Diederich Heßling ist ein weichliches Kind, das schnell lernt, dass
man im Leben weiterkommt, indem man nach oben buckelt und seine
Verachtung nur nach unten weitergibt. Ein Katzbuckler, ein Radfahrer,
ein typischer Vertreter des Großbürgertums des preußischen Staats - und
ein idealer Untertan des jungen Kaisers Wilhelm II. Der Leser folgt dem
kleinen Wilhelm durch die Schulzeit ins Studium und die Burschenschaft,
in den Beruf und ins Eheleben und wir Zeuge, wie der kleine Feigling
Heßling sich durch geschickte Schazüge immer wieder so zu setzen weiß,
dass er am Ende als gemachter Mann dasteht ...
Seit
wann lag dieses Buch jetzt auf meinem ereader? Mindestens sieben Jahre,
würde ich schätzen, und jetzt habe ich mich endlich dran gewagt. klar,
ein Klassiker und von Heinrich Mann, das konnte eignetlich nicht
großartig schiefgehen, dachte ich. Anfangs jedoch fand ich so gar nicths
ins Buch. Der Stil von Manns Erstling ist extrem zäh (anders als bei
Thomas Mann scheinen bei Heinrich die älteren Bücher deutlich besser zu
sein ;-) ) und die ständigen zwischengeschalteten Auszüge aus
Kaiserreden haben michnur noch genervt. Dafür wurde ich aber belohnt mit
einer Charakterstudie, die sich gewaschen hat, wenn man sich
konzentriert. Diederich (noch nicht einmal der Name ist wirklich hart,
sondern ein verwaschen-verweichlichter Abklatsch von Dietrich) ist ein
Schweinehund, wie er im Buch steht. Ein Saftsack, der seine eigene Oma
dem Teufel verkaufen und persönlich zur Hölle hinterhertragen würde,
wenn er dafür etwas bekommt, was sich rentiert. Ein Mann, der nur auf
den eigenen Vorteil bedacht ist und wie eine Spinne dafür im Notfalla
uch ein wenig warten kann. Wirklich eklig wurde er mir zum ersten Mal
bei einer Gerichtsverhandlung, in der er als Belastungszeuge aussagen
soll - und erstm einmal zurückzieht, weil er Angst hat, der Gegner
könnte freigesprochen werden und er damit als der Dumme dastehen. Wie
Mann diesen Geier im Laufe des Roman enttarnt und vorführt, das hat
großen Stil - bis zum bitteren Ende, wenn Diederichs Großmachtphantasien
im Regen fortgespült werden.
Ein tolles Buch. Ein Biedermann im schlimmsten Sinne, dem man sich gar nciht nähern will - es aber immer wieder tun sollte.
Samstag, 28. März 2015
Montag, 9. März 2015
[Buchgedanken] Georg Lentz - Muckefuck
Karl Kaiser, geboren Ende der Zwanziger Jahre wächst in einem typischen Haushalt auf. Die Eltern arbeiten sich mit einem Taxiunternehmen langsam von Laubenbewohnern zu Eigenheimbesitzern hoch, Karl, auch Menschlein genannt, wächst und gedeiht, die Schule beginnt, die ersten Freundschaften entstehen und zerbrechen wieder, erste Liebe wandelt sich zu erstem Liebeskummer, und das alles vor dem Hintergrund des heraufziehenden Zweiten Weltkriegs ...
So kurz lässt sich der Inhalt dieses Buches zusammenfassen, das ich schon seit geraumer Zeit auf dem ereader gespeichert hatte. Es war an der Zeit, mich näher mit ihm zu beschäftigen und so habe ich vor allem den Flug nach Neuseeland dazu genutzt. Auf insgesamt 286 Seiten wird mit typischer Berliner Schnauze von einer typischen Kindheit erzählt. Und genau das ist vermutlich ein wenig mein Problem mit dem Buch, das sich mir nicht immer so geöffnet hat, wie ich es gerne gehabt hätte. Was mir zum einen fehlt, sind mal ein wenig stringentere Zeitangaben, oftmals schließt man mit gesundem Allgemeinwissen die Zeit richtig aus irgendwelchen historischen Ereignissen, die am Rande erwähnt werden - allzu oft allerdings schmeißt einen Lentz dann schon wieder zurück in eine andere Zeit oder mal voraus in eine Zeit. Das Buch ist so ein typisches "vom Hälzchen auf Stöckchen zum Gummibaum"-Buch, was unterhaltsam ist, worunter aber meiner Meinung nach die Qualität extrem leidet. Denn leider nimmt sich Lentz nicht die Zeit, diese Anekdoten immer auszuerzählen, sondern stattdessen lässt er sie einfach nur angerissen im Raum stehen. Fand ich doof und hat mich beim Lesen immer mehr gestört.
Auch die Figurenzeichnung leidet darunter, denn hier bleiben Figuren oftmals nur bei einer einzigen charakteristischen Sache, die in Anekdoten wiedergeben wird. Das Buch hat mich sehr an alte Leute erinnert, die sich im Altersheim beim Sonntagskaffee gegenseitig im "Wisst ihr noch, damals ..."-Rausch wiegen. Für einen Flug war es seichte Unterhaltung, die ich nicht mehr unbedingt wieder lesen muss.
