Dienstag, 19. November 2013

Volker Klüpfel/Michael Kobr - Herzblut

Serienmord im Allgäu - und Kluftinger mittendrin. Dabei beginnt alles ganz harmlos mit einem Handyanruf, der den Kommissar genau während einer Pressekonferenz ereilt. Vor lauter Panik schneidet er das Gespräch versehentlich mit und ist danach überzeugt: er hat einen Mord gehört. Gut, das restliche Präsidium schenkt ihm keinen Glauben, aber Kluftinger beginnt nachzuforschen und landet tatsächlich am Schauplatz eines Verbrechens. Schon bald gibt es nicht nur eine Leiche, sondern gleich mehrere, aber das Motiv liegt im Dunkeln? Sollte es etwas mit dem neuen Herzmedikament zu tun haben, das gerade getestet wird? Dass jetzt ausgerechnet Kluftinger glaubt, an der Schwelle des Herztods zu stehen, macht die Ermittlungen nicht leichter ...

Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich wieder Lust auf einen Kluftinger hatte, was vor allem daran lag, dass der Vorgänger in meinen Augen ziemlich daneben gegangen ist. Diese doch sehr abgedrehte Djihad-Story war mir ein bisschen zu sehr erfunden. In "Herzblut" haben sich die beiden Autoren dann wieder auf das Allgäu beschränkt und eine Story gefunden, die glaubwürdig wirkt und mit einigen Wendungen und dunklen Ecken aufwartet, die sie durchaus lesenswert machen. Trotzdem bin ich mit dem Buch nicht zufrieden und glaube auch, endlich den Grund dafür gefunden zu haben.

Die Kluftinger-Krimis lebten vom ersten Band an von dieser Hauptfigur, einem Mittfünfziger, der ein gemächliches Leben der modernen Welt vorzieht, bei dem das Handy zum Telefonieren reichen muss und nicht zum Fotgrafieren. Jemand, der den Leser irgendwie an die eigenen Eltern erinnert und den man trotz aller Vorurteile irgendwie mag und von dem man weiß, dass er eigentlich sehr nett und klug ist. Aber in den letzten Bänden nutzen die Autoren Kluftinger eigentlich eher dazu, ihn möglichst oft der Lächerlichkeit preiszugeben. In "Herzblut" muss er zur Yogastunde und ein englisches Telefonat mit dem japanischen Vater seiner potentiellen Schwiegertochter führen. Beides wir von den Autoren breitgewalzt dargestellt und ganz ehrlich, ich habe mich beim Lesen eher fremdgeschämt. Fremdgeschämt, weil es so übertrieben war, so konstruiert und vorführend. Ja, vorführend, das ist das, was mir am meisten aufsteht. Dieser Kluftinger ist nicht mehr jemand, mit dem man lacht, sondern nur noch einer, auf dessen Kosten man lacht. Einer, dem man es nicht abnimmt, solche kriminalistischen Erkennstnisse zu liefern, wie er es in diesem Buch tut. Denn der Kluftinger hier ist ein peinlicher wahrgewordener Herrenwitz, der er anfangs nicht war. Bitte, ihr lieben Autoren, tut ihm das nicht an. Lasst ihn wieder zu dem werden, der er war, ein guter Kriminaler, der ein bisschen altmodisch, ein bisschen weichherzig, ein bisschen überrollt ist von dem, was im Allgäu alles passieren kann, der dabei aber immer die Oberhand über sein Leben behält und nicht vorgeführt wird. dann lese ich euch noch viel lieber.

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