Sonntag, 4. Oktober 2015

[Rezensionsexemplar] Derek Meister - Der Jungfrauenmacher

Als in dem kleinen Kurort Valandsiel eine Sturmflut die Leiche einer jungen Frau an den Strand spült, gerät das kleine Polizeirevier unter der Leitung von Knut Jansen an seine Grenzen. Denn der Leiche wurden nicht nur die Füße entfernt, sondern es findet sich bald eine zweite Leiche. Ein Serienmörder in der beschaulichen Provinz? Ein Glück, dass mit Helen Henning gerade eine ehemalige FBI-Profilerin in Valandsiel weilt, die Knut zur Unterstützung heranzieht ...

Ich hatte mir das Buch als gratis Rezensionsexemplar bei blanvalet aussuchen dürfen und im Nachhinein bin ich froh, dass ich für das Buch kein Geld ausgegeben habe. Ich hatte es im Laden schon öfter in der Hand, denn der Klappentext klang sehr vielversprechend. Leider hat der Aufdruck "Thriller" vorne mich sehr in die Irre geführt - wirkliche Spannung kam in dem Buch bei mir nahezu nie auf. Das lag vor allem an zwei Dingen.

Erstens gibt es in der spannenden Geschichte immer mal wieder eine Lücke im Geschehen, die mich aus dem Lesestrom richtig rausgehauen hat! Das sind so simple Sachen wie das Nicht-Erzählen von Handlungsschritten, so als würde man bei einem Comic ein Panel auslassen, aber das geht dann weiter hin zum Ende, wo die zwei Erzählperspektiven plötzlich übereinander geschoben werden, was an und für sich eine schöne Idee wäre - aber das ist mir dann doch zu plötzlich, ich habe überhaupt nicht verstanden, wieso Knut dann diesen Alleingang startet. Für mich waren diese Löcher in der Erzählstruktur echt nervig, ich würde gerne wissen, wie z.B. jemand, der versucht zu fliehen, dann plötzlich irgendwo anders ist. Oder auch diese plötzlichen Beziehungsänderungen - wenn schon das Privatleben der Kommissare thematisiert wird, dann doch entweder richtig oder gar nicht.

Viel schlimmer als die Logiklöcher war für mich aber die Figurenzeichnung, die wirklich hanebüchen ist. Zum einen, weil ich das Gefühl habe, der Autor bedient sich in der gängigen Klischeekiste der amerikanischen Thrillerserien (mal ehrlich, wer hat bei Birthes Beschreibung nicht sofort eine Mischung von NCA-Technikerin Abby und Criminal-Minds-Hackerin Garcia vor Augen gehabt?), zum anderen, weil die Figuren so gar nicht in den Thriller passen wollen. Da hätten wir Kurts Vater, der allein von der äußeren Beschreibung 1:1 Tatort-Münster Thiels "Vaddern" ist (nur ohne Joints, aber mit Surfbrett), dann die toughe Profilerin, der schnöselige LKA-Heini - die angeblich miteinander flirten, wenn das da nicht mal gestanden hätte, wäre ich nie drauf gekommen - und dann der Revierleiter. Dieser Knut Jansen (Knut. Allein schon der Name!) ist mit seinem American-Dream-Fimmel und seinen Cowboystiefeln eine spannende Figur. Eine spannende Figur, die in einem Provinzkrimi wie der Kluftinger-Reihe zu einem echten Highlight werden könnte. Aber in einem ernsthaften Thriller wie hier? Da wirkt er immer nur überfordert und vollkommen pubertär. Und das ist verdammt schade.

Alles in allem ist das für mich keine wirkliche Leseempfehlung. Wenn es euch mal über den Weg läuft, müsst ihr nicht direkt die Flucht ergreifen, nehmt es ruhig mit. Aber wirklich loslegen und danach suchen muss man nicht. 

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