Montag, 9. November 2015

[Rezensionsexemplar] Jory John / Mac Barnett - Miles und Niles

Ausgerechnet in das Kuh-Kaff Yawnee Village müssen Miles Murphy und seine Mutter ziehen. Schlimm genug, dass man also den ersten Schultag damit verbringen muss, seine Rolle für das kommende Schuljahr zu finden. Aber dann muss Miles auch noch feststellen: in Yawnee Village gibt es bereits einen Trickser, einen König der Streiche. Und dabei war das doch immer Miles' Metier! Als sich dann auch noch überraschend herausstellt, dass ausgerechnet der Schulhelfer und Lehrerliebling Niles Sparks als dieses Genie entpuppt, ist für Miles eines klar: ein Krieg um den Thron muss entbrennen!

Ich fand das Titelbild und den Klappentext ganz ansprechend und habe mich deshalb um dieses Rezensionsexemplar beworben. Und ich glaube, das Buch wird meine Klassenbibliothek total bereichern und geliebt werden von allen - und dennoch werde ich jedes Mal daneben stehen und denken: "Lest doch mal was Anständiges."

Woran liegt das nur? Eigentlich hat das Buch alle Zutaten zu einem modernen Kinderbuch. Anarchischer Humor, eine moralische Botschaft ohne erhobenen Zeigefinger, und viele Bilder und schräge Illustrationen. Besonders die eingefügten interessanten Fakten über Kühe sind ganz witzig. Aber irgendwie hat mich das Buch unbefriedigt zurückgelassen. Die Figuren sind kaum ausgeführt oder einfach nur gnadenlos überzeichnet - insbesondere Miles ist letztlich, wenn man drüber nachdenkt, ein ziemliches Arschlochkind. Die Streiche, die er spielt, sind weniger witzig als vor allem fies und letztlich auch ziemlich verletzend. Insofern gut, dass er mit Niles einen Gegenspieler bekommt, der eine moralische Haltung an den Tag legt und diese von allen Tricksern der Welt einfordert.

Was mir am Buch einfach aufstößt, ist die Sprache. Irgendjemand muss den Autoren gesagt haben, dass Zehnjährige keine Nebensätze verstehen, anders kann ich es mir nicht erklären, dass hier einfach nur ein Hauptsatz an den anderen gereiht wird und das mit so einer hohen Wiederholung an Wörtern und Formulierungen, dass sich mein Rotstift sträubt. Ja, ja, Gregs Tagebuch hat es vorgemacht, und frei nach dem Motto "Lesemuffel dort abholen, wo sie stehen" ist das Buch ganz up to date - aber wenn meine Schüler vorzugsweise solche Bücher lesen, wundert es mich da wirklich noch, wenn ich Aufsätze in genau diesem Stil vorgelegt bekommen? Wo ist eigentlich in heutigen Kinderbüchern die Lust am Erzählen geblieben? Ich finde es ziemlich schade, dass sich Autoren darauf konzentrieren, möglichst schnell zu schreiben - diese Geschichte hat so viel Potential, und all das wird verschenkt durch einen ziemlich nervigen Satzreihen-Stil.

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