So kurz lässt sich der Inhalt dieses Buches zusammenfassen, das ich schon seit geraumer Zeit auf dem ereader gespeichert hatte. Es war an der Zeit, mich näher mit ihm zu beschäftigen und so habe ich vor allem den Flug nach Neuseeland dazu genutzt. Auf insgesamt 286 Seiten wird mit typischer Berliner Schnauze von einer typischen Kindheit erzählt. Und genau das ist vermutlich ein wenig mein Problem mit dem Buch, das sich mir nicht immer so geöffnet hat, wie ich es gerne gehabt hätte. Was mir zum einen fehlt, sind mal ein wenig stringentere Zeitangaben, oftmals schließt man mit gesundem Allgemeinwissen die Zeit richtig aus irgendwelchen historischen Ereignissen, die am Rande erwähnt werden - allzu oft allerdings schmeißt einen Lentz dann schon wieder zurück in eine andere Zeit oder mal voraus in eine Zeit. Das Buch ist so ein typisches "vom Hälzchen auf Stöckchen zum Gummibaum"-Buch, was unterhaltsam ist, worunter aber meiner Meinung nach die Qualität extrem leidet. Denn leider nimmt sich Lentz nicht die Zeit, diese Anekdoten immer auszuerzählen, sondern stattdessen lässt er sie einfach nur angerissen im Raum stehen. Fand ich doof und hat mich beim Lesen immer mehr gestört.
Auch die Figurenzeichnung leidet darunter, denn hier bleiben Figuren oftmals nur bei einer einzigen charakteristischen Sache, die in Anekdoten wiedergeben wird. Das Buch hat mich sehr an alte Leute erinnert, die sich im Altersheim beim Sonntagskaffee gegenseitig im "Wisst ihr noch, damals ..."-Rausch wiegen. Für einen Flug war es seichte Unterhaltung, die ich nicht mehr unbedingt wieder lesen muss.
Montag, 16. Februar 2015
[Buchgedanken] George R.R. Martin - Ein Lied von Eis und Feuer 08. Die dunkle Königin
Der Krieg in Westeros geht in weitere Runde. Nach dem Tod Jeoffreys versuchen sowohl Cersei als auch Margery Tyrell Einfluss auf den kleinen Tommen auszuüben, der seiner Rolle als König so gar nciht gewachsen ist. Cersei als Statthalterin sinnt darauf, den Einfluss Rosengartens möglichst niedrig zu halten und tanzt dabei einen Spitzentanz am Rande eines nicht zu überschauenden Abgrunds. Gleichzeitig formieren sich in Dorne Widerstand und Pläne, die Herrschaft des Hauses Baratheon endgültig zu beenden, indem man neue Verbündete sucht. Und während im Norden die Eisenmänner zum Krieg rüsten, macht eine mysteriöse graue Dame Jagd auf die Feinde des Hauses Stark ...
Mit Band 8 ist man als Leser endgültig der Fernsehserie voraus und muss sich auch mit einer Vielzahl neuer Figuren anfreunden, die plötzlich in den Mitelpunkt rücken (kein Wunder, hat George R.R. Martin doch wieder einmal bis Band 7 ein Gemetzel unter seinen Figuren angerichtet, das übrigens auch hier gleich weitergehen wird ...) De tielgebende dunkle Königin kann dabei nicht nur eine Frau sein. Ist es Dany, die hier noch keinen Auftritt hat, deren potentielle Nachfolgewahrscheinlichkeiten auf dem Eisernen Thron aber immer stärker diskutiert werden? Ist es die graue Dame, die nicht nur ein Widersehen verspricht mit einer altbekannten Figur, sondern vor allem auch mit der Frage, wie viel Grausamkeit dadurch gerechtfertigt zu sein scheint, wenn man zuvor selbst verraten wurde? Für mich ist es aber eindeutig Cersei, die hier im Buch im Mittelpunkt steht und die versucht, das Spiel der Throne zu gestalten.
Dumm nur, dass Cersei so ziemlich jede politische Weitsicht fehlt. Sie will herrschen, wurde darauf aber nciht vorbereitet, und in extrem kindischer "ich weiß es aber besser als ihr alle" lässt sie sich auf einen ersten Handel ein, dessen Endergebnis für den Leser absehbar erscheinen muss. Dazu kommt ihr absoluter Hass auf Margery, die (anders als in der Serie, darauf bin ich ja schon gespannt) mit ihrer naiv-blumigen Art und Weise einen ziemlichen Kontrapunkt darstellt. Ich werde nicht spoilern, aber der Plan, den Cersei ausheckt, ist so durchtrieben und hinterhältig - der musste einfach schiefgehen, berücksichtigt man, wer daran alles beteiligt sein sollte. Das Spiel der Throne gewinnt man oder verliert man - noch nie in den Büchern ist dieser simple Satz so gelungen umgesetzt worden. Beziehungsweise zumindest im Anfang umgesetzt worden, denn genau diese spannede Storyline wird erstmal nicht weiter verfolgt werden, stattdessen widmen sich die beiden letzten Bände den parallel stattfindenden Ereignissen an der Mauer und andernorts. Verdammt. Band 8 war das Buch, das mir bislang am besten gefallen hat, gerade wegen Cersei - schreiben Sie schneller, Mr.Martin!!!!!
Mit Band 8 ist man als Leser endgültig der Fernsehserie voraus und muss sich auch mit einer Vielzahl neuer Figuren anfreunden, die plötzlich in den Mitelpunkt rücken (kein Wunder, hat George R.R. Martin doch wieder einmal bis Band 7 ein Gemetzel unter seinen Figuren angerichtet, das übrigens auch hier gleich weitergehen wird ...) De tielgebende dunkle Königin kann dabei nicht nur eine Frau sein. Ist es Dany, die hier noch keinen Auftritt hat, deren potentielle Nachfolgewahrscheinlichkeiten auf dem Eisernen Thron aber immer stärker diskutiert werden? Ist es die graue Dame, die nicht nur ein Widersehen verspricht mit einer altbekannten Figur, sondern vor allem auch mit der Frage, wie viel Grausamkeit dadurch gerechtfertigt zu sein scheint, wenn man zuvor selbst verraten wurde? Für mich ist es aber eindeutig Cersei, die hier im Buch im Mittelpunkt steht und die versucht, das Spiel der Throne zu gestalten.
