werden soll. Als das tatsächlich geschieht, schließt sich auch Mira den Kämpfern an und erlebt mit, wie eine kleine und nur schlecht bewaffnete Gruppe der allggenwärtigen und übermächtigen SS Widerstand bietet. 28 Tage lang wird der Aufstand dauern ...

Ich muss vorneweg eins gestehen: Ich kann David Safier als Autor einfach nicht leiden. Ich finde seine "humorvollen" Bücher immer irrsinnig schlecht geschrieben und meistens irgendwo im Pennälerhumor verankert. Deshalb habe ich auch ganz lange einen Bogen um das Buch gemacht, denn eins war mir klar: Dieses Thema und David Safier - das ist eine Herausforderung.

Und jetzt kann ich nur sagen: Chapeau, Herr Safier.

Sicher, ganz selten bricht er durch, der typische Safier-Ton, der mich dann beim Lesen kurz hatinnhealten lassen. Aber meisntes hat er eine sehr klare Sprache, ohne großen Vulgärwortschatz - und die setzt er ein. Safier hält den Finger gerade so lange auf den Leser, damit er versteht, wie willkürlich, grausam und grauenhaft das Leben im Ghetto ist. Die für mich wohl schlimmste Szene ist die Beschreibung der Räumung des Waisenhauses von Janusz Korszac, die ich nicht mehr aus dem Gedächtnis bekommen werde - Korszac, der die Mögichkeit gehabt hätte, sich retten zu lassen, geht mit seinen Kindern gemeinsam zum Zug. Wie auf einem Wandertag, in Zweierreihen und händchenhaltend, ein Lied singend und mit der Fahne des Waisenhauses. Keine Angst zu vermitteln, selbst wenn klar ist, wo er endet - ich habe nach dieser Szene nicht weiterlesen können. Und dann doch wieder weiterlesen müssen. Das Buch fesselt. Es schmerzt. Es brignt zum Weinen und zum Nachdenken. Weil immer wieder diese eine Frage im Raum steht: Was für ein Mensch willst du sein?

Das Buch ist gut. Der einzige wirklich gute Safier, den ich uneingeschränkt empfehlen kann. Was für ein Start ins Jahr 2016!

[Buchgedanken] Sebastian Fitzek - Die Therapie

Als der Psychologe Viktor Larenz in der Praxis eines Allergologen zur Toilette muss, beginnt ein Alptraum. Denn als er zurückkommt, ist seine zwölfjährige Tochter Josy spurlos verschwunden. Vier Jahre später ist Viktors Ehe nahezu gescheitert, seine Tochter immer noch verschwunden und er zieht sich zurück ins Ferienhaus der Familie auf eine abgelegene Insel. Dort klopft eines Abend eine junge Frau an die Tür. Anna Spiegel, so nennt sie sich, leidet an akuten schizophrenen Schüben - und eine davon ist ein kleines Mädchen, das ebenso spurlos verschwindet wie einst Josy. Zögernd beginnt Viktor ein Vorgespräch, das immer mehr zu einem Verwirrspiel wir,d bei dem nicht mehr klar ist, was Wahn und was Wirklichkeit ist ...

Ich habe irgendwie immer vergessen, Fitzeks Erstling zu lesen, und dann den Weihnachtsbesuch zu Hause genutzt, meiner Schwester das Buch abzuluchsen. Naja, gut, ich durfte es mir für einen Tag ausleihen und habe es gradezu verschlungen. Die Geschichte zieht wahnsinnig schnell in den Bann und man will einfach wissen, was es mit den Andeutungen von Anna Spiegel auf sich hat, dass alle Hinweise zum Verschwinde von Josy schon glasklar vorhanden sind. Als aufmerksamer Leser hat man durchaus die Chancen, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, das wirklich gut konstruiert ist. Da hätte es meiner Meinung nach das hingeklatschte Epilog-Ende gar nicht mehr gebraucht, das war mir persönlich ein bisschen zu aufgesetzt. Einfach nur die GEschiche enden lassen mit der Entdeckung der Wahrheit - hui!

