Samstag, 24. Januar 2015

[Buchgedanken] Tracey Chevalier - Das dunkelste Blau

Ella Turner zieht mit ihrem Mann Rick von Florida nach Frankreich, als der einen Auftrag als Architekt annimmt. Obwohl Ellas Vorfahren vor Urzeiten aus dieser Region in die USA ausgewandert sind, fühlt sie sich in dem Kleinstädtchen Lisle nicht wohl. Während Rick morgens ins Büro gehen kann, muss Ella ihr Französisch mühsam aufpolieren, um sich vielleicht eines Tages in ihrem Beruf als Hebamme niederlassen zu können. Und dann beginnen jede Nacht die Albträume, in denen Ella in dunkles Blau getaucht wird und eine Frauenstimme einen französischen Psalm betet. Gemeinsam mit dem Bibliothekar Jean-Paul macht sich Ella an das Projekt, ihre Familiengeschichte zu erforschen, die sie auf die Spuren der Hugenottenfamilie Tournier führt und besonders auf Isabelle Tournier und ihre Tochter Marie ...

Ich mag Tracy Chevalier ja sehr gern. Sie schafft es, historische Ereignisse hübsch, interessant und mit einer gewissen sprachlichen Leichtigkeit anzubringen, für die ich sie bewundere. Aber bei diesem Buch ist der Funke einfach nicht so richtig übergesprungen. Ich fand den Erzählstrang um Ella ziemlich banal und irgendwie auch ... lächerlich, das ist ein hartes Worte, trifft es aber sehr genau. Diese "Frau hat im fremden Land Eheprobleme und wendet sich einem anderen zu", das ist so abgeschmackt, da hat Rosamunde Pilcher ganze Serie drumherum geschrieben.

Dank dieses Erzählstrangs kommt die Geschichte von Isabelle viel zu kurz, auch sie schafft es nicht, mich abzuholen und mir einen Eindruck davon zu vermitteln, wie das Leben dieser Hugenottenfamilie tatsächlich abläuft. Und das wäre das Spannende gewesen, denn diese Geschichte (inklusive des Endes) hat extremes Potential, da verschenkt Chevalier so viel an Möglichkeiten! Vor allem, weil diese Kombination von Vergangenheit und Gegenwart immer eher auf dem Bereich des Parapsychologischen abläuft als z.B. knallharter Recherchearbeit oder dergleichen, wodurch die Schlussfolgerungen von Ella untermauert werden könnten. Stattdessen spürt sie immer nur, dass irgendetwas so sein muss - für mich die langweiligste Art der Verknüpfung. Mich hat das Buch insgesamt zu sehr an die Romane erinnert, die ich als Zwöfjährige immer gelesen habe, diese Mystery-Geister-Liebesdinger von Ursula Isbel. Kennt ihr die auch? Ich war süchtig, am besten war die Geschichte mit dem schwedischen Pfarrhaus ... aber ich schweife ab. Für mich war zu wenig Lokalkolorit (und das obwohl die Figuren permanent Französisch reden, Quiche essen und Wein trinken. zu wenig Fleisch auf dem Skelett und zu viel Magermilchpulver im Jogurth. Schade - aber ich weiß, dass sie es besser kann.

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