Sonntag, 8. September 2013

Linda Castillo - Tödliche Wut

Polizeichefin Kate Burkholder befindet sich auf abendlichem Streifendienst, als sie zu einer Teenagerschlägerei gerufen wird. Zwei Mädchen, die sich wegen eines Jungen prügeln - nichts Ungewöhnliches eigentlich, wäre da nicht die Tatsache, dass es sich bei einer der beiden um ein amisches Mädchen handelt. Sadie ist die Nichte von Kates Schwager und grade in ihrer Rumspringa, in der Phase, in der sich amische Teenager vor ihrer Taufe ausprobieren dürfen und auch einmal gegen die Ordnung verstoßen dürfen. Kaum hat sie Sadie auf der Farm ihrer Eltern abgeliefert, bekommt Kate einen Anruf. Agent Tomasetti bittet sie, als Beraterin tätig zu werden, denn er ermittelt im Fall von mehreren verschwundenen amischen Jugendlichen. Als dann auch noch Sadie verschwindet, stehen Kate und Tomasetti vor einem weiteren Fall, der sie in die Abgründe der Menschen blicken lässt ...

Warum schreibe ich diese Vorschau so spannend? Die Frage schoss mir grade durch den Kopf, denn ehrlich gesagt war dieser Thriller alles andere als wirklicher Thrill. Das begann meiner Meinung nach schon damit, dass Linda Castillo die 340 Seiten des Buchs immer noch nach altbewärtem Muster füllt, das mich dieses Mal extrem genervt hat. Kate reflektiert permanent alles, was geschehen ist in einem Tonfall, als würde sie gerade auf der Couch bei einem Psychologen liegen. So kriegen wir also schon wieder die Geschichte aus Teil 1 serviert, wir erfahren auch, dass sie ja die Geschichte aus Teil 2 sehr mitgenommen hat, und Teil 3 war ja auch so schlimm ...  es ist, als müsste Castillo ihren Leser ständig wieder daran erinnern, wie ungeheuer schlimm es doch um Kate steht. Wenn sie das wenigstens mal durch Kates Handlungen zeigen würde! Aber nein, viel einfacher ist es doch, immer wieder mit denselben belanglosen Sätzen vom menschlichen Abgrund zu kommen ... Das ist jetzt Band 4 und ehrlich gesagt, diese immer gleiche Leier langweilt mich immer mehr. Ich würde in Castillos Büchern gerne mehr das sehen, was sich im ersten Band gezeigt hatte, eine Einsicht in amisches Leben und die Probleme durch diesen extremen Gegensatz. Aber die Amischen treten immer mehr zurück und verkommen zu ein bisschen folkloristischer Staffage (mal hier eine Kapp, mal da ein Pennsylvaniadeutsch-Sprüchlein), die viel zu konventionelle Krimikost übertünchen soll.

ACHTUNG!!! Hier folgt der ein oder andere Spoiler!!!!


Darüber hinaus hat mich auch noch anderes an diesem Thriller gestört. Zunächst einmal war für mich die zweihundert Seiten lang eingeschlagene Suche nach Verdächtigen einfach unlogisch. Ich hatte das Gefühl, auch die Autorin wusste anfangs noch nicht so richtig, wen sie präsentiert und hat dann halt mal tief in die Klischeekiste "Verdächtige" gegriffen und die üblichen Exemplare herausgezogen. Für mich war effektiv von Beschreibung der verschwundenen Mädchen an klar, dass hier jemand gesucht werden muss, der die Ordnung vertritt ... aber nein, Tomasetti und Kate wissen es besser und labern die ganze Zeit über einen ehemaligen Amischen, der den Rumspringern bei einem Austritt aus der Gemeinde hilft. Denn, so der Gedankengang, eigentlich will er sie ja der Gemeinde wieder zuführen ... Die Logik muss mir bitte nochmal genau erklärt werden. Dementsprechend landet Kate dann (wie immer *gähn*) wieder mal allein und schutzlos beim tatsächlichen Mörder und muss schon wieder um ihr Leben kämpfen.
Darüber hinaus war mir dann eins wirklich zu viel des Guten: Himmel, kann die Frau nicht ein einziges Mal nicht persönlich in einen Fall involviert sein?!? Irgendwann ist doch auch mal gut, irgendwann sind die Zufälle doch wirklich erschöpft, irgendwann langweilt diese Vorhersehbarkeit. Jetzt also Sadie, die Nichte des Schwagers ... Vielleicht wäre ein längerer Urlaub für Kate ganz gut, oder eine Fortbildung zum Thema "gesunde Distanz".

