Samstag, 6. August 2016

[Buchgedanken] Joseph Conrad - Herz der Finsternis

Auf einem Schiff an der Themsemündung in Gravesend erzählt der Seemann Marlow vier Freunden von dem wohl einschneidensten Erlebnis seines Lebens: Als Kapitän eines Dampfers im Kongo begab sich Marlow einst auf eine zwei Monate lange Reise in die Tiefe der Wildnis. Er stand im Dienste einer Kolonialgesellschaft, die im Dschungel Schätze sammelt und den Einheimischen unsinnige Regeln mit großer Brutalität aufzwingt. Auf der Suche nach dem skrupellosen Kolonialisten Kurtz dringt er in den Tiefen des rätselhaften Dschungels immer weiter in das unfassbare Dunkel, das Innere der menschlichen Seele vor und entdeckt das Grauen ...

Ich hatte bei meinem letzten Besuch zu Hause für die "Rund-um-die-Welt"-Challenge gnadenlos das Bücherregal meiner Schester geplündert, die im Klassikerbereich ein wenig besser ausgestattet ist, sodass ich tatsächlich auch einige in Afrika spielende Romane gefunden habe. "Herz der Finsternis" ist so ein Klassiker, dass ich mich dabei gefragt habe, warum ich den noch nie in die Hand genommen habe, als ich dann aber anfing zu lesen, wusste ich warum. Denn leider hat mich Joseph Conrad mit seiner Erzählung einfach so gar nicht fesseln können :-(

Es liegt vor allem an der getragenen Erzählweise, die mich beim Lesen nicht bei der Stange halten konnte. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass hier so gut wie gar nichts passiert, selbst in handlungsgetragenen Seiten. Die titelgebende Finsternis finde ich persönlich vor allem in der Tiefe des treibenden Kongo, von dessen Ufer Gefahren drohen. Die Darstllung der Kolonialisten ist relativ schonungslos, wenn auch Marlow vom Autor als die positive Figur herausgestellt wird. Seinen großen Gegenspieler hat er in Kurtz, der mir persönlich aber auch so schwarz gezeichnet ist, dass ich das Interesse an ihm verloren habe. Irgendwie war die große Anklage gegen den Kolonialismus zu viel für mich, war zu sehr von ... nicht von Klischee, aber von allem Negativen gekennzeichnet. Sehr verstehen kann ich, dass er die Darstellung von Marlon Brando in "Apokalypse Now" mit geprägt hat, vom Typ her sind das wirklich ähnliche Charaktere, wobei man Brando irgendwie noch nachvollziehen kann.

Diese Erzählung war für mich einfach viel weniger gut zu lesen als ich es erwartet hatte, es zieht sich und ist für mich auf jeden Fall nicht eines der Highlights des Jahres.

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