Mittwoch, 19. August 2015

[Buchgedanken] John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Hazel ist 16. Hazel hat Krebs. Hazel wird sterben. So einfach ist die Ausgangsbasis dieses Buchs, das ich jetzt zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit gelesen habe - und obwohl ich genau wusste, wie es ausgehen wird, habe ich es doch wieder nicht geschafft, die Tränen zurückzuhalten.
Hazel ist weder ein "tapferes Krebsmädchen", das sein Schicksal huldvoll annimmt und den Menschen um sich herum Kraft gibt, noch ein verbitterter Eigenbrötler. Hazel ist ein Teenager, der genau wie andere Teenager seine Eltern mal mehr, mal weniger hasst; dem seine Freunde wichtig sind; deraber blöderweise Krebs hat und deswegen in diese nervtötende Selbsthilfegruppe muss. Dort lernt sie Augustus kennen, ebenfalls Krebsopfer, aber zumindest geheilt. Jetzt muss der ehemalige Basketballstar den Verlust seines Unterschenkels verarbeiten - und legt dabei einen erfrischenden Sarkasmus an den Tag, den Hazel schon lange vermisst in ihrem Leben. Schon bald werden die beiden Freunde, dann auch ein Paar - und schließlich brechen sie auf nach Amsterdam, wo Hazel ihren Lieblingsautor kennenlernen soll. Eine Reise, an derem Ende nichts so ist, wie man denkt ...

Ich will nicht spoilern, jedes Wort, dass ich hier amchen könnte, würde dem Leser diese Wucht nehmen, mit der John Green ihn am Ende gegen eine Wand rennen lässt, die den deutschen Titel (den ich ausnahmsnweise fast gelungener finde als den Originaltitel) so treffend vor Augen führt. Das Schicksal ist beschissen und auch mit ein bisschen Glück dazwischen, gibt es die Moment des Heulen und Zähneknirschen, bei denen man weiß, dass danach eben nicht wieder alles gut sein wird. Krebst wird sich nicht plötzlich in Nichts auflösen, nur weil man die große Liebe trifft. Der Tod gibt keine Nachspielzeit, nur weil man noch was vorhätte. Und trotz dieses bitteren Wissens, das Hazel und Gus mit sich tragen müssen, führen sie trotzdem ein normales Leben mit allen Höhen und Tiefen des Teenagerdaseins.

John Green ist es gelungen, ein Krebsbuch zu schreiben, das ehrlich ist. Das die furchtbaren Tage genauso beinhaltet wie die guten. Das zynisch ist, witzig ist, liebevoll ist, realitätsnah ist. Bei dem ich als Leser mich sofort mit den Figuren identifiziere und bei denen ich jedes gesprochene Wort für glaubwürdig halte. Bei dem mir die Figuren ans Herz wachsen in ihrer Alltäglichkeit und ihrer Ausnahme. Ich habe mitgelitten, mitgebangt, mitgehofft und mich mitgeärgert - ich war für einige Stunden ganz tief drin. Und dann hatte ich die Möglichkeit, heulend wieder in meinen Alltag zurückzugelangen und mir zumindest dort Hoffnung zu machen, dass es doch noch eine Parallelwelt gibt, in der Happy Ends möglich sind. Es möge so sein!

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