Samstag, 27. August 2016

[Buchgedanken]Khaled Hosseini - Drachenläufer

Amir und Hassan sind fast gleich alt und wachsen gemeinsam in den Siebziger Jahren in Afghanistan auf. Während Amirs Vater einer erfolgreichen, sehr westlich orientierten Oberschicht angehört, ist Hassan der Sohn seines Dienstboten und Angehöriger der Minderheit der Hazara. Amir selbst ist wegen seiner musischen Interessen eine Enttäuschung für den Vater und versucht immer wieder, ihn zu beeindrucken. Nach einem Wettbewerb im Drachensteigen wird Hassan von einer Gruppe Jungen vergewaltigt - vor den Augen Amirs, der seinem Freund nicht zur Hilfe eilt. Aus Scham geht er sogar soweit, Hassan bei seinem Vater als Dieb anzuschwärzen, um nicht mehr täglich an sein Versagen erinnert zu werden. Jahre später, als die Taliban die Herrschaft übernommen haben und Amir und sein Vater längst emigriert sind, bietet sich nur die Chance, die Schuld von damals wieder gut zu machen ....

Dank der "Rund um die Welt"-Challenge habe ich es jetzt endlich geschafft, diesen Roman zu lesen. Wobei ich wirklich gestehen muss, dass ich schon ewig und ein paar Tage mehr das Buch im Regal stehen hatte und nie so wirklich die Inspiration gefunden hatte, mich damit auseinanderzusetzen. Irgendwie muss ich es geahnt haben, dass das Buch nicht so meins werden würde. Woran das liegt?

Zunächst einmal daran, dass Hosseini sehr, sehr schleppend erzählt. Ich habe fast 100 Seiten gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden. Sein Ich-Erzähler Amir ging mir dabei vor allem in seiner Jugend mitunter gewaltig auf den Senkel mit seiner sehr weinerlichen Art. Das war für mich einfach kein Lesegenuss, mit dem ich mich gerne in die Geschichte begeben habe, sondern in erster Linie extrem anstrengend. Gekoppelt ist das an sehr langwierige Darstellungen der afghanischen Gesellschaft und Landschaft - das war interessant, auf jeden Fall, gleichzeitig hat es aber die Handlung extrem gestreckt, so dass ich mehrfahc kurz davor war, das Buch einfach abzubrechen.

Besser wurde es erst effektiv nach der Flucht von Amir und seinem Vater, denn besonders die Darstellung des Exillebens mit dem Vater ist gut gewählt, der seiner gesellschaftlichen Stellung in Afghanistan nachtrauert und dennoch versucht, ein neues Standbein zu finden. Anders sieht es in Amirs Schwiegerfamilie aus, in der die traditionellen Strukturen aus der heimat noch sehr stark nachwirken. Und dennoch kann man verstehen, warum Menschen auch weit weg von ihrer Heimat versuchen, sich ein Stück davon zu bewahren durch ihre Traditionen oder Kleidung oder kulturelle und sprachliche Eigenheiten.

Warum ich aber einfach kein Fan vom Buch werde, ist die Tatsache, dass es so furchtbar konstruiert ist. Konstruiert sowohl in Bezug auf die Handlung, die schon sehr klischeehaft und zufallsbetont ist, und noch schlimmer auf die beim Leser hervorzurufenden Gefühle. Das ist alles hochdramatisch und grausam und tieftragisch - ein bisschen zu sehr Bollywood für meinen Geschmack. Die Figuren sind einfach wenig lebendig, sondern sie sind sehr scherenschnittartige Typen, die durch die Handlung gschoben werden, ohne dass ich sie wirklich greifen kann. Insbesondere Amir ist in seiner Dauerschuld so nervtötend, dass ich mit ihm nie mitgefiebert habe. Gekoppelt ist es dann an eine sehr, sehr idealisierte Schwarz-Weiß-Darstellung im Gut-Böse-Schema. Hier das wundervolle afghanische Königreich, der Hort der Literautr und Kultur, dort der böde patschunisch-nationalistische, hitlerverehrende deutsch-afghanische, pädophile Gegenspieler - so einfach ist es dann doch nicht, aber vermutlich wollte Hosseini nicht gerade das amerikanische Lesepublikum die frage nach der Verwikclung der USA in die afghanische Geschichte verschrecken. Schade eigentlich.

Was bleibt mir nun also vom Buch im Gedächtnis? Nicht viel, ehrlich gesagt. Einige wenige interessante Fakten über die Hazara und damit hat es sich. aber das ist immerhin etwas.


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