Mittwoch, 21. Januar 2015

[Buchgedanken] Maggie Shipstead - Leichte Turbulenzen bei erhöhter Strömungsgeschwindigkeit

Winn van Meter ist Ende fünfzig und war bislang der Meinung, alles in seinem Leben richtig angepackt zu haben: Abschluss in Harvard, Mitglied in den richtigen Clubs, eine Frau aus altem Ostküsten-Adel, zwei reizende Töchter und ein angemessenes und dennoch stilvoll-zurückhaltendes Sommerhaus am Atlantik - mehr wollte er nicht vom Leben und das hat er erreicht. Doch jetzt scheitert er an der Aufnahme in einen Tennisclub, seine hochschwangere Tochter Daphne heiratet den Vater des Kindes, die zweite Tochter Livia erholt sich von einem Nervenzusammenbruch nach der Trennung von ihrem Freund, und während der Vorbereitungen zur Hochzeit muss Winn auch noch erkennen, dass er geradezu verrückt ist nach einer von Daphnes Freundinnen. Drei Tage lang geht das Leben im Hause van Meter einher mit leichten Turbulenzen, die sich verstärken, je näher die Hochzeit rückt ...

Ich habe echt einige Zeit gebraucht, um in das Buch zu finden. Maggie Shipstead ist eine hervorragende Beobachterin, die Figuren sehr detailliert zeichnet, andererseits aber auch einen sehr genauen Leser voraussetzt, der all ihre kleinen Randbemerkungen versteht und behält. Für mich oberflächlichen Leser war es am Anfang etwas schwer, die Frage zu beantworten, worauf das eigentlich alles hinauslaufen soll, denn wirklich Zugang zu diesen Personen habe ich nicht gefunden. Sie tun mir Leid, das ja, aber ihre Handlungen nachvollziehen oder sie tatsächlich in ihren Schwächen sympathsich finden, das schaffe ich nicht. Dazu sind sie selbst viel zu empathielos, viel zu sehr auf sich konzentriert - egal, ob es Töchter oder Vater sind. Winn ist ein eigentlich recht armer Tropf, der seine verspätete Midlife-Crisis ausgerechnet dann durchmacht, als seine festgefahrenen Lebenspläne gewaltig ins Wanken geraten. Die Mitgliedschaft im Golfclub ist für ihn das einzig erstrebenswerte Ziel, um zumindest in der Gesellschaftlichen Stellung anerkannt zu werden, die er für sich haben möchte. Als Vater anerkannt wird er nur oberflächlich, beide Töchter haben kaum wirklichen zugang zu ihm (und er zu ihnen gar nicht), das distanzierte Verhältnis der drei zeigt sich vor allem in Kleinigkeiten des alltäglichenUmgangs. Sie alle leben in einem schönen Schein und wollen diesen um jeen Preis bewahren. traurig eigentlich, aber von Maggie Shipstead wird diese Geschichte mit sehr viel Leichtigkeit erzählt, die denoch durch die Seiten trägt, wenn man bereit ist, sich auf zum Teil doch recht bedeutungsschwanger daherkommende Satzungetüme einzulassen oder auf Gedankenexperimente, deren Grund, warum sie der Figur genau jetzt in den Sinn kommen, nciht immer so ganz stringent wirkt. Das Buch ist ein leises Buch, dennoch nicht weniger angenehm zu lesen, ein Portrait eines Kleinbürgers als älterer Mann ;-)

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