Dumm nur, dass Cersei so ziemlich jede politische Weitsicht fehlt. Sie will herrschen, wurde darauf aber nciht vorbereitet, und in extrem kindischer "ich weiß es aber besser als ihr alle" lässt sie sich auf einen ersten Handel ein, dessen Endergebnis für den Leser absehbar erscheinen muss. Dazu kommt ihr absoluter Hass auf Margery, die (anders als in der Serie, darauf bin ich ja schon gespannt) mit ihrer naiv-blumigen Art und Weise einen ziemlichen Kontrapunkt darstellt. Ich werde nicht spoilern, aber der Plan, den Cersei ausheckt, ist so durchtrieben und hinterhältig - der musste einfach schiefgehen, berücksichtigt man, wer daran alles beteiligt sein sollte. Das Spiel der Throne gewinnt man oder verliert man - noch nie in den Büchern ist dieser simple Satz so gelungen umgesetzt worden. Beziehungsweise zumindest im Anfang umgesetzt worden, denn genau diese spannede Storyline wird erstmal nicht weiter verfolgt werden, stattdessen widmen sich die beiden letzten Bände den parallel stattfindenden Ereignissen an der Mauer und andernorts. Verdammt. Band 8 war das Buch, das mir bislang am besten gefallen hat, gerade wegen Cersei - schreiben Sie schneller, Mr.Martin!!!!!
Montag, 9. Februar 2015
[Buchgedanken] Ulrike Purschke - Hendrikje, vorübergehend erschossen
Kennt ihr auch Leute, die eigentlich viel zu nett sind für diese Gesellschaft und deshalb immer auf die Schnauze fallen? Dann kennt ihr Hendrikje, die Protagonistin dieses Romans. tagsüber Kellnerin trämt sie eigentlich davon, als Malerin groß rauszukommen, aber nicht einmal ihre Omi glaubt an sie. Ihre Freunde nutzen sie aus, ihre Chefin findet sie doof, aber eigentlich kommt Hendrikje mit ihrer naiven und dennoch liebenswerten Art ganz gut durchs Leben. Bis das Schicksal einmal zu hart zuschlägt und Hendrikje nicht nur ihre tote Oma, sondern auch einen Berg Schulden und einen zerstörten Gemäldevorrat vor sich hat. Ihr einziger Ausweg: Selbstmord. Aber selbst der scheitert im ersten Anlauf, undd deshalb will sie beim zweiten Mal alles richtig machen - zusammen mit ihren Freunden. Bloß dumm, dass dabei alles schiefgeht und am Ende zwei Tote und noch mehr Chaos auf Hendrikje warten ...
Vielleicht lag es einfach daran, dass die Bücher zuvor alle ein bisschen doof waren - aber ich habe dieses Buch geradezu verschlungen. Hendrikje ist eine Protagonistin, die man am liebsten schütteln, dann in den Arm nehmen und beschützen und stattdessen die Idioten um sie herum schütteln will. Für alle Widrigkeiten in ihrem Leben hat sie eine Entschuldigung, die darauf hinausläuft, dass der Fehler bei ihr liegt und die anderen gar nichts dafür können - Selbstreflexion ist ja immer gut, aber bei ihr geht sie definitiv zu weit. Eine der schönsten Szenen ist die, als sie aus der Badewanne geklingelt wird vom Exfreund, der natürlich nach dem Selbstmord ihre Wohnung übernehmen darf und jetzt schon mal die Küche ausmessen will - so bildlich habe ich selten beim Lesen etwas vor mir gesehen. Das Buch ist eine reine Tragikomödie und ich als Leser habe mich sehr oft in der Rolle der Psychologin wiedergefunden, der Hendrikje diese haarsträubende Geschichte auftischt und die fragt: "Ich hoffe doch, es hat ihn erwischt?" Je länger die Geschichte voranschreitet, desto unbegreiflicher wird es für mich, wie Hendrikje so lange hat überleben können in unserer Welt - und gleichzeitig wünscht man sich, dass es noch viel mehr Hendrikjes gibt. Sie haben vielleicht keinen Namen, den man stöhnen kann, aber dafür haben sie definitiv das Gesprü, alle um sich herum positiv erscheinen zu lassen. Und das ist doch auch mal ein Lesehighlight :-)
Vielleicht lag es einfach daran, dass die Bücher zuvor alle ein bisschen doof waren - aber ich habe dieses Buch geradezu verschlungen. Hendrikje ist eine Protagonistin, die man am liebsten schütteln, dann in den Arm nehmen und beschützen und stattdessen die Idioten um sie herum schütteln will. Für alle Widrigkeiten in ihrem Leben hat sie eine Entschuldigung, die darauf hinausläuft, dass der Fehler bei ihr liegt und die anderen gar nichts dafür können - Selbstreflexion ist ja immer gut, aber bei ihr geht sie definitiv zu weit. Eine der schönsten Szenen ist die, als sie aus der Badewanne geklingelt wird vom Exfreund, der natürlich nach dem Selbstmord ihre Wohnung übernehmen darf und jetzt schon mal die Küche ausmessen will - so bildlich habe ich selten beim Lesen etwas vor mir gesehen. Das Buch ist eine reine Tragikomödie und ich als Leser habe mich sehr oft in der Rolle der Psychologin wiedergefunden, der Hendrikje diese haarsträubende Geschichte auftischt und die fragt: "Ich hoffe doch, es hat ihn erwischt?" Je länger die Geschichte voranschreitet, desto unbegreiflicher wird es für mich, wie Hendrikje so lange hat überleben können in unserer Welt - und gleichzeitig wünscht man sich, dass es noch viel mehr Hendrikjes gibt. Sie haben vielleicht keinen Namen, den man stöhnen kann, aber dafür haben sie definitiv das Gesprü, alle um sich herum positiv erscheinen zu lassen. Und das ist doch auch mal ein Lesehighlight :-)
Samstag, 7. Februar 2015
[Buchgedanken] Otto Gritschneder - Anwaltsgeschichten
Es gibt Bücher in meinen Regalen, die gehören sehr eindeutig nicht mir. Dazu gehört eine kleine Sammlung schmaler Bände, die so schöne Titel tragen wie "Zitateschatz für Juristen" oder das schon einmal vorgestellte "Nackt duschen verboten", und eben auch "Anwaltsgeschichten". Ja, solche Bücher sammeln sich an, wenn man mit einem Juristen liiert ist, und ich bin diesmal gar nicht so traurig darüber. Denn zumindest sind alle diese Bücher kürzer als 200 Seiten und haben es mir erleichtert, die diesjährige Zusatzaufgabe für die "Einmal durchs Regal"-Challenge zu erledigen.
