Freitag, 2. Oktober 2015

[Hörbuch] Colin Cotterill - Der fröhliche Frauenhasser (gelesen von Jan Josef Liefers)

Auch 1978 ist Laos in kommunistisches Durchschnittschaos. Dr. Siri hat Ärger mit dem laotischen Wohnungsamt, verbringt er seine Abenden doch lieber bei seiner Frau als in der ihm zugewiesenen Wohnung. Während er also der Bürokratie trotzt, landet im Leichenschauhaus ein totes Mädchen, das an einen Baum gefesselt und gefoltert wurde. Für Siri steht schnell fest, dass es ein Serienmörder ist, der hier zuschlägt, über Provinzgrenzen hinweg, was zu einigem Kompetenzgerangel in der Polizei führt. Aber für den Mörder stehen auch 73-jährige Pathologen auf der Abschussliste und so findet sich Siri plötzlich nicht nur auf der Jagd, sondern auch im potentiellen Opferkreis ...

Die Reihe um Dr.Siri zählt weniger zu den "bibbernd-an-den-Nägeln-kauen-vor-Spannung"-Thrillern, sondern ist letztlich ziemlich abgedreht. Ist Dr.Siri doch besessen vom Geist eines Schamanen und kann auf diese Weise Verbindung zu Toten aufnehmen, die ihm zwar bei Ermittlungen helfen wollen, aber dazu neigen, als Geister mehr durch Gesten als durch Sprache zu kommunizieren. Allerdings bin ich seit einem Zufallsfund in der Stadtbibliothek ein totaler Fan von den Hörbüchern, deshalb habe ich das Angebot nur zu gern genutzt, ein Rezensionsexemplar zu bekommen. Ich wurde belohnt mit neun Stunden Hörgenuss, die ich mir vor allem in meinen Freistunden beim Stundenvorbereiten zugeteilt habe, dadurch war ich zwar ein bisschen länger am Hören, aber ich hatte doch einigen Spaß beim Arbeiten.

Gefallen hat mir zuerst einmal die Geschichte an sich. Es ist wahnsinnig spannend, dem armen Dr. Siri durch das kommunistische Laos zu folgen, dass auf sehr ironische und lustige Weise sein Fett wegbekommt. Mit Siris neuer Liebe taucht dann auch noch eine kongeniale Helferin auf, die mich immer wieder zum Schmunzeln bringt. Die Geschichte lebt aber nicht nur von Sprachwitz und Alltagskomik, sondern auch von einer sehr spannenden Handlung. Besonders gefallen haben mir die Kapitelepisoden aus der Sicht des Mörders, bei denen sich sowohl Sprachduktus als auch Erzähltempo spürbar ändern.

Viel wichtiger als die Geschichte ist bei einem Hörbuch aber der Sprecher. Mit Jan Josef Liefers hat man einen Erzähler gefunden, der seine Stimme perfekt an die Situation anpasst. Ironische Distanziertheit bei den Episoden, eine gewisse Neugier und Altersweisheit bei Dr.Siri und eine sehr fesselnde Stimme bei den Mördergedanken - Liefers beherrscht das alles. Ich höre ihm sehr gerne zu und halte ihn für die Idealbesetzung für diese Art von Krimilesung. Da kann ich mich nur bedanken, dass mir dieses Hörerlebnis beschert wurde :-)

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