Samstag, 28. März 2015

[Buchgedanken] Heinrich Mann - Der Untertan

Diederich Heßling ist ein weichliches Kind, das schnell lernt, dass man im Leben weiterkommt, indem man nach oben buckelt und seine Verachtung nur nach unten weitergibt. Ein Katzbuckler, ein Radfahrer, ein typischer Vertreter des Großbürgertums des preußischen Staats - und ein idealer Untertan des jungen Kaisers Wilhelm II. Der Leser folgt dem kleinen Wilhelm durch die Schulzeit ins Studium und die Burschenschaft, in den Beruf und ins Eheleben und wir Zeuge, wie der kleine Feigling Heßling sich durch geschickte Schazüge immer wieder so zu setzen weiß, dass er am Ende als gemachter Mann dasteht ...

Seit wann lag dieses Buch jetzt auf meinem ereader? Mindestens sieben Jahre, würde ich schätzen, und jetzt habe ich mich endlich dran gewagt. klar, ein Klassiker und von Heinrich Mann, das konnte eignetlich nicht großartig schiefgehen, dachte ich. Anfangs jedoch fand ich so gar nicths ins Buch. Der Stil von Manns Erstling ist extrem zäh (anders als bei Thomas Mann scheinen bei Heinrich die älteren Bücher deutlich besser zu sein ;-) ) und die ständigen zwischengeschalteten Auszüge aus Kaiserreden haben michnur noch genervt. Dafür wurde ich aber belohnt mit einer Charakterstudie, die sich gewaschen hat, wenn man sich konzentriert. Diederich (noch nicht einmal der Name ist wirklich hart, sondern ein verwaschen-verweichlichter Abklatsch von Dietrich) ist ein Schweinehund, wie er im Buch steht. Ein Saftsack, der seine eigene Oma dem Teufel verkaufen und persönlich zur Hölle hinterhertragen würde, wenn er dafür etwas bekommt, was sich rentiert. Ein Mann, der nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist und wie eine Spinne dafür im Notfalla uch ein wenig warten kann. Wirklich eklig wurde er mir zum ersten Mal bei einer Gerichtsverhandlung, in der er als Belastungszeuge aussagen soll - und erstm einmal zurückzieht, weil er Angst hat, der Gegner könnte freigesprochen werden und er damit als der Dumme dastehen. Wie Mann diesen Geier im Laufe des Roman enttarnt und vorführt, das hat großen Stil - bis zum bitteren Ende, wenn Diederichs Großmachtphantasien im Regen fortgespült werden.

Ein tolles Buch. Ein Biedermann im schlimmsten Sinne, dem man sich gar nciht nähern will - es aber immer wieder tun sollte.

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