Allerdings musste ich wieder einmal feststellen, dass Juristen und ihre Humorebene von mir um einige Kilometer entfernt sind. Mein Mann hat sich bei Gritschneders Erinnerungen an Definitionsungetüme wie die zum rechten Einschenken einer Maß oder an Fälle von eindeutig nicht betrügerischem Betrug weggeschmissen vor Lachen, während ich in den meisten Fällen beim Lesen jetzt mehr reagiert habe mit "Joah .... ist ganz nett". Gritschneder kann nicht nur auf ein bewegtes Leben zurückblicken (Hallo? Der Mann hatte Himmlers Vater zum Schuldirektor!), er war auch lange genug als Anwalt tätig, um Geschichten erlebt oder gehört zu haben, die man bei einem feuchtfröhlichen Abend zu später Stunde rauskramt und wehmütig den Zeiten nachtrauert. Bürokratie, Tricks im Umgang mit Trickbetrügern oder die wohl simpelste Idee zu einer Flucht aus dem Gefängnis, Gritschneder hat zu allem eine Anekdote parat. Allerdings finde ich, dass man drüber streiten kann, ob die Geschichte der beiden Malergesellen, die 1939 einen Prozess wegen Wehrkraftzersetzung grade so überleben, nur um direkt danach von der SS einkassiert zu werden, jetzt so knuffig ist, dass man sie mal eben so im Vorbeigehen dem Leser hinschmeißt ...
Insgesamt war mir das Buch zu anekdotenhaft und zu juristisch im Denken. Wer einen Anwalt im Freundes- oder Familienkreis hat, der kann es gern verschenken, denn mit Sicherheit finden sich da viele Fans, die zu eben diesen Anekdoten noch andere beisteuern können. Mich selbst hat es aber nicht vom Hocker gehauen - aber hey, es aht ja auch nur knapp 150 Seiten.
Allerdings musste ich wieder einmal feststellen, dass Juristen und ihre Humorebene von mir um einige Kilometer entfernt sind. Mein Mann hat sich bei Gritschneders Erinnerungen an Definitionsungetüme wie die zum rechten Einschenken einer Maß oder an Fälle von eindeutig nicht betrügerischem Betrug weggeschmissen vor Lachen, während ich in den meisten Fällen beim Lesen jetzt mehr reagiert habe mit "Joah .... ist ganz nett". Gritschneder kann nicht nur auf ein bewegtes Leben zurückblicken (Hallo? Der Mann hatte Himmlers Vater zum Schuldirektor!), er war auch lange genug als Anwalt tätig, um Geschichten erlebt oder gehört zu haben, die man bei einem feuchtfröhlichen Abend zu später Stunde rauskramt und wehmütig den Zeiten nachtrauert. Bürokratie, Tricks im Umgang mit Trickbetrügern oder die wohl simpelste Idee zu einer Flucht aus dem Gefängnis, Gritschneder hat zu allem eine Anekdote parat. Allerdings finde ich, dass man drüber streiten kann, ob die Geschichte der beiden Malergesellen, die 1939 einen Prozess wegen Wehrkraftzersetzung grade so überleben, nur um direkt danach von der SS einkassiert zu werden, jetzt so knuffig ist, dass man sie mal eben so im Vorbeigehen dem Leser hinschmeißt ...
Insgesamt war mir das Buch zu anekdotenhaft und zu juristisch im Denken. Wer einen Anwalt im Freundes- oder Familienkreis hat, der kann es gern verschenken, denn mit Sicherheit finden sich da viele Fans, die zu eben diesen Anekdoten noch andere beisteuern können. Mich selbst hat es aber nicht vom Hocker gehauen - aber hey, es aht ja auch nur knapp 150 Seiten.
[Buchgedanken] Minette Walters - Im Eishaus
Im stillgelegten Eishaus des Herrenhauses Streech Grange findet der Gärtner eine verweste Leiche. Bereits das ist nicht unbedingt angenehm, doch die Sache wird nicht dadurch besser, dass besagtes Herrenhaus vor zehn Jahren bereits möglicherweise Schauplatz eines Mordes wurde. Phoebe Maybury wurde zumindest damals verdächtigt, ihren Gatten David um die Ecke gebracht zu haben. Der ist zumindest seit dem verschwunden, doch einen Mord konnte man nie nachweisen. Bis jetzt, und Inspector Walsh setzt alles daran, diesen nie gelösten Fall seiner Karriere endlich zum Abschluss zu bringen. Doch ist der Mord an David Maybury tatsächlich das düstere Geheimnis, das Phoebe und ihre zwei Freundinnen verbergen, die sich seit zehn Jahren in Streech Grange verschanzen?
