Dienstag, 3. April 2012

Charlotte Bronte: Jane Eyre


Ich habe sehr, sehr, sehr lange Jahre erklärt, ich würde mich sicher nicht zum Bronte-isten eignen. Das liegt daran, dass ich die Bronte-Schwestern (auf die Pünktchen muss ich leider verzichten, weil sich mein Computer grade weigert, sie zu fabrizieren) zunächst in einer, eignetlich wirklich guten, BBC-Verfilmung kennelernte, in denen mich dieses puritanische Pfarrhausleben der Schwestern nachhaltig verstört hat. Dazu kam, dass ich einen ersten Versuch mit "Sturmhöhe" wagte, den ich abbrach und entscheid, es doch lieber mit Jane Austen zu versuchen. Tatsächlich habe ich seitdem festgestellt, dass es auf dieser Welt entweder Austen-isten oder Bronte-isten gibt, ich habe noch niemanden kennengelernt, der tatsächlich beide Autorinnen (die Brontes fasse ich heirfür mal als eine Person zusammen) gleichermaßen mag. Nun, mein Ausflug in die Welt Jane Austens war hübsch, aber ich fühlte mich einfach nicht gesättigt - sollte in mir doch ein Bronte-ist schlummern? Ich wagte mich also noch einmal an "Sturmhöhe" und, obwohl ich das Buch diesmal zu Ende las, war ich ... abgeschreckt ist ein zu mildes Wort. Was gingen mir diese Leute allesamt auf den Keks!

Lange hat es gedauert, bis ich mich dann daran wagte, einer anderen Bronte-Schwester Lesezeit einzuräumen. "Jane Eyre", das war doch diese angestaubte Geschichte von der Gouvernante, die dann am Edne froh sein muss, dass sie einen reichen blinden abkriegt ... Genau die Lektüre also, die man sich erwartet von einer unverheirateten Jungfer, die im Pfarrhaus lebt.

Verdammt seist du, Vorurteil!

Ja, "Jane Eyre" ist im Prinzip eine klassische Liebesgeschichte. Er, sie, unüberwindbare Hindernisse, düstere englische Moorlandschaften (wir sind bei den Brontes, nach Schmetterlingen zu fragen, hätte bei Cahrlotte vermutlich einen Herzanfall ausgelöst!), Happy-End, ding-dong, Kirchenglocken. Naja, ganz so ist es doch nicht. Denn erstaunlicherweise finde ich "Jane Eyre" extrem vielschichtig. Vor allem in der Charakterzeichnung. Diese Jane ist kein naives Ding, das sich in den Hausherren verknallt, sondern eine junge Frau, die vor allem eins will: ihre Unabhängigkeit. Dass das ind ihrer Zeit eigentlich nur dann möglich ist, wenn sie als Gouvernante arbeitet, vergessen wir heutigen Leser ganz gerne mal. Und dass Jane eigentlich ziemlich moderne Ansichten an den Tag legt in Bezug auf Ehe und Kindererziehung, geht in den meisten Verfilmungen unter. Ihr ungutes Gefühl in Bezug auf die Eheschließung mit Mr.Rochester ist vor allem dadurch verursacht, dass sie eben nicht Teil der klasssichen Versorger-Ehe werden will, sondern beispielsweise selbst Geld verdienen und dadurch unabhängig sein möchte. Dass Rochester das nicht einsehen will und erst sehr, sehr tief fallen mss um zu erkennen, dass eine Ehe immer ein Geben und Nehmen ist, schafft Charlotte Bronte zwar nur mit einem sehr tiefen Griff in die verstaubte Kiste der Klischees, aber tatsächlich werden sich die beiden am Ende ebenbürtig. Ich glaube wirklich, Cahrlotte Bronte wollte einen alternativen Lebensentwurf schreiben, den sie aber nur unter dem Deckmantel des Liebes- und Schauerromans veröffentlichen konnte, denn ansonsten ist das ja wohl gesellscahftlicher Sprengstoff, was hier und da in Jane Eyre auftaucht: eine Frau, die nicht nach einem Mann sucht, sondern zunächst mal für sich selbst einstehen möchte. Und die sagt, was sie denkt, wenn auch immer noch sehr dezent und sympathisch. Jane ist keine Helding im Austen-Format, sie ist einfach nur Jane Eyre - und ich muss sagen, mich hat sie erwischt.

Ich bin doch Bronte-ist.

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