Insgesamt finde ich, dass das der definitv beste Fitzek von allen ist. Es ist rasant, es beinhaltet die üblichen Zutaten zu einem klassischen "Irre-auf-der-Insel"-Szenario, die aber so gut geschüttelt werden, dass man nie weiß, was als nächstes passieren wird. Ich würde das Buch so gerne verfilmt sehen, viele der Szenen kann ich mir geradezu bildlich vorstellen - und es ist schade, dass Fitzek so lange nach einem Verleger suchen musste.

Fazit: Lest es. Für mich ein definitiver Anwärter zu den Top 20 des Jahres 2016.

[Buchgedanken] Terry Pratchett - Die Krone des Schäfers

Tiffany Weh hat es geschafft. Sie ist die Hexe des Kreidelands und wird in dieser Rolle trotz ihres jungen Alters mehr und mehr akzeptiert. Doch tief unter dem Kreideland rührt sich etwas - die Elfen rufen erneut zum Aufstand. Und Tiffany hat plötzlich nicht nur einen alten Feind und die Wir-sind-die-Größten am Hals, sondern eine Doppelhexenstelle und chronische Arbeitsüberlastung. Wo zuerst ansetzen? Zum Glück hat sie nicht nur kleine Kobolde, sondern auch einige Hexen zur Unterstützung ...

Ich habe das Buch kurz vor Silvester in der Bibliothek gesehen und sofort eingesteckt. Ich wollte einfach Abschied nehmen können von Terry Pratchett mit seinem letzten Roman, mit dem auch die Reihe um Tiffany Weh abgeschlossen wird. Nicht nur mit ihr gibt es ein Wiedersehen, sondern auch mit vielen anderen liebgewordenen Hexen, allen voran Nanny Ogg und Oma Wetterwachs. Und natürlich TOD, denn - so viel Spoiler muss sein - von einer der Figuren heißt es eben auch, Abschied zu nehmen. Der Geschichte merkt man an, dass Pratchett bis zum Ende dran gearbeitet hat und immer noch Leerstelen hätte füllen können. So ist etwa der Schuppen als Freizeitbeschäftigung für die chronisch unterbutterten Männer des Kreidelandes eine gute Idee, die aber noch ausgebaut hätte werden können, so steht es am Anfang etwas sinnfrei in der Gegend, um am Ende im Showdown eine Rolle zu erhalten. Auch Gottfried, die erste männliche Hexe der Scheibenwelt, hätte noch viel mehr Raum verdient, nich zu vergessen die unterschiedlichen Hexencharaktere ... aber ach, dafür hat die Zeit nicht mehr gereicht und so nimmt man eben Abschied mit einer unvollendeten Geschichte, die aber bereits den typischen Witz von Pratchett erahnen lässt.

Dieser Witz jedoch geht in der deutschen Übersetzung ziemlich zugrunde, da die neue Übersetzerin zum einen völlig sinnlos dazu übergeht, Personen ihren Originalnamen zu geben (man mag ja dagegen sein, Figurennamen überhaupt zu übersetzen - aber wenn man es schon so lange so macht, kann man das doch auch beim letzten Band beibehalten ...), zum anderen einfach extrem vordergründig übersetzt und Sprachwitz dabei hintenanstellt. Das ist besonders zu spüren, sobald es in die "obszönere" Ecke geht, sei es bei Nanny Ogg oder an anderen Stellen. Ja, auch Pratchett ist im Original kein Kostverächter, doch schafft er es irgendwie, nicht die vulgärste oder simpelste Wortwahl zu verwenden, sondern ein Augenzwinkern zu behalten  - während in der Übersetzung halt mal vom "Gehänge" und den "Eiern" die Rede ist. Ich weiß auch nicht, mich hat das beim Lesen immer ein bisschen rausgerissen, leider. Denn darunter hat der Abschied gelitten, weil ich mich immer mehr über die Übersetzung geärgert habe. Ich werde es also definitiv noch einmal im Original versuchen müssen.

