Montag, 13. April 2015

[Buchgedanken] Florian Huber - Kind, versprich mir, dass du dich erschießt. Der Untergang der kleinen Leute 1945

1945, das Jahr des Untergangs des Dritten Reichs. Während in Berlin im Führerbunker die Führungselite ihrem Leben ein Ende setzt, wird von der Bevölkerung erwartet, bis zum Ende durchzuhalten. Angesichts der propagandistisch ausgeschlachteten Horromeldungen über Kriegsverbrechen der russischen Armee sieht die deutsche Bevölkerung in den Ostgebieten den sowjetischen Panzern mit Angst entgegen. In Demmin, einem Städtchen in Vorpommern, begehen in den letzten Kriegstagen 600 Bürger Selbstmord - Männer und Frauen, die zum Teile ihre Familien und Freunde gleich mit in den Tod nehmen, die ihre Kinder erhängen, erschießen, vergiften oder ertränken, um sich danach selbst zu töten. Und auch in anderen deutschen Städten finden die alliierten Soldaten ofmals nur noch Leichen vor, insbesondere die der NS-Führer vor Ort. Aber eben auch die hunderter "kleiner Leute", i den meisten Fällen ohne Abschiedsbrief ...

Die größte Selbstmordwelle der deutschen Geschichte ist wissenschaftlich bislang kaum ausgewertet. Zum einen, weil viele Dokumente bis in die Neunziger hinein nicht zugänglich waren (un in der ehemaligen DDR die Aufarbeiten der Angst vor sowjetischen Kriegsverbrechen nicht grade hilfreich für eine wissenschaftliche Karriere war), zum anderen, weil die Gründe dafür stark im Dunkeln liegen. So ist auch Hubers Buch weniger wissenschaftliche Analyse als vielmehr beklemmende Faktensammlung und Auswertung zahlreicher Tagebücher, Zeitschriftenartikel etc. Extrem beklemmend für mich waren die Schilderung und die beiden Fotografien durch amerikanische Reporterinnen eines Selbstmordes in Leipzig, bei dem im Rathaus mehrere Tage lang die Leichen in UAffindesituation (Gott, ich sollte weniger Krimis lesen, wie technisch das klingt) begutachtet werden konnten. Was das Buch allerdings wengier bietet, ist eine tatsächliche wissesncahftliche Untermauerung der bestehenden Thesen. Klar, es ist wahrscheinlich, dass die Angst vor Vergewaltigungen oder Strafen die Bevölkerung in Panik versetzte. Aber dieses sehr stoische Gelassenheit, mit der ab Ende März 1945 in weiten Teilen Deutschlands immer mehr von Selbstmord gesprochen wird - das ist einfach unglaublich und wir auch hier nur zum Teil ergründet. Selbstmord als eine Art finaler Abschluss der zwälf Jahre Nationalsozialismus - das mag auf einige zutreffen. Andere bringen sich aus Angst um. Wieder andere, wie Magda Goebbels, wollen lieber auf dem Höhepunkt abtreten, als den vollständigen Untergang mitzuerleben. Und die allermeisten äußern sich dazu nicht einmal ... Ein beklemmendes Sachbuch, ein Beginn einer Aufarbeitung eines psychologsich spanneden Themas. Aber es fehtl eben etwas mehr, was über die bloße Sammlung hinausgeht. 

[Buchgedanken] Erik Axl Sund - Krähenmädchen

In Stockholm wird die mumifizierte Leiche eines Jungen gefunden, der vor seinem Tod betäubt und scher misshandelt wurde. Und schon bald gibt es weitere Leichenfunde - schlägt ein irrer Serienkiller zu? Kommissarin Jeanette Kihlberg stößt bei ihren Ermittlungen immer wieder an tote Punkte - stehen die Morde in Zusammenhagn mit dem Kinderpronoring, den ihr Kollege gerade hat auffliegen lassen? Oder hat Bengt Bergmann etwas damit zu tun, gegen den bereits mehrfach wegen schweer Misshandlung und sexuellem Missbrauch ermittelt wurde, der aber immer ein lupenreines Alibi vorweisen konnte? Und was ist mti Bergmanns Tochter Victoria, über deren Namen sie während der Arbeiten stolpert, geschehen? Als sie schließlich dei Psychologin Sofia Zetterlund um Hilfe bittet, bei der eines der Opfer in Therapie war, stößt sie damit ein Pulverfass an ...