Ich habe "Im Eishaus" zum ich-weiß-nicht-wievielten Mal gelesen und jedes Mal bin ich vom Ende überrascht, weil ich es einfach vergesse. Tatsächlich vergesse in allen und vollständigen Details. Das spricht nicht grade für die Qualität dieses Endes, und tatsächlich habe ich auch diesmal beim Lesen mehrfach gedacht "ach bitte ... also im Ernst ..." Dabei fängt das Buch extrem spannend an. Die sehr undurchsichtigen Verhältnisse auf Streech Grange schreien geradezu "Achtung, Geheimnis!" und man will als Leser schnell wissen, was da passiert ist. Ist David tatsächlich ermordet worden? Wer ist die weinende Frau, die vor einigen Monaten angeblich im Garten des Herrenhauses gehört worden ist? Und was ist mit dem Penner in den rosa Hosen passiert? Diese Fragen werden im Laufe des Buches beantwortet, wobei mich da zwei Dinge gestört haben.
Zum einen das Zufallsprinzip, mit dem am Ende dann der Fall gelöst wird, und das sich irgendwie so gar nicht richtig nachdeduzieren lässt. Kommissar Zufall spielt hier eine entscheidende Rolle, die mir nicht zusagt. Ähnlich wie bei Agatha Christie ist es halt weniger Verdienst des Lesens der gelieferten Beweise als Hirnblitzer eines Ermittlers, die die Lösung herbeiführen. Und da sind wir beim zweiten Punkt, der mich stört: die 180°-Wandlung, die nahezu alle Figuren plötzlich durchmachen. Das ist,k als wären zwei verschiedene Bücher zusammengeklebt worden, und diese Veränderung ist nicht etwa Ergebnis eines Prozesses, sondern sie steht plötzlich einfach da und ich frag mich nur "Häh?" Das betrifft sowohl Kommissare wie auch Verdächtige und hat mir einfach ein wenig den Spaß verdorben beim Lesen. Es war ... nein, nicht langweilig, aber so, als wäre Minette Walters einfach keine bessere Lösung eingefallen, um das Buch zu beenden. Schade, denn der Anfang hat so viel Potential, das dann auf den letzten hundert Seiten ziemlich untergehen.
Ich habe "Im Eishaus" zum ich-weiß-nicht-wievielten Mal gelesen und jedes Mal bin ich vom Ende überrascht, weil ich es einfach vergesse. Tatsächlich vergesse in allen und vollständigen Details. Das spricht nicht grade für die Qualität dieses Endes, und tatsächlich habe ich auch diesmal beim Lesen mehrfach gedacht "ach bitte ... also im Ernst ..." Dabei fängt das Buch extrem spannend an. Die sehr undurchsichtigen Verhältnisse auf Streech Grange schreien geradezu "Achtung, Geheimnis!" und man will als Leser schnell wissen, was da passiert ist. Ist David tatsächlich ermordet worden? Wer ist die weinende Frau, die vor einigen Monaten angeblich im Garten des Herrenhauses gehört worden ist? Und was ist mit dem Penner in den rosa Hosen passiert? Diese Fragen werden im Laufe des Buches beantwortet, wobei mich da zwei Dinge gestört haben.
Zum einen das Zufallsprinzip, mit dem am Ende dann der Fall gelöst wird, und das sich irgendwie so gar nicht richtig nachdeduzieren lässt. Kommissar Zufall spielt hier eine entscheidende Rolle, die mir nicht zusagt. Ähnlich wie bei Agatha Christie ist es halt weniger Verdienst des Lesens der gelieferten Beweise als Hirnblitzer eines Ermittlers, die die Lösung herbeiführen. Und da sind wir beim zweiten Punkt, der mich stört: die 180°-Wandlung, die nahezu alle Figuren plötzlich durchmachen. Das ist,k als wären zwei verschiedene Bücher zusammengeklebt worden, und diese Veränderung ist nicht etwa Ergebnis eines Prozesses, sondern sie steht plötzlich einfach da und ich frag mich nur "Häh?" Das betrifft sowohl Kommissare wie auch Verdächtige und hat mir einfach ein wenig den Spaß verdorben beim Lesen. Es war ... nein, nicht langweilig, aber so, als wäre Minette Walters einfach keine bessere Lösung eingefallen, um das Buch zu beenden. Schade, denn der Anfang hat so viel Potential, das dann auf den letzten hundert Seiten ziemlich untergehen.
Samstag, 31. Januar 2015
[Buchgedanken] Stefan Zweig - Sternstunden der Menschheit
Dieses Buch liegt ungelogen seit sechzehn Jahren ungelesen auf meinem SUB und ich hatte jetzt einfach mal Lust drauf. Vielleicht war ich immer von dem ein wenig sehr pathetischen Titel abgeschreckt worden, vielleicht von dem Vorwort, in dem Stefan Zweig so ziemlich alles auffährt an heroischem Vokabular, so dass ich vor lauter Ehrfurcht als Teenager wenig Lust verspürt habe - aber jetzt war es so weit. "Sternstunden der Menschheit" umfasst vierzehn historische Miniaturen, in denen der Autor wichtige Ereignisse der Welt- und Kulturgeschichte darstellt. Das können sowohl Ereignisse sein wie der kalifornische Goldrausch als auch das erste Transatlantikkabel oder die Schlacht von Waterloo, aber auch Dinge wie Händels Komposition des "Messias" oder Goethes "Marienbader Elegien" werden hier vorgestellt.