Montag, 28. Dezember 2015

[Rezensionsexemplar] Tomas Bannerhed - Die Raben

Småland in den 70er Jahren: Vögel sind Klas‘ Leidenschaft, er ist ein Vogelbeobachter. Ihr Flug ist für ihn wie eine Verheißung von Freiheit, tage- und nächtelang hält er nach ihnen Ausschau, lauscht ihren Rufen. Klas liebt die Vögel, weil er so wenigstens für kurze Zeit der schweren Feldarbeit und seinem schwierigen, zunehmend irrer werdenden Vater entfliehen kann. Klas soll später einmal den Hof übernehmen. Aber seine Träume sehen anders aus. Er sucht die Einsamkeit der Wälder und begeistert sich für die Eleganz von Raben. Spricht das für seinen eigenenen Irrsinn?

 Ich hatte das Buch schon vor einiger Zeit als Rezensionsexemplar über das bloggerportal bekommen, dann angefangen, es wieder weggelegt, wieder angefangen - und irgendwie hatte ich nie die Muse, weiterzulesen. Das Buch ist, das kann man nicht anders sagen, sprachgewaltig - und gerade seit Oktober war ich einfach nicht in der Lage, wirklich konzentriert an einem Buch zu lesen, sondern permanent abgelenkt. Die Zeit im Krankenhaus konnte ich dann nutzen, um endlich mal das Buch über Seite 20 hinaus zu lesen und ich wurde nicht enttäuscht. Es ist eine sehr eigenwillige Geschichte, in der vor allem die Sprache sehr extrem auf den Leser wirkt. Man sieht förmlich die öden Landschaften vor sich, denen Klas entgehen will, man spürt die Verzweiflung am langsamen Wahnsinn seines Vaters in jeder einzelnen Zeile. Das hat es mir aber auch sehr schwer gemacht, wenn ich ehrlich sein soll, denn ich zumindest muss sehr konzentriert bei solch sprachgewaltigen Büchern lesen und verliere oft ein wenig die Lust, weiterzulesen, wenn die Geschichte nicht hochgradig spannend ist. Und genau das war es dann, was bei diesem Buch den Ausschlag gegeben hat, dass ich nicht völlig begeistert war - mir war es zu viel Erzählen und zu wenig Handlung, zu viel literarischer Hochgenuss, der eltztlich wenig Geschichte voranträgt, um am Ball zu bleiben und das Buch zu einem totalen Highlight meines Lesejahres werden zu lassen.

[Buchgedanken] Peter S. Beagle - Das letzte Einhorn und Zwei Herzen

Das Einhorn lebt in inem grünen Wald und bislang ist sein Leben in Ordnung. Bis es zwei Jäger belauscht, die sich darüber unterhalten, dass es keine Einhörner mehr gibt. Ist es wirklich das letzte Einhorn? Was ist mit allen anderen passiert? Auf seiner Suche nach der Antwort trifft es auf den Zauberer Schmendrick und die Räuberin Molly Grue, die es begleiten an den Hof des Königs Haggard. Denn er und sein roter Stier sollen daran Schuld sein, dass die Einhörner verschwunden sind ...