Also, insgesamt ist das leider ein Buch, das mich genervt hat beim Lesen. Es liest sich schnell und es ist sicher nicht schlecht, aber es ist im Vergleich zu anderen aus der Reihe schlechter und setzt die seit letztem Band bereits ersichtliche Abwärtsspirale noch weiter in Gang. Schade eigentlich.

Samstag, 7. September 2013

Alan Bradley - Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet

Bishop's Lacey, ein idyllisches Dörfchen in England. Hier lebt Familie de Luce in einem heruntergekommenen Herrenhaus. Die Familie, das sind Colonel de Luce, passionierter Briefmarkensammler und Witwer, nebst seinen drei Töchtern. Deren jüngste ist Flavia, eine elfjährige Hobbychemikerin, die eines Morgens im Gurkenbeet über eine Leiche stolpert. Die kleine Nervensäge beschließt, diesem Mord auf den Grund zu gehen, was noch verschlimmert wird, als ausgerechnet ihr Vater als Mordverdächtiger in den Fokus der Polizei gerät ...

Ich habe diese Buch ja als Gewinn beim Welttag des Buches verlost und jetzt gibt es auch endlich die dazugehörige Rezension ;-) Anfangs war ich von dem Buch nicht so sehr begeistert, das lag einfach daran, dass ich so irritiert war von den Vorschusslorbeeren. Der englische Verlag hatte die Rechte am Buch aufgekauft, nachdem Bradley erst das erste Kapitel geschrieben hatte, deshalb hatte ich erwartet, einen absoluten Kracher serviert zu bekommen. Den liefert dieses Kapitel aber so gar nicht, sondern führt einfach nur Flavia ein, die eine durchaus interessante Hauptfigur ist. Ihre Neugier, ihr Forschergeist und ihr ständiger Clinch mit den älteren Schwestern - das hat durchaus etwas zum Wiedererkennen, sie steht an der Schwelle zur Pubertät und geht anderen Leuten gelegentlich ziemlich auf den Keks. Gleichzeitig ist sie eine passionierte Chemikerin und nutzt ihre Kenntnisse auch durchaus zu Racheplänen, was im Roman allerdings weniger gemein als einfach nur sehr skurril wirkt. Dass sie auf dem Titelbild so stark an Wednesday Adams erinnert - ich weiß nicht genau, was ich davon halten soll. Ein bisschen stimmt es natürlich, aber für mich ist Flavia dann doch in vielen Wesenszügen so anders. Was aber passt, das ist der morbid-charmante Flair, den die Adams-Familie verströmt und der sich auch in diesem Buch einfach wiederfindet. Wer diese Mischung zu schätzen weiß und es bisher noch nicht getan hat, der muss unbedingt auch mal in das Haus de Luce schauen ;-)

Christoph Schlingesief - So schön wie hier kann's im Himmel gar nicht sein! Tagebuch einer Krebserkrankung

Wie ihr seht, ist diese Rezension ein wenig anders als alle anderen auf diesem Blog. Das liegt vielleicht vor allem daran, dass es dieses Buch einem sehr schwer macht, einfach nur zu sagen "dieses Buch ist super, lest es".

Ich habe das irritierende Glück gehabt, Christoph Schlingensief kennenzulernen. Nein, wir waren keine besten Freunde oder dergleichen, aber ich habe zumindest ein paar nette Anekdoten, die ihn einschließen, und mit ihm mehr als einen Satz gewechselt. Das alles war nur kurz vor seiner Krebserkrankung und vielleicht habe ich deshalb sehr lange einen Bogen um dieses Buch machen müssen, weil ich es so persönlich finde und das Gefühl hatte, nicht das Recht zu haben, in sein Leben so einzudringen. Das klingt vielleicht komisch, wenn man bedenkt, dass er das Buch schließlich veröffentlich hat, aber es war einfach ein seltsames Gefühl, das Buch letztlich in die Hand zu nehmen.

