Sonntag, 28. August 2016

[Buchgedanken] Rosa Zapato - Der Duft des Regenwalds

Als die junge Malerin Alice Wegner 1903 in Veracruz eintrifft, will sie eignetlich nur ihren Bruder treffen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft erfährt sie, dass er gestorben ist, ermordet nach einem alten Maya-Ritual. Welchen grund kann es geben, einen jungen archäologen zu beseitigen? Alice gibt nicht auf und stößt dabei auf das Geheimnis einer Maya-Prinzessin ...

Versuchen wir bei dieser Rezension mal einen anderen Ansatz. Stellen wir uns doch erst einmal die Frage, warum ich dieses Buch lesen wollte.

Punkt eins: es spielt in Mexiko. Neues Land, neue Punkte - yay. *häkchen an meiner Landkarte mach* Punkt zwei: der Klappentext klang ziemlich cool. Hey, altes Geheimnis, Maya, Mord! Das sind die Zutaten, aus denen wird bei manchen Autoren ein Mystery-Thriller mit allem drum und dran, klingt doch gut! Dass da außerdem die Rede davon ist, dass einem das Buch Mexiko vor alle Sinne führt, klang noch besser. Und drittens (und ja, das hat mich tatsächlich dazu gebracht, das Buch mitzunehmen) habe ich mich gefragt, wie dieser Inhalt dann in Verbindung steht zu diesem kitschigen Titelbild, das der Piper-Verlag gewählt hat und dessen titelfliegender pinker Schmetterling gemeinsam mit einigen Artgenossen jedes einzelne Kapitel einleitet. Entweder verbirgt sich hinter diesem Buch ein ziemlich cooler Thriller oder eine herzzerreißende Liebesgeschichte, aber wie soll das beides verbunden werden? Die Neugier war geweckt.

Der Einstieg war erst einmal typisch gewählt für den Stil des "großen geheimnises aus der Vergangenheit". Eine Maya-Königin wird geschildert, deren Stadt überfallen wird und der Palast muss deshalb fliehen. Allerdings ist mir so ein bisschen unklar, worauf das alles hinauslaufen soll, denn abgesehen davon passiert nichts, kein Geheimnis wird angedeutet und die Mayakultur wird nur so angerissen ins Spiel gebracht, dass ich eher irritiert bin. Dann bricht die Vergangenheit auch schon ab und wir landen in Berlin 1903 bei der Hauptfigur Alice.

Alice soll wieso oft das Bild der emanzipierten jungen Frau bieten, die sich von den Zwängen der Gesellschaft befreit und bla bla bla, ihr kennt das ja. Selbstverständlich lebt sie alleine, selbstverständlich ist sie von ihrer Familie verstoßen, selbstverständlich trägt sie mit Vorliebe hochgeschlossene Blusen und hochgestecktes Haar (und auch wenn sie blond ist, habe ich bei ihr sofort 1:1 Raquel Welsh in "Die Mumie" vor Augen). Und selbstverständlich liebt sie ihren Bruder heiß und innig. Der ist übrigens meiner Meinung nach noch schlimmer gezeichnet und trägt den liebenswerten Vornamen Patrick. 1903. Zu seiner Geburt so um 1880 herum war das ja der total angesagte Name, kam gleich hinter Jeremy-Pascal. Dieser Patrick soll jetzt also besucht werden im fernen Mexiko. So reist sie denn per Dampfer und macht doch natürlich sogleich Bekanntschaft einer mexikanisch-deutschen Familie, die so herzhaft klischeelastig geschildert wird, dass es fast eine Schande ist, dass sie danach nie wieder auftauchen. Dafür tritt in Veracruz gleich das nächste Klischee aus der Mottenkiste in gestalt von Juan Ramirez. (Ja, das ist sein Vor- und sein Nachname, aber nicht nur ich, auch die Autorin scheint dem feurigen Südländer so verfallen zu sein, dass sie gleich immer den Komplettnamen verwendet. Stellt euch bitte im folgenden nach seinem Namen noch einen feurigen Kastagnettenschlag oder sowas vor). Juan Ramirez ist DER Mann der feuchten Höschen. So sexy. So galant. So wunderbar. So spanisch! bereits nach drei Sätzen hängt er mir zum Hals heraus.

Immer noch erfahren wir nichts über diese Maya-Prinzessin in der Vergangenheit, stattdessen geht es jetzt weiter zur Plantage eines weiteren Deutschen, wo Patrick gewohnt hat. Jetzt sollte eigentlich der Teil losgehen mit "ich will herausfinden, wer meinen Bruder getötet hat", also die Krimihandlung. Die hat sich aber anscheinend im Regenwald verlaufen, denn stattdessen hören wir quasi nur noch, wie toll doch Andrés ist. Wer ist denn jetzt das schon wieder??? Der mögliche Mörder ihres Bruders, dem sie zur Flucht verhilft und der dann doch zu ihr kommt oder auch irgendwie nicht oder ... ach ersnthaft, es ist mühselig, dieses Gesabbel nachzuerzählen, auf dem sich die nächsten 300 Seiten hinschleppen, ohne dass etwas Nennenswertes passiert. dieses Buch verliert mit zunehmender Seitenzahl mehr und mehr die Handlung und irgendwann ist es dann zu Ende und da taucht dann mal wieder die Königin vom Anfang auf. Fertig.

"Der Duft des Regenwalds" ist für mich nicht einmal ein Cody-Buch. Es ist keins, über das ich mich aufregen könnte, weil es selbst dazu zu belanglos ist. Es erweckt Erwartungen durch geschicktes Verlagsmarketing und die werden ann samt und sonders enttäuscht. Es bleibt nichts zurück, noch nicht einmal ein Gefühl für Mexiko - außer dem Gefühl, seine Lesezeit echt verschwendet zu haben.
 

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