Jeder, wirklich jeder, kennt den Zeichentrickfilm von 1982. Dass es eine literarische Vorlage dafür gibt, ist allerdings an sehr vielen vorbeigegangen, so auch an mir. Erst dank der Blogverlosungen zum Welttag des Buches 2014 habe ich davon erfahren, denn damals habe ich das Buch gewonnen, und seitdem steht es ungelesen in meinem Schrank. Passend zur Lesenacht habe ich dann nach einem eher kurzen Buch gesucht, das mir die Nacht versüßen könnte, und wurde hier wieder fündig. Und in der Tat ist die Geschichte "Das letzte Einhorn" fast noch besser als der Film. Zum einen sind die Figuren hier nicht ganz so eindimensional. Insbesondere Schmendrick ist weit entfernt von dem dummen Jahrmarkstzauberer, der mal zufällig Glück hat, sondern ein sehr undurchschaubarer Charakter. Haggard, der bei mir einfach so fest verknüpft mit Christopher Lee ist, dass ich seine Stimme permanent im Ohr hatte, und Lír sind zwei interessante Persönlichkeiten, die auf die Existenz des Einhorns ganz unterschiedlich reagieren. Besonder gefallen hat mir der Humor, der gelegentlich beim Erzähler durchblitzt, der ähnlich wie z.B. in "Die Brautprinzessin" seine Fantastik nicht nur ernst nimmt, sondern auch mal augenzwinkernde Anmerkungen machen kann. Ein tolles Buch also - aber warum dann nicht volle Begeisterung?

Blöderweise ist in dem Buch noch eine andere Geschichte enthalten, nämlich "Zwei Herzen", eine Fortsetzung durch Peter S. Beagle aus dem Jahr 2005. Naja, was heißt Fortsetzung Nur weil dieselben Personen auftauchen, ist es noch lange keine Forstezung - das ganze liest sich eher wie ziemlich nervige Fanfiction. Erzählt wird aus der Sicht der neunjährigen Zoot, in deren Dorf ein Greif Kinder tötet und die sich aufmacht, den König Lír zu holen. Dabei trifft sie Schmendrick und Molly. Und das Einhorn darf auf den letzten drei Seiten acuh mal durchs Bild huschen - ich weiß nicht. Die Sprache ist deutlich schwächer, die Geschichte viel zu kurz um mich wirklich in den Bann zu ziehen (50 Seiten nur) und ich frage mich, warum sie überhaupt existiert? Eine so unnütige Form der Forstetzung habe ich selten erlebt. Das dann noch gepapart mit dem extrem unpassenden Titelbild machte das Buch leider nicht mehr ganz so gut in der B-Note, obwohl die ersten 250 Seiten wirklich, wirklich toll sind!

[Buchgedanken] Hans Fallada - Kleiner Mann - was nun?

Johannes Pinneberg ist ein kleiner Angestellter, der sich 1930 eher schelcht als recht durchschlägt. Und dann wird seine Freundin Emma, genannt Lämmchen, plötzlich schwanger, die beiden heiraten und müssen nun gemeinsam durchkommen. Als Pinneberg seine Arbeit in Mecklemburg verliert, ist es Lämmchen, die Kontakt mit seiner Mutter in Berlin aufnimmt, sodass er als Verkäufer in der Oberbekleidungsabteilung des Kaufhauses Mandel unterkommt. Das Leben ist nicht einfach und der Lohn immer geringer, bis Pinneberg sich schließlich einreihen muss in das Arbeitslosenheer Berlins ...

Neben "Der Trinker", das immer noch angefangen auf meinem SUB liegt (weil es mich zu sehr erschüttert), ist "Kleiner Mann - was nun?" das berühmteste Buch von Hans Fallada. Sehr lange habe ich es nicht gelesen und dann zur Hand genommen, weil es in dem Buch über die Weimarer Republik erwähnt wurde. Jetzt ärgere ich mich fast, dass ich es nicht früher gemacht habe :-)

Hinter dem Buch verbrigt sich keine große Gesellschaftskritik, wer das erwartet, der ist hier defiitv an der falschen Adresse. Selbstverständlich zeigt Fallada mit Hilfe von typischen Figuren die Lebensumstände der Umbruchsjahre in der Weltwirtschaftskrise auf. Da sind windige Figuren wie Mutter Pinneberg und ihr Lebensgefährte, die zwa einerseits für dei Familie einstehen, andererseits immer ihre eigenen Ziele zu verfolgen scheinen. Vor allem aber der Druck des Alltags auf den "kleinen Mann" und die eiserne Sparsamkeit in der Haushaltsführung werden von Fallada immer wieder thematisiert. Sei es durch den "Normal-Etat", den Lämmchen aufstellt und der dem Leser von heute das Gefühl vermittelt, wieviel oder wenig tatsächlich das Geld in der Wirtschaftskrise wert war, sei es auch durch die Darstellung des Arbeitsalltags für Pinneberg, der unss heute vielleicht auch wieder bekannt vorkommt.