"Tagebuch einer Krebserkrankung", das klingt so nach Selbsthilfebuch. Nach "der große Schicksalsroman", der in der Frau im Spiegel wochenweise veröffentlich wird. Wer so etwas erwartet, wird hier ein wenig enttäuscht werden. Im Gegenzug zu allen Erwartungen ist das kein Buch, bei dem sich ein Aktionskünstler in den Mittelpunkt stellt, sondern eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit der Diagnose Krebs. Es ist ein Wüten und Toben, ein Fluchen und Schreien - und gleichzeitig immer wieder ein Lachen und Leben. Es ist der Versuch, weiterzumachen und sich mit diesem Krebs auseinanderzusetzen. Schlingensief hadert mit seinen Glauben, ohne sich zum neuen Hiob zu stilisieren. Er bleibt er selbst und trotzdem merkt man eine Veränderung an ihm. Während er am Anfang noch "Kunst" aus der Krankheit zu machen versucht, wird es im Laufe des Buchs immer mehr zu einem Teil seiner selbst und ist dann sehr viel kürzer und "normal" in Sätzen wie "Ich will nicht so jung sterben." Denn genau darum geht es, diese Angst vor dem Sterben. Das klingt jetzt deprimierend, dabei ist es das Buch gar nicht. Es ist bewegen und erschütternd, vielleicht auch gerade, wenn man vor Augen hat, dass all dies letzten Endes nichts genutzt hat, sondern Schlingensief ein Jahr nach Veröffentlichung doch gestorben ist. Ich wollte jetzt schreiben "dem Krebs erlegen" - aber genau das ist er nicht. Vielleicht ist das die beste Lehre, die man aus diesem Buch ziehen kann, dass man nicht erliegt, sondern es sich trotz allem einfach lohnt, weiterzuleben mit all seinem Hader, all seinen Ängsten und all seinen Leidenschaften. Was soll man also zu so einem Buch in nur einem einzigen Satz schreiben, wenn es schon so viele Buchstaben braucht, nur einen kurzen Einblick zu geben?

Eoin Colfer - Artemis Fowl. Das Zeitparadox

Artemis Fowl steht im sechsten Band von Eoin Colfers Reihe vor einem ganz gewaltigen Problem. Seine Mutter ist an einer tödlichen Umweltseuche erkrankt. Um das einzige Heilmittel zu produzieren, ist eine ganz bestimmte Lemurenart vonnöten, die jedoch vor einigen Jahren erfolgreich ausgelöscht wurde - von niemand anderem als Artemis selbst. Mit Hilfe seiner Freunde aus dem Erdreich reisen Artemis, Butler und natürlich Holly Short zurück in die Vergangenheit, um den zehnjährigen Artemis Fowl zu stoppen. Was sie nicht ahnen: ausgerechnet Erdlands größte Verbrecherin Opal Koboi, ist ebenfalls auf der Suche nach den Lemuren. Und damit beginnt eine völlig paradoxe Reise durch die Zeit, die das Leben aller Beteiligten verändert haben werden soll ...

Ich liebe die Artemis-Fowl-Bücher wegen ihres doch sehr absurden Humors und vor allem dieser völlig skurrilen Technik-Elfenwelt, die Colfer kreiert hat. Das gepaart mit Artemis, dem einerseits größten Meisterdieb der Welt und andererseits dem vermutlich von der Familie am meisten abgelenkteste Teenager überhaupt, ist einfach eine Kombination, die mir beim Lesen Spaß macht. In diesem Ban prallt jetzt meine Begeisterung auf so ziemlich das, was ich an Romane fast gar nicht abkann: Zeitreisen. Ich bin geistig einfach nicht in der Lage, Zeitreisen zu erfassen und hasse die goldene "verändere nichts"-Regel, denn schließlich veränderst du ja bereits durch dein bloßes Zurückreisen eigentlich das, was passieren würde, würdest du es nicht tun ... Ach, ich weiß auch nicht, ich mag Zeitreisen einfach nicht so. Hier im Buch ist es ganz nett gelöst, weil die anderen Bücher effektiv nur auf diesen gewartet haben, um überhaupt existieren zu können, auch wenn man sich das bisher nicht hat vorstellen können. Die Geschichte fügt sich nahtlos in die Vorgänger (die ja eigentlich sozusagen Nachfolger sind) ein. Mir kommen aber diesmal irgendwie die typischen Artemis-Momente ein bisschen zu kurz, ich hatte beim Lesen weniger oft mein Grinsen auf dem Gesicht, das ich bei den Vorgängern getragen habe. Von daher: klar, man sollte das Buch lesen, wenn man die Reihe logisch fortsetzen will, als Einstieg ist es aber nicht geeignet, weil einem dafür ein bisschen zu viele Zusammenhänge fehlen

