Freitag, 20. Mai 2011

Elizabeth Kostova - Der Historiker


"Ah, Vampire..." Der Blick, den mir meine Schwester zugeworfen hat, als ich das Buch im Zug auspackte, schwankte irgendwo zwischen "Arme Irre" und "Igitt". Ich muss ja selbst sagen, seit Stephanie Meyer sind Vampirromane für mich eher ein Grund, das Buch nicht zu lesen (es sei denn, es handelt sich um die von Markus Heitz, aber das ist eine andere Sache...), und "Der Historiker" sieht im englischen Original als Taschenbuch auch genau in die Twilight-Richtung, selbst die Blutstropfen auf dem Einband dürfen nicht fehlen. Aber da ich bei Bücher zumindest immer erst den Klappentext lese, bevor ich sie endgültig verbanne, hatte ich zumindest die Hoffnung, ein gutes Buch zu finden.

Eine junge Frau findet in der Bibliothek ihres Vaters ein altes Buch und eine Reihe rätselhafter Briefe. Als sie ihren Vater darauf anspricht, erzählt dieser ihr eine ebenso unglaubliche wie schreckliche Geschichte. Die Briefe stammen von seinem ehemaligen Mentor Professor Rossi, der vor etwa zwanzig Jahren Nachforschungen über den berüchtigten rumänischen Fürsten Vlad der Pfähler angestellt hat. Rossi hatte damals eine erstaunliche Entdeckung gemacht, denn seine Recherchen wiesen darauf hin, dass Vlad noch immer am Leben sein könnte. Bei dem Versuch, Vlads wahres Grab zu finden, verschwand der Professor jedoch spurlos. Gemeinsam mit Rossis Tochter Helen begab sich Paul auf die Suche nach seinem Mentor. Weitere zwanzig Jahre später scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Als ihr Vater Paul auf mysteriöse Weise verschwindet, begibt sich nunmehr die Erzählerin auf die Suche nach ihm und nach der Wahrheit hinter dem Mythos Dracula.

Klingt spannend? Ist es auch. Allerdings nicht auf die "Blut spritzt, Knochen knacken"-Weise. Stattdessen ist "Der Historiker" streckenweise sehr zäh, denn Kostova geht tatsächlch wie ein Historiker vor: jedes Detail wird bewiesen, wird mit Aktenmaterial belegt und genau untersucht. Aber genau das ist auch das Spannende an dem uch, denn Kostova, die für den Roman einen enormen Recherche-Aufwand über die Geschichte von Vlad Dracul betrieben hat, verknüpft diese Fakten so geschickt, dass man einfach nicht mehr weiß, was man glauben soll. Dazu wechselt sie immer wieder die Zeitebenen, aber nie so, dass man den Überblick verliert - vielmehr ist man eher überrascht, wieder eine Zeitebene höher zu klettern und aus den fesselnden Erinnerungen nach oben zu gelangen.

Ein fesselnder Roman, der jeden Leser verdient hat ;-)

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