Mittwoch, 26. August 2015

[Buchgedanken] Gustave Flaubert - Madame Bovary

Emma ist ein junges Mädchen, als sie den Arzt Charles Bovary heiratet. Schon bald sind ihre Jungmädchenträume von der großen, idealistischen Liebe am Boden der Realität zerbrochen. Emma steigert sich hinein in eine neue Traumwelt, die der Literatur, schließlich in zwei Affären, die sie aber ebenfalls nicht befriedigen. Beide zerbrechen letztlich und Emma verfällt einem Kaufrausch. Als sie ihre immer größer werdenden Schulden nicht mehr verstecken kann und der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht, zerbricht ihr Traum. Schließlich sieht sie keinen Ausweg mehr als den Selbstmord ...

Ich hatte immer Angst vor "Madame Bovary", weil ich befürchtet hatte, es wäre mindestens genauso langatmig und langweilig wie "Effi Briest". Dann allerdings hat meine Freundin, die das Buch im Urlaub mithatte, mir es ausgeliehen und ich hatte es nach zwei Strandtagen einfach mal komplett ausgelesen. Ich bin begeistert. Nicht nur, dass die Übersetzung hier großartig ist und man zusätzlich zum Roman auch noch über die gegen Flaubert geführte Gerichtsverhandlung informiert wird (inklusive des sehr spannenden Urteils) - die Geschichte selbst ist es, die mich fasziniert hat. Insbesondere die Figuren, die mir in ihrer Zeichnung immer mehr Leid getan haben. Charles, der einfach zu passiv ist und seiner Frau kaum etwas entgegen setzen kann, ist effektiv das arme Schwein der gesamten Familie. Gerade auch, als er sich vom Apotheker Hamais in eine riskante Operation drängen lässt, ist für mich bereits klar gewesen, dass es nur desaströs enden kann. Emma dagegen ist genauso arm dran wie ihr Mann, wenn auch auf anderem Gebiet. Die Frau leidet unter Depressionen (ein klinisches Bild, das es zu Flauberts Zeiten noch nicht gab) und vor allem unter einer ständigen Einsamkeit, die durch nichts gefüllt werden kann. Stattdessen stüzt sie sicha uf immer neue Projekte, an denen sie schnell die Lust verliert, sobald es schwer oder alltäglich wird - ein Gemütszustand, den vielleicht jeder von uns schon einmal erlebt hat. Und auch ihre beiden Affären sind nichts anderes als zum Scheitern verurteilte Beziehungen, denn auch hier versteht eigenlich keiner der beiden Männer, was Emma tatsächlich bräuchte.

Das Buch ist nicht nur gut. Es ist hervorragend und ich bereue es schon fast, mich nicht viel früher mit ihm beschätigt zu haben. Die Ausgabe hier ist nciht nur extrem gut übersetzt, sondern hat eben noch zusätzliche Informationen, die mir als Leser auch noch Informatonen über die Wirkung des Romans vermitteln. :-)

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