Am meisten beeindruckt hat mich, dass Fallada trotz allem durch die Figur von Lämmchen einen gewissen Optimismus in der Geschichte beibehalten kann. So schlimm kann es nicht sein, solange die beiden wenigstens beieinander bleiben - letztlich ist das Buch eine Parabel über die Liebe in schwierigen Umständen. Ein Buch, das Hoffnung macht, trotz aller schlechten Lebensumstände. Vielleicht braucht man zum Jahresende genau das :-)

Samstag, 26. Dezember 2015

[Buchgedanken] Rebecca Gablé - Das zweite Königreich

England 1064: ein Überfall durch dänische Piraten beendet die unbeschwerte Kindheit des jungen Cædmon. Sein Bein wird durch eine Verletzung steif und sein Vater entscheidet sich dazu, den verkrüppelte Sohn an den Hof des Herogs William in die Normandie zu schicken. Zwei Jahre später wird Cædmon mit William dem Eroberer zurück in seine Heimat kommen und dort vor eine unlösbar scheinende Aufgabe gestellt: als Mittler zwischen Eroberern und Besiegten soll er Normannen und Engländer helfen auszusöhnen. Keine leichte Aufgabe, ist William zwar durchaus ein netter Kerl, aber eben auch sehr leicht reizbar. Und dann verliebt sich Cædmon auch noch in die völlig falsche normannische Dame ...

Ich hatte sehr lange einen Bogen um "Das zweite Königreich" gemacht, weil die normannische Zeit in England nicht grade mein Steckenpferd ist. Hundert Jahre später - alles super, aber diese Schlacht von Hastings muss einfach nicht sein bei mir. Nichtsdestotrotz hatte ich den Dezember dank Sehnerventzündung und eineinhalb Wochen Krankenhaus Zeit, um mich mal wieder ganz den dicken Büchern in meinem Regal zu widmen. Streckenweise musste ich mich wirklich durchkämpfen durch das Buch, dem man anmerkt, dass es ein eher frühes Werk der Autorin ist. Vor allem zwei Dinge habe ich hier zu kritisieren.

Da ist zum einen die Sprache, die noch nicht ganz so gefestigt ist und mir manchmal ein wenig zu oberflächlich geblieben ist. Auch die Beschreibungen waren zum Teil sehr sparsam, Handlungen wurden extrem gerafft, grade die Schlachten, die ja eigentlich einen Großteil der Geschichte ausmachen. Zum anderen hatte ich ziemliche Probleme damit, am Ball zu bleiben, weil sich im Buch doch sehr viel widerholt. Die ständigen Verhaftungen Cædmons zum Beispiel, das läuft sich irgendwann tot. Der Spannungsbogen ist eher eine Spannungswellenlinie, die deutliche Dopplungen aufweist, für mich waren es gut hundert Seiten zu viel (hätte ich auch nie gedacht).


Nichtsdestotrotz ist das Buch ein wahninnig guter historischer Roman, der das Ankommen und langsame Zusammenwachsen von Engländern und Normannen beschreibt. Extrem spannend sind die unterschiedlichen Charaktere der historisch verbürgten Figuren, die von Rebecca Gablé nicht einfach nur als Staffage gebraucht werden, sondern als Romanfigur Handlung vorantreiben oder auch mal blockieren, die wirklich leben dürfen und Lust machen, sich noch mehr mit ihnen zu beschäftigen. Mein smartphone ist bei der Lektüre gelegentlich heißgelaufen, weil ich wissen wollte, was aus Wulfnoth und Rufus wurde ;-) Lest ihn also trotzdem, und sei es, um quasi die Vorgeschichte der Warringhams zu erleben :-)