Der Geschichtslehrer in mir hat sich beim Buch immer wieder aufgebäumt. Wir habe ich im Studium so schön gelernt: Finger weg vom Historizismus, Finger weg von den "Männern, die Geschichte machten", denn Geschichte ist ein Ereignis beeinflusst durch Umstände und nicht durch einen einzelne. Zu Stefan Zweigs Zeiten sah man das noch ein wenig anders. Die Geschichtserzählung war ein Klassiker des Geschichtsunterrichts, der Lehrer der beste Geschichtslehrer, der weltbewegende Ereignisse mit Enthusiasmus erzählen konnte und die Leistungen der bedeutenden Persönlichkeiten würdigte. Nicht immer nahm man dabei die historischen Tatsachen hundertprozentig genau, spitzte stattdessen alles auf dieses eine Ereignis hin zu. Ähnlich verfährt auch Stefan Zweig, wenn er z.B. die Niederlage bei Waterloo einzig dem Fernbleiben der französischen Nachrücktruppe zuschreibt - eine hübsche Erzählung über Pflichterfüllung, die dem Leser da geboten wird, aber als historisches Dokument nicht gerade hilfreich. Das ganze wird in einem so schwelgerischen, so heroischen Tonfall vorgetragen, dass ich bei dem Buch doch relativ oft pausieren musste, obwohl 304 Seiten nicht so wahnsinnig viel sind. Am besten hat mir noch die Episode über Dostojewskijs Begnadigung auf dem Schafott gefallen, die nicht als Novelle, sondern als Ballade erzählt wird. Hier war insgesamt weniger Pathos und mehr tatsächliches Einlassen auf die Erzählung für mich spürbar, was ich bei den anderen Geschichten sehr vermisst habe.
Ich kenne andere Novellen von Stefan Zweig, in denen er mir auch sprachlich viel mehr gefallen hat. Von daher finde ich, dass man dieses Buch jetzt nicht unbedingt um jeden Preis gelesen haben muss, sondern eher zur "Schachnovelle" springen kann.
Der Geschichtslehrer in mir hat sich beim Buch immer wieder aufgebäumt. Wir habe ich im Studium so schön gelernt: Finger weg vom Historizismus, Finger weg von den "Männern, die Geschichte machten", denn Geschichte ist ein Ereignis beeinflusst durch Umstände und nicht durch einen einzelne. Zu Stefan Zweigs Zeiten sah man das noch ein wenig anders. Die Geschichtserzählung war ein Klassiker des Geschichtsunterrichts, der Lehrer der beste Geschichtslehrer, der weltbewegende Ereignisse mit Enthusiasmus erzählen konnte und die Leistungen der bedeutenden Persönlichkeiten würdigte. Nicht immer nahm man dabei die historischen Tatsachen hundertprozentig genau, spitzte stattdessen alles auf dieses eine Ereignis hin zu. Ähnlich verfährt auch Stefan Zweig, wenn er z.B. die Niederlage bei Waterloo einzig dem Fernbleiben der französischen Nachrücktruppe zuschreibt - eine hübsche Erzählung über Pflichterfüllung, die dem Leser da geboten wird, aber als historisches Dokument nicht gerade hilfreich. Das ganze wird in einem so schwelgerischen, so heroischen Tonfall vorgetragen, dass ich bei dem Buch doch relativ oft pausieren musste, obwohl 304 Seiten nicht so wahnsinnig viel sind. Am besten hat mir noch die Episode über Dostojewskijs Begnadigung auf dem Schafott gefallen, die nicht als Novelle, sondern als Ballade erzählt wird. Hier war insgesamt weniger Pathos und mehr tatsächliches Einlassen auf die Erzählung für mich spürbar, was ich bei den anderen Geschichten sehr vermisst habe.
Ich kenne andere Novellen von Stefan Zweig, in denen er mir auch sprachlich viel mehr gefallen hat. Von daher finde ich, dass man dieses Buch jetzt nicht unbedingt um jeden Preis gelesen haben muss, sondern eher zur "Schachnovelle" springen kann.
Sonntag, 25. Januar 2015
[In eigener Sache] Nachwuchs im Anmarsch :-p
Hah, jetzt hab ich euer Interesse geweckt, oder? Nein, Kindertrappeln habe ich noch nicht in den Ohren, dafür aber etwas anderes. Schon seit einiger Zeit habe ich dank meines guten, nein allerbesten und liebsten Freundes, des genialen und ungenannt bleiben wollenden C., die Lust am Schreiben wiederentdeckt. Aber in meinem Bücherblog untergehen lassen wollte ich es auch nicht, allein schon, weil ich - C. sei Dank - auf Englisch schreibe und das hier dann so richtig komisch rüberkäme.Deshalb habe ich es geschafft, einen zweiten Blog zu starten, der einerseits mein Neuseeland-Abenteuer im März begleiten wird (sofern ich es schaffe, regelmäßig dort zu posten und Bilder hochzuladen) und gleichzeitig auch noch meine Geschichten sammeln wird.

Nicht nur Geschichten, sondern auch Fingerübungen (ganz nach dem Motto: eine gesunde Geschichte wohnt in tippgewohnten Fingern) und versuche, an einer Writing Challenge teilzunehmen. Und natürlich ab März jede Menge Fotos, auf denen ihr auch diese bezaubernde Figur hier näher kennenlernen könnt. Wer mir auf instagram folgt, kennt Kai, den Kiwi schon länger - er ist mein neuer Reisegefährte und liebenswerter Weggefährte.