Uff, das ist mal harte Kost. So verschlungen war in letzter Zeit kein Thriller wie der des Autorenduos hinter dem Pseudonym Erik Axl Sund. Es file mir extrem schwer, das Buch gestern für eine Autofahrt aus der Hand legen zu müssen, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Die Geschichte wird temporeich erzählt, besonders gefallen hat mir, dass die Kapitel immer eingeteilt werden nach ihren Handlungsorten, wases schon erleichtert, den Personen zu folgen. Auch, weil Personen hier zum Teil sehr doppelgründig sind und auf diese Weise für den Leser Überraschungen ermöglicht werden ;-)

Kurzzeitig war ich allerdings irritiert, als sich auch auf den letzten Seiten nicht wirklich eine Lösung abzeichnen wollte - bis ich realisiert habe, dass das ganze als Trilogie konzipert ist und sich die beiden Autoren anscheinend die Zeit nehmen, hier wirklich sehr detailliert vorzugehen. Dementsprechend hat man hier sehr viele einzelne Handlungsstränge angefangen, deren Verbindung noch nicht immer vollständig geklärt ist. Ziemlich genial ist der jetzt schon angedeutete Plottwist rund um Victoria Bergmann, das wird noch spannend, weiter in deren Vergangenheit einzutauchen. Ob die Ehekrise im Hause Kihlberg wirklich sein muss? Davon bin ich noch nicht ganz so angetan, dezent klischeelastig ist es ja schon. Von jeannette kann ich mir noch nicht so wirklich ein Bild machen, lustigerweise beschreiben die beiden Autoren die hauptperson für meinen Geschmack gar nicht groß, das muss man sich eher erschließen aus kurzen Randanmerkungen, das ist aber auch extrem spannend. Ich versuche dann mal, den zweiten Band so schnell wie möglich zu organisieren - zur Zeit habe ich ein Buchkaufverbot, aber ausleihen darf ich jederzeit ;-)

Montag, 6. April 2015

[Buchgedanken] Lyndsay Faye - Der Teufel von New York

New York, 1845, das ist die Zeit, in der sich gerade erst eine Polizei zu formieren beginnt und die Stadt allmählich aus allen Nähten zu platzen beginnt. Das liegt nicht zuletzt an einem Schwung irischer Einwanderer, die der Hungernot in ihrer neuen Heimat zu entkommen versuchen. Die plötzliche Schar an Katholiken führt zu erheblichen Spannungen mit den alteingesessenen Protestanten und der Sprengstoff wird von der Politik und besorgten selbsterkannten Sozialkritikern noch angeheizt. In diesem Pulverfass findet der Polizeifrischling Timothy eines nachts ein blutüberströmtes Mädchen auf der Straße - und schließlich dank ihrer Hinweise das Grab von 19 entstellten Kindern, die niemand zu vermissen scheint. Timothy stößt mitten in das New Yorker Wespennest aus Prostitution, Drogenschuppen und den verzweifelten Versuchen beider Kirchen, die Armut zu lindern und gleichzeitig so viele Schäfchen wie möglich in ihr eigenes Boot zu ziehen ...

Dieses Buch lag jetzt fast ein Jahr lang aufgeschlagen auf Seite 68 bei mir im Nachttisch. Ich hatte es gekauft und angefangen, war aber nach den ersten sechzig Seiten so angenervt vom Stil der Autorin, dass ich keine Lust mehr hatte. Das Buch, das vorneweg, ist ein historischer Roman in erster Linie, ein spannender Krimi erst in zweiter. Und dieser Ansprcuh zeigt sich zum Beispiel daran, dass es in vielen Dialogen nur so wimmelt vom sog. Flash, der amerikanischen Gaunersprache. Das mag im Original sehr cool rüberkommen, in der deutschen Übersetzung hat der Übersetzer eben einfach Wörterbücher aus dem 19. Jahrhundert gewälzt etc. und dann Wörter rausgenommen. Wörter, die komplett ungebräuchlich sind heutzutage und über die man deshalb ständig stolpert. Noch blöder ist das, wenn die restliche Sprechweise dem nicht so wirklich angepasst wird, also einfach keine Figure im Flash den Eindruck macht, auch tatsächlich permanent so zu sprechen. Es klingt künstlich und übertrieben an vielen Stellen, und das ging mir in diesen ersten sechzig Seiten ziemlich auf den Keks.

Tatsächlich musste ich etwa bis Seite 150 kommen, um allmählich ins Buch zu finden. Ich hätte eigentlich abgebrochen, wäre nicht eine der Monatsaufgaben dieses mal gewesen, ein abgebrochenes Buch neu zu lesen. Ab Seite 150 war dann nämlich die Vorgeschichte endlich mal zu Ende erzählt und die Handlung konnte beginnen. Das ist mein zweiter Kritikpunkt am Roman, dass an vielen Stellen wenig Spannung auftaucht, weil ellenlang geschildert wird oder der Ich-Erzähler Timothy in Reflexionen über seine Jugend versinkt. Für einen Krimi erwarte ich mir einfach mehr stringente Handlung und mehr Ermittlungsarbeit als hier geboten wird.

