Montag, 2. November 2015

[Buchgedanken] Hjorth & Rosefeldt - Die Menschen, die es nicht verdienen

Als in einer Schule während der Sommerferien eine Leiche entdeckt wird, steht schnell fest: dieser Mörder ist nicht wie andere. Denn bei dem Opfer handelt es sich um den Teilnehmer einer Realityshow, an seinen  Rücken getackert ist ein Test mit sechzig Fragen der Allgemeinbildung - mit niederschmetterndem Ergebnis. Als dann eine zweite und dritte Leiche auftauchen, sehen sich Sebastian Bergman und das Team der Reichspolizei einem Täter gegenüber, der ein klares Ziel verfolgt: die Ausrottung der Dummheit. Statt Berühmtheit um jeden Preis erreichen zu wollen, soll sich die Gesellschaft wieder konzentrieren lernen auf die wahren Werte. Auf Bildung. Auf Anstand. Auf die Lust nach Wissen. Aber zählt das in einer Gesellschaft, in der dank Google und Wikipedia Wissen schnell erreichbar ist und man stattdessen eher lernen sollte, dieses Wissen zu suchen statt stur auswendig zu lernen?

Wow, mit diesem Buch haben sich die Autoren auf ein ziemlich spannendes Gedankenspiel eingelassen, das mich als Leser extrem gefesselt hat. Ich merke es ja bereits bei meinen Schülern, die mich immer anschauen, als wäre ich vom Himmel gefallen, weil ich aus dem Stehgreif Fragen beantworten kann, die für mich eigentlich ziemliches Allgemeinwissen sind. Und bereits da komme ich dann manchmal ins Grübeln, ob ich jetzt einfach nur wahnsinnig intelligent bin und viel weiß, oder ob ich halt in der Lage bin, das, was ich weiß, zu übertragen, bei Trivial Pursuit aber genauso schnell an meine Grenzen gerate. Insofern war die gesamte Idee hinter dem Buch für mich sehr stimmig und gut durchdacht, ich werde als Leser selbst dazu aufgefordert, mir Gedanken zu machen. Dementsprechend zieht der Fall diesmal seine Spannung, zumindest für mich, weniger aus der Suche nach dem Mörder, sondern aus den Überlegungen zum Umgang mit einem solchen Täter.

Was natürlich bei den Büchern der Herren Hjorth und Rosenfeldt viel wichtiger ist, ist die Auflösung des letzten Cliffhagers. Der hatte es ja ziemlich in sich, wurde hier doch bei einem der Teammitglieder eine Neigung offenbart, die Böses ahnen lässt. Und ja, auch diesmal dreht sich im Buch sehr viel um die Beziehungen im Team, das nach den Offenbarungen um Sebastian vor einer Zerreißprobe steht. Mit dem Auftauchen einiger Verstrickungen und Verwicklungen endet das Buch dann wieder mit einem ... nein, weniger ein Cliffhanger als einer Wegkreuzung, die jetzt entweder dazu führt, dass die Serie im nächsten Band beendet wird oder völlig neu wiederaufersteht. Zu wünschen wäre ihr beides, denn Hjorth und Rosenfeldt gehören zur Zeit zu den spannenden skandinavischen Autoren. Ich freue mich richtig drauf, was hier noch passieren wird.

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