Sonntag, 15. November 2015

[Buchgedanken] Kevin Wilson - Die gesammelten Peinlichkeiten unserer Eltern in der Reihenfolge ihrer Erstaufführung


Caleb und Camille Fang sind Konzeptkünstler und in ihrer Kunst kompromisslos. Ihre Happenings, mit denen sie ihre Umwelt in chaotische Situationen stürzen und die Reaktionen heimlich filmen, haben sie in den Siebziger und Achtziger Jahren bekannt gemacht. Vor allem, nachdem sie begannen, Kind A und Kind B mit in ihre Vorstellungen einzubeziehen. Kein Wunder, dass Annie und Buster, die beiden inzwischen Endzwanziger-Sprösslinge, psychisch nicht mehr so ganz belastbar sind. Buster, der zwei Romane veröffentlich hat, hält sich inzwischen bei einem Männermagazin über Wasser, wo er über spannende Dinge wie den größten Gangbang der Welt berichten muss. Und Annie hat zwar eine Oscarnominierung in der Tasche, dafür aber jetzt einen Nackbildskandal am Hals. Als dann auch noch Buster einen Unfall mit einer Kartoffelkanone hat, beschließen die beiden, dass es Zeit für einen Besuch bei Mama und Papa ist - nichtsahnend, dass sie damit das Chaos der Familie Fang nur noch vergrößern ...

Ich hatte das Buch ja effentiv nur wegen des Buchtitels gekauft - und ich bin nicht direkt enttäuscht worden. Die Geschichte ist ziemlich rasant, absolut abgedreht und schwer verrückt. Was mir besonders gefallen hat, war die Abwechslung zwischen der vorangehenden Geschichte und der Schilderung der Happenings, die sehr schnell zeigen, wie letztlich respektlos Camille und Caleb mit den Gefühlen ihrer Kinder umgehen. Kevin Wilson erzählt in einem sehr lustigen, manchmal ein wenig atemlosen Ton, der mich sofort in die Geschichte gezogen hat. Dabei vernachlässigt er aber für meinen Geschmack ein wenig zu sehr die Entwicklung der Figuren, viele ihrer Handlungen kann ich nicht ganz nachvollziehen. Mir war das Buch schlicht zu kurz, weniger, weil ich mir noch mehr Verrücktheiten gewünscht hätte, als vielmehr, weil ich mir wünschen würde, mehr über das Verhältnis der Kinder zu ihren Eltern zu erfahren.

Klar, man kann sagen, das steht alles im Roman und ich muss nur die Leerstellen füllen - aber de facto bleiben vor allem Caleb und Camille ziemlich blass und schwer greifbar. Extrem gut gefallen haben mir die Diskussionen, die im Buch angestoßen werden. Was ist Kunst, was darf Kunst und wie weit kann Kunst gehen - immer wieder zeigen die Happenings der Fangs nichts anderes als genau diese Frage. Einen Verstoß gegen das Konventionelle, ein Verstoß gegen das, was wir gewohnt sind. Diese Schilderungen lesen sich erst einmal ziemlich absurd und mir haben die Kinder dabei oft ein wenig Leid getan. Dass die beiden Eltern es schaffen, wirklich jedes Ereignis zu einem Fang-Happening zu machen und dabei immer wieder die Demütigung ihrer halbwüchsigen Kinder zu riskieren, hat schon weh getan.

Alles in allem ein Buch, das unterhält und durchaus Stoff zum Nachdenken bietet, trotz der fehlenden Figurentiefe :-)

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