Samstag, 27. August 2016

[Buchgedanken] Rafik Schami - Eine Hand voller Sterne

Ein Bäckerjunge in Damaskus führt Tagebuch über seinen Alltag. Das ist effektiv die Zusammenfasung des Inhalts eines bezaubernden Jugendbuchs, das ich vor Jahren schon einmal gelesen und einfach komplett vergessen hatte.

Was zunächst wenig spannend klingt, entpuppt sich als ein wirklich fließender Einblick in das Leben in Syrien in den Fünfzigern. Verliebt in die hübsche Nadia und mit Wunsch ausgestattet, Schriftsteller zu werden, beobachtet der Junge seine Nachbarschaft mit offenen Augen. So wird der Leser Zeuge der kleinen und großen Alltagsdramen von Ehebruch bis dem Verzicht auf Träume. Doch noch mehr steckt in dem Buch, denn in Syrien herrscht eben nicht nur Friede und freude, sondern ein System der Denunziation. Der Geheimdienst nimmt Verhaftungen vor und so gerät auch der Journalist Habib, mit dem sich der Ich-erzähler angefreundet hat, in die Mühlen der Justiz. All das wird für jugendliche Leser geschildert, das heißt, viele Dinge werden eher angedeutet als explizit geschildert. Das kann natürlich dazu führen, dass man ohne Hintergundwissen mit dem Buch auch überfordert wird, dass man die sehr realistischen Schilderungen eher an sich vorbeifließen lässt und nicht selbstständig einordnet.

Was das Buch dann aber selbst beim uninformierten Leser zurücklässt, ist zumindest Schamis Sprache. Der Erzählduktus fließt so unglaublich leicht und sanft durch Damaskus, dass ich einfach darin versunken bin. ja, ich weiß, ich kenne es von meinen Schülern, denen ist das relativ egal, aber wenn man einen Jugendlichen vielleicht auch mal dazu bringen möchte, Sprache genießen zu lernen, dann sei einem dieses Buch ans Herz gelegt. Mich zumindest hat es begeistert und diesmal werde ich sicher nicht vergessen, es gelesen zu haben.

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