Was mir am Buch gefallen hat? Die Einblicke in das Leben New Yorks vor dem Sezessionskrieg. Tatsächlich finde ich es immer spannend, wenn historische Romane mal neue Pfade betreten und nicht nur über die Zeiten schreiben, die man schon kennt. Die Spannungen zwischen Iren und "Nativisten", die Probleme beim Aufbau einer Polizei und der Gründung des NYPD (New York war damit deutlich später dran als andere amerikanische und europäische Städte) und vor allem die Einblicke in die Unterwelt - das war schon eine große Stärke, die mich beim Lesen doch letztlich bei der Stange gehalten hat. Aber noch einmal lesen muss ich das Buch jetzt nicht unbedingt ;-)

Sonntag, 5. April 2015

[Buchgedanken] Ákos Molnár - Zwölf Schritte

Berlin in den Dreißiger Jahren. Der junge Lehrer Albrecht Tittelbach erhält Besuch von Helga, der Schwester seines Schülers Egon. Schon bald verliebt er sich in die junge, unabhängige Klavierlehrerin und es beginnt eine leidenschaftliche Affäre.  Beide scheinen auf einer Wellenlänge zu sein, außer vielleicht in der Frage, wie man Dienstmädchen behandelt. Denn Helga hat immer wieder Probleme mit aufsässigen Dienstmädchen, die nie lange die Stellung bei ihr behalten. Bis sie durch eine zufällige Fügung Grete einstellt, das perfekte Dienstmädchen - und schon bald verliebt sich Egon aufs heftigste. Doch auch Albert fühlt sich immer heftiger zur Grete hingezogen und es entspinnt sich eine Menage a´quattre, deren düstere Schatten immer deutlicher zu Tage treten ...

Ich bin ja immer wieder auf der Suche nach unbekannten Autoren. Ákos Molnár gehört definitiv zu ihnen, ist er doch bereits seit siebzig Jahren tot und erst jetzt wird sein Roman auf Deutsch veröffentlich. Allein die Biografie des Autors, über den nur wenig bekannt ist, ist spannend, Molnár wurde gemeinsam mit seiner Frau nur eine Woche vor der Befreiung Budapests von SS-Offizieren erschossen. Aber noch viel spannender war seine Lakonie, mit der er diese Geschichte über Leidenschaft und Verlagen erzählt, die alle Konventionen hinter sich lässt. Das beginnt bereits mit dem für einen ungarischen Autor ungewöhnlichem Setting, Berlin, und das ganz ohne auf die politische oder wirtschaftliche Situation Deutschlands einzugehen. Darüber hinaus jedoch die Figuren, die alle so komplett gegen den Strich geschrieben sind. Allen voran Helga, eine Vertreterin des neuen Frauenbilds der Zwanziger Jahre, die in nicht vielen Romanen auftauchen würde. Albrecht ist dagegen eine Art großes Kind, weit entfernt von der traditionellen Einschätzung des Ernährers und Hausherren. Ich fand gerade die Beziehung sehr spannend und faszinierend, wenn auch das Ende des Romans dann ein wenig sehr konventionell wirkt, als hätte Molnár nicht den Mut gehabt, sich nicht auf diese Lösung herauszureden. Das wird jedoch abgemildert durch die tatsächliche Schlussbemerkung des Romans - dieser letzte Absatz reißt für mich alles raus :-)

Überhaupt, die Sprache. Soviel Witz und gleichzeitige Distanz - es ist der Stil der Neuen Sachlichkeit, die sich bis nach Ungarn durchgeschlagen zu haben scheint. Große Gefühle werden möglichst neutral beschrieben, alle Figuren versuchen, sich zu reflektieren und scheitern dabei doch an ihren Gedanken. Ich habe mich vom ersten Satz an in das Buch verliebt, ein absoluter Gewinn in diesem Lesejahre :-) Leute, lest mehr Ungarn!!

Samstag, 4. April 2015

[Buchgedanken] Jussi Adler-Olsen - Verheißung

Drei Jahre sind vergangen seit dem "Fall Marco" und die Sonderkommission Q hat sich inzwischen ganz gut zusammengerauft. Carl, Assad und Rose funktionieren als Team sehr gut, bis zu dem Moment, an dem ein alter Kollege anruft und Carl darum bittet, sich einen alten Fall genauer anzuschauen. Als der ablehnt, begeht der Polizist mit einem Mal Selbstmord, kurze Zeit später auch sein Sohn - und die Sonderkommission Q macht sich auf, eine Fahrerflucht aus dem Jahr 1997 genauer unter die Lupe zu nehmen ...

