Samstag, 27. August 2016

[Buchgedanken] Gaile Parkin - Kuchen backen in Kigali

Angel hat einen Ehemann, fünf Enkelkinder, die sie von ihren verstorbenen Kindern adoptiert hat, eine schöne Wohnung in Kigali, der hauptstadt Runadas. Vorallem jedoch ist Angel in Kigali die Institution für Kuchen. Nicht für langweilige Rührkuchen, sondern für kleine Kunstwerke - das hat sich inzwischen länger herumgesprochen unter den Anwohnern ihres Wohnblocks und deren Bekannten. Und so erhält die von den Wechseljahren geplagte Mitvierzigerin die Möglichkeit, nicht nur regen Anteil an Verlobungen, Geburten, Willkommens- und Abschiedspartys zu nehmen, sondern dadurch auch Einblick zu erhalten in die gesellschaft eines Landes, in dem 1993 der Völkermord an den Tutsi die weltöffentlichkeit schockierte ...

Ich gebe es zu, ich habe das Buch ja in erster Linie in die Hand genommen, weil "Kigali" nach "Land, das ich noch nicht erlesen habe" klang, der Inhalt war mir erst einmal egal. Insofern bin ich an das Buch sehr unbedarft gegangen und hatte mir lediglich erhofft, dass es vielleicht ein wenig so ist wie "Der Friseur von Harare", also ein Buch, das von einem einheimischen Autor einen Blickwinkel auf ein Land bietet, den unsere weiße-westliche Sicht ausgleichen und ergänzen kann. Allerdings muss ich sagen, dass mich das Buch in der Hinsicht ein bisschen enttäuscht hat, denn Gaile Parkin ist weder schwarz noch gebürtige Ruanderin, insofern ist es halt doch wieder ein durch die Brille gefiltertes Lesen. Und das führt dann auch dazu, dass in das Buch einfach mal alles reingestopft wird, was an Problematik in Ruanda auftauchen könnte - von Aidswaisen über den Völkermord zu alleinerziehenden Müttern und Bestechlichkeit - ohne dass eines davon wirklich mal vertieft wird oder mit mehr als nur ein paar Eckdaten versehen wird. Was es wirklich für das Leben in Ruanda bedeutet, erfahre ich als Leser einfach nicht und muss mich zufrieden geben mit so ein bisschen Einblick. Dafür ist das Buch ganz okay und wer zumindest einen Einstieg haben will in moderne afrikanische Literatur, der ist hier nicht ganz falsch. Es ist zwar keine Hochliteratur, aber nett für den Sommer. Und wenn man danach keine Lust auf Kuchen hat, dann weiß ich auch nicht ;-)

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