Sonntag, 5. April 2015

[Buchgedanken] Ákos Molnár - Zwölf Schritte

Berlin in den Dreißiger Jahren. Der junge Lehrer Albrecht Tittelbach erhält Besuch von Helga, der Schwester seines Schülers Egon. Schon bald verliebt er sich in die junge, unabhängige Klavierlehrerin und es beginnt eine leidenschaftliche Affäre.  Beide scheinen auf einer Wellenlänge zu sein, außer vielleicht in der Frage, wie man Dienstmädchen behandelt. Denn Helga hat immer wieder Probleme mit aufsässigen Dienstmädchen, die nie lange die Stellung bei ihr behalten. Bis sie durch eine zufällige Fügung Grete einstellt, das perfekte Dienstmädchen - und schon bald verliebt sich Egon aufs heftigste. Doch auch Albert fühlt sich immer heftiger zur Grete hingezogen und es entspinnt sich eine Menage a´quattre, deren düstere Schatten immer deutlicher zu Tage treten ...

Ich bin ja immer wieder auf der Suche nach unbekannten Autoren. Ákos Molnár gehört definitiv zu ihnen, ist er doch bereits seit siebzig Jahren tot und erst jetzt wird sein Roman auf Deutsch veröffentlich. Allein die Biografie des Autors, über den nur wenig bekannt ist, ist spannend, Molnár wurde gemeinsam mit seiner Frau nur eine Woche vor der Befreiung Budapests von SS-Offizieren erschossen. Aber noch viel spannender war seine Lakonie, mit der er diese Geschichte über Leidenschaft und Verlagen erzählt, die alle Konventionen hinter sich lässt. Das beginnt bereits mit dem für einen ungarischen Autor ungewöhnlichem Setting, Berlin, und das ganz ohne auf die politische oder wirtschaftliche Situation Deutschlands einzugehen. Darüber hinaus jedoch die Figuren, die alle so komplett gegen den Strich geschrieben sind. Allen voran Helga, eine Vertreterin des neuen Frauenbilds der Zwanziger Jahre, die in nicht vielen Romanen auftauchen würde. Albrecht ist dagegen eine Art großes Kind, weit entfernt von der traditionellen Einschätzung des Ernährers und Hausherren. Ich fand gerade die Beziehung sehr spannend und faszinierend, wenn auch das Ende des Romans dann ein wenig sehr konventionell wirkt, als hätte Molnár nicht den Mut gehabt, sich nicht auf diese Lösung herauszureden. Das wird jedoch abgemildert durch die tatsächliche Schlussbemerkung des Romans - dieser letzte Absatz reißt für mich alles raus :-)

Überhaupt, die Sprache. Soviel Witz und gleichzeitige Distanz - es ist der Stil der Neuen Sachlichkeit, die sich bis nach Ungarn durchgeschlagen zu haben scheint. Große Gefühle werden möglichst neutral beschrieben, alle Figuren versuchen, sich zu reflektieren und scheitern dabei doch an ihren Gedanken. Ich habe mich vom ersten Satz an in das Buch verliebt, ein absoluter Gewinn in diesem Lesejahre :-) Leute, lest mehr Ungarn!!

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