Montag, 13. April 2015

[Buchgedanken] Florian Huber - Kind, versprich mir, dass du dich erschießt. Der Untergang der kleinen Leute 1945

1945, das Jahr des Untergangs des Dritten Reichs. Während in Berlin im Führerbunker die Führungselite ihrem Leben ein Ende setzt, wird von der Bevölkerung erwartet, bis zum Ende durchzuhalten. Angesichts der propagandistisch ausgeschlachteten Horromeldungen über Kriegsverbrechen der russischen Armee sieht die deutsche Bevölkerung in den Ostgebieten den sowjetischen Panzern mit Angst entgegen. In Demmin, einem Städtchen in Vorpommern, begehen in den letzten Kriegstagen 600 Bürger Selbstmord - Männer und Frauen, die zum Teile ihre Familien und Freunde gleich mit in den Tod nehmen, die ihre Kinder erhängen, erschießen, vergiften oder ertränken, um sich danach selbst zu töten. Und auch in anderen deutschen Städten finden die alliierten Soldaten ofmals nur noch Leichen vor, insbesondere die der NS-Führer vor Ort. Aber eben auch die hunderter "kleiner Leute", i den meisten Fällen ohne Abschiedsbrief ...

Die größte Selbstmordwelle der deutschen Geschichte ist wissenschaftlich bislang kaum ausgewertet. Zum einen, weil viele Dokumente bis in die Neunziger hinein nicht zugänglich waren (un in der ehemaligen DDR die Aufarbeiten der Angst vor sowjetischen Kriegsverbrechen nicht grade hilfreich für eine wissenschaftliche Karriere war), zum anderen, weil die Gründe dafür stark im Dunkeln liegen. So ist auch Hubers Buch weniger wissenschaftliche Analyse als vielmehr beklemmende Faktensammlung und Auswertung zahlreicher Tagebücher, Zeitschriftenartikel etc. Extrem beklemmend für mich waren die Schilderung und die beiden Fotografien durch amerikanische Reporterinnen eines Selbstmordes in Leipzig, bei dem im Rathaus mehrere Tage lang die Leichen in UAffindesituation (Gott, ich sollte weniger Krimis lesen, wie technisch das klingt) begutachtet werden konnten. Was das Buch allerdings wengier bietet, ist eine tatsächliche wissesncahftliche Untermauerung der bestehenden Thesen. Klar, es ist wahrscheinlich, dass die Angst vor Vergewaltigungen oder Strafen die Bevölkerung in Panik versetzte. Aber dieses sehr stoische Gelassenheit, mit der ab Ende März 1945 in weiten Teilen Deutschlands immer mehr von Selbstmord gesprochen wird - das ist einfach unglaublich und wir auch hier nur zum Teil ergründet. Selbstmord als eine Art finaler Abschluss der zwälf Jahre Nationalsozialismus - das mag auf einige zutreffen. Andere bringen sich aus Angst um. Wieder andere, wie Magda Goebbels, wollen lieber auf dem Höhepunkt abtreten, als den vollständigen Untergang mitzuerleben. Und die allermeisten äußern sich dazu nicht einmal ... Ein beklemmendes Sachbuch, ein Beginn einer Aufarbeitung eines psychologsich spanneden Themas. Aber es fehtl eben etwas mehr, was über die bloße Sammlung hinausgeht. 

1 Kommentar:

  1. Ich finde das Thema wahnsinning beklemmend und interessant zugleich! Und habe bisher wenig dazu gesehen, danke Dir für Aufmerksam machen!
    Liebe Grüße

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