Mittwoch, 4. September 2013

Hjorth & Rosenfeldt - Die Frauen, die er kannte

In Stockholm werden Frauenleichen gefunden. Alle Frauen wurden in ihrem Haus überfallen, vergewaltigt und ermordert. Der Mörder hatte ihnen altbackene Nachthemden angezogen und jeder, der auch nur kurz bei der Polizei ist, erinnert sich automatisch an Edward Hinde, den Serienmörder, der vor zehn Jahren Stockholm in Angst versetzte. Doch Hinde sitzt in seiner Einzelhaft und hat keinen Kontakt nach draußen. Als sich herausstellt, dass das letzte Opfer nur kurz vor ihrem Tod einen One-Night-Stand mit Sebastian Bergmann hatte, kommt der Reichsmordkommission eine Idee: handelt es sich etwa tatsächlich um eine Racheaktion Hindes an Sebastian, der ihn damals hinter Gitter brachte?

Vom ersten Roman war ich ja ziemlich begeistert und auch der zweite war, meiner Meinung nach, sehr gut. Wenn auch nicht mehr ganz so gut wie der Vorgänger, denn die Privatgeschichten der Figuren machen hier jetzt doch einen ziemlichen Anteil am Buch aus. Beeindruckt hat mich dabei allerdings, dass die Autoren es wagen, die Figuren weiterzuentwickeln. Billy z.B. wird durch seine neue Freundin ermuntert, seinen Platz im Team zu erweitern, was natürlich Auswirkungen auf die Beziehungen zu seinen Kollegen hat. Auch Sebastians Charakter wird stärker entwickelt, seine manipulative Seite kommt stark heraus. Sebastian hat es sich in den Kopf gesetzt, seine Tochter, von der er am Ende des ersten Bands erfahren hat, mit ihm zusammenzuführen und einen Keil zwischen sie und ihren Vater zu treiben. Dabei geht er im Notfall über Leichen, so will es scheinen, und manchmal weiß man als Leser wirklich nicht, ob man ihn auch nur noch im geringsten bedauern kann für sein Trauma. Eher wirkt es so, als würde er seine tote Tochter Sabine gegen seine neue Tochter austauschen wollen - ob die will oder nicht. Rücksichtslos, egoistisch und verletzend geht er vor, kann man diesem Mann auch nur etwas Positives abgewinnen? Vielleicht, denn er ist auch durchaus in der Lage, nett zu sein, er übernimmt Verantwortung und versucht alles, um Hinde zur Strecke zu bringen und andere zu schützen. Dieser Mann ist tief gespalten, das macht das Buch so spannend!

Dienstag, 3. September 2013

Willi Fährmann - Es geschah im Nachbarhaus

Das Rheinland um 1880. Als der kleine Jean ermordet wird, ist man ist in der Statd schnell einig, wer der Mörder ist. Es muss einfach der Viehhändler Waldhoff gewesen sein. Der ist doch sowieso Jude und dementsprechend ist ihm alles zuzutrauen. Während Waldhoffs Familie immer mehr ausgegrenzt wird, steigen die antisemtischen Vorurteile in der Stadt immer mehr an - bis Karl Ulevis, der Schulfreund des Sohnes Wahlhoff, völlig allein auf der Seite der Waldhoffs steht ...

Willi Fährmann legt seinem Buch einen realen Fall aus dem Rheinland zugrunde und entwirft tatsächlich ein sehr stimmiges Sittengemälde. Was ich jedoch nicht so gut fand am Buch, war die Tatsache, dass er diese historischen Abhandlungen schon sehr plakativ wirken lässt. Die Suche nach dem Mörder ist spannend gedacht, wird jedoch wirklich betulich erzählt und dadurch geht einiges an Spannung verloren. Als Buch über die Funktion von Sündenböcken mag es interessante Anreize bieten, als spannendes Jugendbuch habe ich bereits besseres gelesen.