Wenn ihr also mal Lust habt auf etwas anderes, dann dürft ihr gerne vorbeischauen auf
Viel Spaß dabei :-)
Samstag, 24. Januar 2015
[Buchgedanken] Tracey Chevalier - Das dunkelste Blau
Ella Turner zieht mit ihrem Mann Rick von Florida nach Frankreich, als der einen Auftrag als Architekt annimmt. Obwohl Ellas Vorfahren vor Urzeiten aus dieser Region in die USA ausgewandert sind, fühlt sie sich in dem Kleinstädtchen Lisle nicht wohl. Während Rick morgens ins Büro gehen kann, muss Ella ihr Französisch mühsam aufpolieren, um sich vielleicht eines Tages in ihrem Beruf als Hebamme niederlassen zu können. Und dann beginnen jede Nacht die Albträume, in denen Ella in dunkles Blau getaucht wird und eine Frauenstimme einen französischen Psalm betet. Gemeinsam mit dem Bibliothekar Jean-Paul macht sich Ella an das Projekt, ihre Familiengeschichte zu erforschen, die sie auf die Spuren der Hugenottenfamilie Tournier führt und besonders auf Isabelle Tournier und ihre Tochter Marie ...
Ich mag Tracy Chevalier ja sehr gern. Sie schafft es, historische Ereignisse hübsch, interessant und mit einer gewissen sprachlichen Leichtigkeit anzubringen, für die ich sie bewundere. Aber bei diesem Buch ist der Funke einfach nicht so richtig übergesprungen. Ich fand den Erzählstrang um Ella ziemlich banal und irgendwie auch ... lächerlich, das ist ein hartes Worte, trifft es aber sehr genau. Diese "Frau hat im fremden Land Eheprobleme und wendet sich einem anderen zu", das ist so abgeschmackt, da hat Rosamunde Pilcher ganze Serie drumherum geschrieben.
Dank dieses Erzählstrangs kommt die Geschichte von Isabelle viel zu kurz, auch sie schafft es nicht, mich abzuholen und mir einen Eindruck davon zu vermitteln, wie das Leben dieser Hugenottenfamilie tatsächlich abläuft. Und das wäre das Spannende gewesen, denn diese Geschichte (inklusive des Endes) hat extremes Potential, da verschenkt Chevalier so viel an Möglichkeiten! Vor allem, weil diese Kombination von Vergangenheit und Gegenwart immer eher auf dem Bereich des Parapsychologischen abläuft als z.B. knallharter Recherchearbeit oder dergleichen, wodurch die Schlussfolgerungen von Ella untermauert werden könnten. Stattdessen spürt sie immer nur, dass irgendetwas so sein muss - für mich die langweiligste Art der Verknüpfung. Mich hat das Buch insgesamt zu sehr an die Romane erinnert, die ich als Zwöfjährige immer gelesen habe, diese Mystery-Geister-Liebesdinger von Ursula Isbel. Kennt ihr die auch? Ich war süchtig, am besten war die Geschichte mit dem schwedischen Pfarrhaus ... aber ich schweife ab. Für mich war zu wenig Lokalkolorit (und das obwohl die Figuren permanent Französisch reden, Quiche essen und Wein trinken. zu wenig Fleisch auf dem Skelett und zu viel Magermilchpulver im Jogurth. Schade - aber ich weiß, dass sie es besser kann.
Ich mag Tracy Chevalier ja sehr gern. Sie schafft es, historische Ereignisse hübsch, interessant und mit einer gewissen sprachlichen Leichtigkeit anzubringen, für die ich sie bewundere. Aber bei diesem Buch ist der Funke einfach nicht so richtig übergesprungen. Ich fand den Erzählstrang um Ella ziemlich banal und irgendwie auch ... lächerlich, das ist ein hartes Worte, trifft es aber sehr genau. Diese "Frau hat im fremden Land Eheprobleme und wendet sich einem anderen zu", das ist so abgeschmackt, da hat Rosamunde Pilcher ganze Serie drumherum geschrieben.
Dank dieses Erzählstrangs kommt die Geschichte von Isabelle viel zu kurz, auch sie schafft es nicht, mich abzuholen und mir einen Eindruck davon zu vermitteln, wie das Leben dieser Hugenottenfamilie tatsächlich abläuft. Und das wäre das Spannende gewesen, denn diese Geschichte (inklusive des Endes) hat extremes Potential, da verschenkt Chevalier so viel an Möglichkeiten! Vor allem, weil diese Kombination von Vergangenheit und Gegenwart immer eher auf dem Bereich des Parapsychologischen abläuft als z.B. knallharter Recherchearbeit oder dergleichen, wodurch die Schlussfolgerungen von Ella untermauert werden könnten. Stattdessen spürt sie immer nur, dass irgendetwas so sein muss - für mich die langweiligste Art der Verknüpfung. Mich hat das Buch insgesamt zu sehr an die Romane erinnert, die ich als Zwöfjährige immer gelesen habe, diese Mystery-Geister-Liebesdinger von Ursula Isbel. Kennt ihr die auch? Ich war süchtig, am besten war die Geschichte mit dem schwedischen Pfarrhaus ... aber ich schweife ab. Für mich war zu wenig Lokalkolorit (und das obwohl die Figuren permanent Französisch reden, Quiche essen und Wein trinken. zu wenig Fleisch auf dem Skelett und zu viel Magermilchpulver im Jogurth. Schade - aber ich weiß, dass sie es besser kann.
