Freitag, 2. Oktober 2015

[Buchgedanken] Hjorth/Rosenfeldt - Das Mädchen, das verstummte

Wieder einmal wird das Ermittlerteam von Torkel und Sebastian zum Schauplatz eines Verbrechens gerufen. Eine gesamte Familie wurde erschossen. Anhand der Spuren schließt man schon bald, dass noch eine Person vor Ort gewesen sein muss - die zehnjährige Nichte, die dem Mörder entkommen konnte und in den Wald floh. Dort versteckt sie sich vor einem Mörder, doch wie viele Überlebenschancen hat sie? Für Sebastian Bergmann wird der Fall sehr persönlich. Das Mädchen erinnert ihn an seine verstorbene Tochter - und so setzt er alles daran, sie zu retten ...

Ende Oktober erscheint Band 5 und ich habe vorsichtshalber diesen Monat doch noch einmal zu Band 4 gegriffen, nur im sicherzugehen, dass ich alle Anschlüsse schaffe. Ich hatte das Buch nämlich nach Erscheinen so schnell verschlungen, dass ich bisher nicht sicher war, ob ich bestimmte Entwicklungen nicht verwechsele. Beim erneuten Lesen habe ich dann festgestellt, dass sich das Buch zwar immer noch schnell lesen lässt, aber ich halte es für den bisher schwächsten Teil der Serie.

Das liegt an zwei Gründen. Zum einen gefällt mir die Figurenzeichnung außerhalb des Teams einfach nicht. Die Charaktere bleiben extrem blass und so überzeugt mich auch der Täter nicht so wirklich, der dann am Ende präsentiert wird. Wobei der schon überraschend kommt und geschickt eingebaut wird, aber trotzdem - der Realitätsanspruch wird hier sehr an seine Grenzen getrieben. Vor allem aber hat mir der Fall an sich nicht gefallen. Es wirkte auf mich schon beim ersten, beim zweiten Lesen aber noch viel mehr, so, als würden die Autoren hier einen Fall nur dazu konstruieren, bei Sebastian einen Charakterwechsel einzuführen. Dabei vernachlässigen sie aber sehr gekonnt realistische Schilderungen. Nicole wird hier zu einer Art Rambo-Figur stilisiert, diese Überlebensstrategien und dergleichen finde ich persönlich ein wenig sehr übertrieben. Das passt dann auch so gar nicht zu "traumatisiertes Mädchen stimmt Sebastian milde", da ist für mich ein zu großer Bruch in der Geschichte.

Was mir aber wieder einmal gefallen hat: die Figurenentwicklung innerhalb des Teams. Nicht nur, dass die Autoren einen relativ lange auf die Folter spannen, wie der Cliffhanger aus Band 3 aufgelöst werden wird, sie schaffen es, aus den damals angelegten Strängen noch neue Entwicklungen zu gestalten, die neugierig machen. Und dann hören sie mit einem Cliffhanger auf - also sowas habe ich noch nicht erlebt. Ich bin grade ziemlich auf der Folterbank, weil ich wissen will, wie das mit dieser Figur jetzt weitergeht! Da kann entweder nur totaler Schwachsinn rauskommen oder eine extrem spannende Geschichte, je nachdem, ob sie es schaffen, die Spannung im nächsten Band wirklich aufrecht zu erhalten. Wenn Sie dann auch noch einen wieder glaubwürdigeren Fall dazu konstruieren, dann freue ich mich nur noch mehr auf den 30.Oktober :-)

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