Wohnen im Norden - Hamburger Hafenrundfahrt

Kommt man eigentlich darum herum, wenn man in den Norden zieht? Ich glaube nicht, deshalb war es für mich und meinen Mann fast logisch, mich Landmurmeltier zu einer Seeratte zu machen und den Hamburger Hafen zu erkunden. Es hat sich gestern angeboten, dass das Miniatur-Wunderland ein Sonderangebot hatte, bei dem Ticket für die Hafenrundfahrt, Eintrittskarte zu den Modelleisenbahnen und Sonderführungen im Wunderland eingeschlossen waren :-)

Das Wetter sah erstmal alles andere als gut aus, ich hatte ziemlich Panik, jetzt eine Stunde auf diesem Kutter ausharren zu müssen. Ich habe sehr gerne festen Boden unter den Füßen und mag Wasser einfach nicht so sehr. Pünktlich zum Ablegen brach dann jedoch die Sonne durch und es wurde ein unglaublich schöner Abend im Hafen, der uns von unserem Kapitän ziemlich kurzweilig gestaltet wurde. Fast eineinhalb Stunden lang schipperten wir über die Elbe und bekamen erstmal ziemlich alle Informationen über Containerumschlag, Werften und Schleusen. Außerdem über sündhafte Quadratmeterpreise in Hafen-City und stillstehende Bauten wie die Elbphilharmonie. Notiz an mich: enthalte dich in Zukunft jeglichen Kommentars über diese Gebäude, das ist ein Politikum sonders gleichen. Ein wenig bearbeitet sieht das Foto von ihr aber gar nicht schlecht aus ;-)

Ein besonderes Highlight: die Queen Mary lag grade mal wieder vor Anker. Neben so einem Riesen fühlt man sich auf einem Touristenboot noch unsicherer und hofft, dass es keinerlei Wellenbewegung mehr gibt. Das Auslaufen haben wir diesmal ausgelassen, werden es aber irgendwann nachholen. Ich liebe nämlich Feuerwerk ;-)









Montag, 2. September 2013

Elisabeth Herrmann - Zeugin der Toten

Judith Keppler ist Tatortreinigerin. Ihre Aufgabe besteht darin, die Schauplätze von Verbrechen wieder zu säubern und die Spuren der Toten zu beseitigen. Eines Tages stößt sie bei einem Arbeitseinsatz auf einen seltsamen Fund. Es ist ihre eigene Akte aus dem Kinderheim, in dem sie gelebt hat, und die angeblich nicht mehr auffindbar ist. Wie kommt der unbekannte Tote an das Schriftstück? Judith beginnt mit Nachforschungen und stolpert schon bald in eine Geheimdienstaffaire, die ihren Ausgangspunkt 1985 auf Rügen genommen hat ...

Ich bin mit diesem Buch einfach nicht warm geworden. Das lag einerseits daran, dass mir Judith als Figur relativ egal bis unsympathisch war und ich keine Beziehung zu ihr aufbauen konnte. Viel schlimmer war jedoch, dass mich der Klappentext des Buchs völlig im Unklaren darüber gelassen hat, dass ich hier einen Spionageroman lese. Ich war eingestellt auf einen Krimi mit Ausflügen in die DDR-Geschichte, letztlich war es aber ein ziemlich verwirrender Agentenroman, in dem ich mich dann wirklich verloren gefühlt habe. Die Auflösung erschien mir unlogisch und wenig nachvollziehbar, was auch einfach nur daran liegen kann, dass ich wirklich vor lauter Springen in den Zeitebenen und verschiedenen Agenten durcheinander gekommen bin. Für mich als Buchfan alles Dinge, die nicht unbedingt dazu führen, dass ich ein Buch gerne lese oder nochmal lesen will, denn hier verpufft die Spannung einfach zwischen kompliziertem Aufbau. Ich mache mir auch grade Sorgen, ob andere Bücher von ihr auch so sind, denn zwei weitere habe ich hier noch stehen ...

Sonntag, 1. September 2013

Hjorth & Rosenfeldt - Der Mann, der kein Mörder war

In Västerås sucht die Polizei dilettantisch nach einem verschwundenen Teenager - und kurz darauf stolpern Pfadfinder über dessen Leiche. Er wurde erschlagen und sein Herz herausgerissen - ein Ritualmord? Die Reichsmordkommission unter Führung von Torkel Höglund soll den Fall übernehmen und reist in die schwedische Provinz. Dort taucht ein alter Bekannter auf. Ausgerechnet Sebastian Bergmann, Kriminalpsychologe und Arschloch par excellence. Seit er sich vor einigen Jahren aus der aktiven Polizeiarbeit zurückgezogen hat, hatte Torkel keinen Kontakt mehr zu seinem alten Bekannten. Doch plötzlich steht der bei ihm im Büro und bittet darum, ihn mitarbeiten zu lassen. Dass Sebastian eigentlich ganz andere Dinge im Sinn hat, als einen Mörder zu stellen, ahnt die Kommission nicht, Torkel gibt ihm eine Chance. Und obwohl Sebastian wohl sämtliche Ermittlungsgrundsätze als Teppichersatz verwendet, wird er schon bald wichtig für die Suche nach einem Mann, der kein Mörder war ...

