Freitag, 16. Oktober 2015

[Rezensionsexemplar] Natalie Meg Evans - Die Kleiderdiebin

Paris 1937. Alex Grower arbeitet in Paris als Telefonistin und bringt damit mühsam sich und ihre Großmutter durch. Heimlich hat sie eine weitere Erwerbsquelle, sie kopiert Entwürfe bekannter Modehäuser und verkauft sie nach Amerika, wo die Modelle nachgenäht und möglichst zeitgleich veröffentlicht werden. Schließlich erhält sie ein Angebot - sie soll eine komplette Kollektion des angesagten Labels Javier stehlen, doch das bedeutet ein erhebliches Risiko, muss sie sich dazu doch als Näherin einstellen lassen. Als sie dann auch noch den charmanten Journalisten Verrion Havilard kennenlernt, stürzt ihr Leben komplett ins Chaos ...

Ich hatte mir das Buch extra als Rezensionsexemplar ausgesucht, weil ich das Cover so hübsch fand. Die Geschichte klang im Klappentext nach einem netten, luftigen Roman für Zwischendurch, den ich in den letzten stressigen Tagen vor Ferienbeginn gerne gelesen hätte, weil er nett ist, liebenswürdig, irgendwie französisch eben.
Hätte, hätte, Fahrradkette.

Leider verschenkt der Roman nämlich dieses Potential zu einem netten Unterhaltungsbuch zu werden, das ich gerne weiterempfehlen möchte. Das liegt daran, dass die Autorin eine ziemlich interessante Geschichte über Produktpiraterie und netten Informationen über Mode in den Dreißigern völlig unnötig anreichert mit Thriller- und Krimielementen und dabei die logische Figurenentwicklung (insbesondere bei Verion, aber auch bei Alix - warum genau war die jetzt noch einmal mit diesem Serge zusammen???) komplett vernachlässigt. Dabei kaut sie bis zur finalen Aufklärung effektiv einfach nur alle Informationen immer wieder, die ich als Leser auch schon beim ersten Mal verstanden habe. Ich habe mich die letzten 200 Seiten wirklich nur noch durch das Buch gequält, weil ich es fertig lesen wollte und dachte, es wird vielleicht doch noch besser - leider wurde es das nicht. Stattdessen tauchte dann auch noch irgendwelche Verstrickungen im spanischen Bürgerkrieg auf - meiner Meinung nach eine total unnötige Storyline, insbesondere, weil Verrion hier in drei Seiten einfach mal abgehandelt wird - und nicht einmal eine spannende Polizeidurchsuchung wird uns geschildert, sondern nur im Nachhinein erzählt.

Schade, ich hätte gerne ein Buch gelesen, das mir französische Atmosphäre vermittelt. Das so leicht wie Stoff daherkommt und dessen Geschichte fließt. Stattdessen gab es ziemlich atmeraubende Schneiderkreide in dicken Schichten :-(

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