Mittwoch, 14. Januar 2015

[Buchgedanken] Judith Hermann - Sommerhaus, später

Es hat lange gedauert, bis ich mich an Judith Hermann gewagt habe. in erster Linie, wel ich immer die Angst hatte, dass ihre Bücher mich furchtbar enttäuschen werden, weil sie irgendwie dem pseudo-intellektuellen Zeitgeist der Zweitausender-Wende angehören könnten und sich vor lauter angeblicher Ironie und Prä-Hipster-Kulturan sich selbst ennuieren. Allerdings lag eben auch "Sommerhaus, später" seit zig Jahren in meinem SUB und meine diesjährigen Challenge-Vorsätze gepaart mit akuter Leseunlust haben mich die 186 Seiten dann nach Neujahr anlesen lassen. Ein Flug nach Nürnberg und einer zurück nach Hamburg - und fertig war ich mit dieser Sammlung von Kurzgeschichten, aööe erschienen 1997.

Tja, was halte ich von ihnen? Ja, es sind genau diese Art von Protagonisten, die ich erwartet hatte.Immer irgendwie so latent angelaschte Berliner-Pseudointellektuelle, die sich einen ansaufen oder sich zukiffen oder halt irgendwie anders ihre individuelle Coolness und ihr Leiden an der Normalität der Welt verkaufen möchten. So wie die Clique in der titelgebenden Kurzgeschichte, die vor lauter sich-selbst-finden nicht die Zeit findet, sich tatsächlich mal ihren Freunden zuzuwenden, bis es zu spät ist. Und spätestens da hat es mich gepackt. Spätestens da habe ich beim Lesen eben nicht nur gelangweilte Vertreter der Generation Praktikum vor mir gesehen, sondern letztlich einen Haufen armer Teufel, die sich nichts zu sagen haben und deshalb möglichst viele, möglichst schönklingende Worte verweden, um arüber hinwegzutäuschen, wie leer sie sind. Die als Marionette durch das Leben getrieben werden und alles und jeden für ihr Leiden verantwortlich machen können, denen man aber die Schere vor die Nase halten könnte und sie würden sie trotzdem nicht ergreifen. Und das fand ich ziemlich, ziemlich stark. Also hab ich noch einmal von vorne gelesen und versucht, meine Vorurteile auszublenden und stattdessen das zu genießen, was das Buch ausmact: die Sprache.

Judith Hermann versteht es, den gelangweilten und gleichzeitig überheblichen Tonfall dieser Generation so zu variieren, dass man nicht genervt von den Figuren ist, sondern ihnen trotzdem zuhren möchte. Auch wenn, man selbst es vielleicht ganz anders machen würde, wenn man nahezu jedem mindestens einmal pro Seite entgegenschleudern möchte "Mach es doch einfach!" - man interessiert sich für diese Figuren durchaus. Nicht in jeder Geschichte gleich stark, aber zumindest in jeder zweiten. Und die anderen nimmt man im Vorbeigehen mit, behandelt sie so, wie sie sich selbst behandeln.

Ich fand das Buch toll, es war ein guter Einstieg, der mir wieder Spaß am Lesen gemacht hat :-)

1 Kommentar:

  1. Halli hallo! :)
    Ich habe dich für den Versatile Blogger Award getaggt und würde mich super freuen, wenn du mitmachst
    https://readformylife.wordpress.com/2015/01/18/tag-versatile-blogger-award/
    LG Enna

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