Chapeau, die Herren Hjorth und Rosenfeldt. Ich habe einen Thriller noch nie so gerne gelesen, obwohl ich von seiner Hauptfigur so abgestoßen war. Mit Sebastian Bergmann wurde eine Figur geschaffen, die in allem, was sie tut, unsympathisch und arschig handelt, gleichzeitig aber in den Motiven durchaus nachvollziehbar gestaltet ist. Sebastian trägt ein ziemlich dickes Bündel an psychologischen Problemen mit sich herum, die von den Autoren aber nie als Entschuldigung herangezogen werden. Er ist einfach ein Arsch und benimmt sich so rückhaltlos egoistisch wie keine Figur vor ihm. Auch die übrigen Personen der Ermittlergruppe sind glaubwürdig gezeichnete Menschen mit Charakterschwächen und Persönlichkeit. Egal, ob es der geschiedene Torkel mit seiner Affäre Ursula, die ehrgeizige Vanja oder der zurückhaltende Billy sind, sie alle sind ein eingespieltes Team, das in diesem Buch funktioniert und den Leser interessiert. Dazu kommt eine wirklich gut ausgedachte Geschichte, die am Ende mit einer sehr anderen Auflösung aufwartet, als am Anfang gedacht. Der Cliffhanger am Ende macht Lust auf den zweiten Teil, den ich euch diese Woche noch vorstellen werde. Alles in allem ein Buch, das wirklich Begeisterung bei mir ausgelöst hat und trotz des skandinavisch-depressiven Untertons ganz anders ist als z.B. ein Wallander-Roman ;-)

David Safier - Mieses Karma

 Kim Lange ist erfolgreiche Fernsehmoderatorin, verheiratet und hat eine kleine Tochter. Nach außen hin eigentlich ein perfektes Leben, doch tatsächlich knirscht es gewaltig im Gebälk. Ihr Ehemann will sie verlassen, die Tochter kennt sie nur vom Bildschirm, und als sie endlich den Deutschen Fernsehpreis erhält, wird sie auch noch von den Überresten einer russischen Raumstation erschlagen. Doch es gibt Hoffnung. Kim wird wiedergeboren, doch ihr Karmakonto ist tief in den roten Zahlen und so findet sich Kim in einer Kolonie von Sechsbeinern wieder, die einen dicken Hintern haben und Kuchenkrümel schleppen. Ein Leben als Ameise kann sie sich allerdings nicht vorstellen, allein schon, weil sie in dieser Größe kaum verhindern kann, dass ihr Mann sich mit einer neuen Gattin tröstet. Also muss sie Karmapunkte sammeln, auf Wiedergeburt hoffen und so ihr altes Leben irgendwie regeln. Dass ihr dabei ausgerechnet ein gewisser Giacomo Casanova hilft, vergrößert das Chaos eher ...

Ja, was soll man sagen? Die Ausgangsbasis des Buchs ist, wie immer bei Safier, extrem lustig. Und diesmal schafft er es auch eher, ein lustiges Buch zu schreiben, allerdings hält er das nicht lange durch. Etwa ab der Hälfte wird die Geschichte einfach immer dünner und flacher, auch Casanovas Fußnoten reißen da nicht mehr viel raus. Der Witz versickert irgendwo in diesen Seiten, weil sich sehr viel wiederholt. Darüber hinaus schafft Safier es einfach nicht, seine "die inneren Werte zählen"-Botschaft so zu verpacken, dass sie nicht übergestülpt wirkt. Kim ist das gesamte Buch über eine unsympathische, egoistische Meisterzicke, und ehrlich, ich gönne ihrem Mann die Neue an seiner Seite ganz extrem. Das Buch kann ganz witzig sein in einer Situation, in der man nicht großen Wert auf Tiefsinn liegt und es im Notfall auch nicht weiter mit sich herumschleppen will. Ein typisches Strandbuch, meiner Meinung nach, das dem Hirn nicht so weh tut wie andere des Autors ;-)