Mittwoch, 21. Januar 2015
[Buchgedanken] Maggie Shipstead - Leichte Turbulenzen bei erhöhter Strömungsgeschwindigkeit
Winn van Meter ist Ende fünfzig und war bislang der Meinung, alles in seinem Leben richtig angepackt zu haben: Abschluss in Harvard, Mitglied in den richtigen Clubs, eine Frau aus altem Ostküsten-Adel, zwei reizende Töchter und ein angemessenes und dennoch stilvoll-zurückhaltendes Sommerhaus am Atlantik - mehr wollte er nicht vom Leben und das hat er erreicht. Doch jetzt scheitert er an der Aufnahme in einen Tennisclub, seine hochschwangere Tochter Daphne heiratet den Vater des Kindes, die zweite Tochter Livia erholt sich von einem Nervenzusammenbruch nach der Trennung von ihrem Freund, und während der Vorbereitungen zur Hochzeit muss Winn auch noch erkennen, dass er geradezu verrückt ist nach einer von Daphnes Freundinnen. Drei Tage lang geht das Leben im Hause van Meter einher mit leichten Turbulenzen, die sich verstärken, je näher die Hochzeit rückt ...
Ich habe echt einige Zeit gebraucht, um in das Buch zu finden. Maggie Shipstead ist eine hervorragende Beobachterin, die Figuren sehr detailliert zeichnet, andererseits aber auch einen sehr genauen Leser voraussetzt, der all ihre kleinen Randbemerkungen versteht und behält. Für mich oberflächlichen Leser war es am Anfang etwas schwer, die Frage zu beantworten, worauf das eigentlich alles hinauslaufen soll, denn wirklich Zugang zu diesen Personen habe ich nicht gefunden. Sie tun mir Leid, das ja, aber ihre Handlungen nachvollziehen oder sie tatsächlich in ihren Schwächen sympathsich finden, das schaffe ich nicht. Dazu sind sie selbst viel zu empathielos, viel zu sehr auf sich konzentriert - egal, ob es Töchter oder Vater sind. Winn ist ein eigentlich recht armer Tropf, der seine verspätete Midlife-Crisis ausgerechnet dann durchmacht, als seine festgefahrenen Lebenspläne gewaltig ins Wanken geraten. Die Mitgliedschaft im Golfclub ist für ihn das einzig erstrebenswerte Ziel, um zumindest in der Gesellschaftlichen Stellung anerkannt zu werden, die er für sich haben möchte. Als Vater anerkannt wird er nur oberflächlich, beide Töchter haben kaum wirklichen zugang zu ihm (und er zu ihnen gar nicht), das distanzierte Verhältnis der drei zeigt sich vor allem in Kleinigkeiten des alltäglichenUmgangs. Sie alle leben in einem schönen Schein und wollen diesen um jeen Preis bewahren. traurig eigentlich, aber von Maggie Shipstead wird diese Geschichte mit sehr viel Leichtigkeit erzählt, die denoch durch die Seiten trägt, wenn man bereit ist, sich auf zum Teil doch recht bedeutungsschwanger daherkommende Satzungetüme einzulassen oder auf Gedankenexperimente, deren Grund, warum sie der Figur genau jetzt in den Sinn kommen, nciht immer so ganz stringent wirkt. Das Buch ist ein leises Buch, dennoch nicht weniger angenehm zu lesen, ein Portrait eines Kleinbürgers als älterer Mann ;-)
Ich habe echt einige Zeit gebraucht, um in das Buch zu finden. Maggie Shipstead ist eine hervorragende Beobachterin, die Figuren sehr detailliert zeichnet, andererseits aber auch einen sehr genauen Leser voraussetzt, der all ihre kleinen Randbemerkungen versteht und behält. Für mich oberflächlichen Leser war es am Anfang etwas schwer, die Frage zu beantworten, worauf das eigentlich alles hinauslaufen soll, denn wirklich Zugang zu diesen Personen habe ich nicht gefunden. Sie tun mir Leid, das ja, aber ihre Handlungen nachvollziehen oder sie tatsächlich in ihren Schwächen sympathsich finden, das schaffe ich nicht. Dazu sind sie selbst viel zu empathielos, viel zu sehr auf sich konzentriert - egal, ob es Töchter oder Vater sind. Winn ist ein eigentlich recht armer Tropf, der seine verspätete Midlife-Crisis ausgerechnet dann durchmacht, als seine festgefahrenen Lebenspläne gewaltig ins Wanken geraten. Die Mitgliedschaft im Golfclub ist für ihn das einzig erstrebenswerte Ziel, um zumindest in der Gesellschaftlichen Stellung anerkannt zu werden, die er für sich haben möchte. Als Vater anerkannt wird er nur oberflächlich, beide Töchter haben kaum wirklichen zugang zu ihm (und er zu ihnen gar nicht), das distanzierte Verhältnis der drei zeigt sich vor allem in Kleinigkeiten des alltäglichenUmgangs. Sie alle leben in einem schönen Schein und wollen diesen um jeen Preis bewahren. traurig eigentlich, aber von Maggie Shipstead wird diese Geschichte mit sehr viel Leichtigkeit erzählt, die denoch durch die Seiten trägt, wenn man bereit ist, sich auf zum Teil doch recht bedeutungsschwanger daherkommende Satzungetüme einzulassen oder auf Gedankenexperimente, deren Grund, warum sie der Figur genau jetzt in den Sinn kommen, nciht immer so ganz stringent wirkt. Das Buch ist ein leises Buch, dennoch nicht weniger angenehm zu lesen, ein Portrait eines Kleinbürgers als älterer Mann ;-)
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