Ich hatte das Buch vorbestellt, kaum dass ich mitbekommen hatte, dass es existiert, einfach weil ich wissen wollte, wie die Hindergrundgeschichte um Carl, seinen Freund Hardy und vor allem aber auch um Assad weitergehen wird. Das ist die erste Enttäuschung, auch hier wird von Assad wieder mal nur mehr Geheimnisvolles aufgedeckt, ohne dass man tatsächlich eine Aufklärung bekommt, das wird allmählich etwas langweilig. Da man sich an die üblichen Figuren bereits gewöhnt hat, kommt mit Gordon ein Neuer ins Team, der aber bislang nur Stichwortgeber und ziemliche Karikatur bleibt - tragisch, denn was ich an den Bücher so geschätzt habe, war die durchaus augenzwinkernde Ansammlung von realitätsnahen Typen mit Ecken und Kanten.

Am meisten gestört hat mich aber die Geschichte. War der Krimi bislang zwar immer schon recht haarsträubend, aber immer fair, funktioniert für mich die gesamte Konstruktion rund um die Ermittlungsaufnahme nicht so wirklich. Da sind zu viele tatsächliche Unabwägbarkeiten glattgebügelt durch den Autor, z.B. die Auffindestelle des Abschiedsbriefs, oder auch das herzlich-schmerzliche kitschige Ende. Nicht zuletzt fand ich die Erzählungen rund um Pirja sehr unspekatkulär und wenig ausgefüllt, die Geschichte von ihr und dem spirituellen Kosmos ist schon sehr plakativ. Da hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, vielleicht auch mehr Erklärungen zu ihrer Vorgeschichte. Und dass ihr Plan tatsächlich aufgeht ist, alles was Recht ist, schon seeeeeeeeehr autorenbedingt.

Ja, man sieht, ich bin nicht wirklich begeistert vom Buch. Immerhin, es ist wieder schön locker-flockig geschrieben und flutscht nur so beim Lesen, so dass ich nach einem Tag bereits fertig war. Das ist ja auch schonmal etwas. :-)

[Buchgedanken] George R.R.Martin - Ein Lied von Eis und Feuer 09. Der Sohn des Greifen

Mit dem 9. und 10. Band der Serie wird nicht etwa die Geschichte vorangetrieben, sondern es werden die parallel zu Band 7 und 8 verlaufenden Erzählstränge um einige Personen vorangetrieben. Allen voran natürlich Tyrion, der auf der Flucht vor dem Zorn von Cersei einen Weg nach Osten einschlägt, weg aus Westeros und über das Meer. Dort, in Mereen, kämpft Danearys um den Erhalt ihrer Vision der brefreiten Sklaven. Doch die unterlgenen Städte der Sklavenbucht sind keineswegs so begeistert von dem Plan wie die die Mutter der Drachen - kann eine Heirat ihre Thronansprüche festigen? An einer Heirat interessiert sind auch andere, das Haus Dorne macht sich inkognito auf den Weg zu ihr, genauso wie ein mysteriöser Ritter mit seinem Sohn, um dessen wahre Existenz ein großes Geheimnis gemacht wird. Und an der Mauer steht Jon Snow vor der nahezu unlösbaren Aufgabe, die Neutralität der Nachtwache zu gewährleisten, während sie König Stannis beherbergen ...

Die Karten werden in diesem Band, wieder einmal, neu gemischt. Diesmal stehen vor allem Ränke im Vordergrund, die extrem verwirrende Neuordnungen schaffen werden. Dabei stellen sich immer wieder Personen als völlig anders heraus, als sie eingeschätzt werden - oder vielleicht doch nicht? So ganz überzeugt bin ich nämlich noch nicht von dem ein oder anderen Verbündeten, der sich plötzlich offenbart, das kann noch extrem spannend werden für den nächsten Band.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich diesen Band bislang am schwächsten fand. Erstens, weil mir hier eine Figur doch ein bisschen aus dem Hut gezaubert erscheint, auch wenn es für die Geschichte fast unabdingbar ist, dass sie existiert. Die dadurch entstehende Wendung ist logisch und alles, trotzdem finde ich sie wenig elegant für ein solches Epos wie "Ein Lied von Eis und Feuer" es nun einmal ist. Lassen wir uns aber überraschen, was George R.R. Martin daraus machen wird.

Der zweite Grund, warum mir das Buch schwer fiel, war die doch recht gemächliche Erzählweise, die gleichzeitig zum Teil schon sehr plump daherkommt. Grade bei den Sexszenen wirkt es, als wäre Martin inzwischen selbst übersättigt von seinen Beschreibungen und verwendet jetzt nur noch so ein paar plakative Sätze ... Für mich, die ich trotz meiner Schnelllesekunst Worte gerne genieße, war das ein ziemlicher Schlag ins Gesicht. Deshalb habe ich beim Buch ziemlich häufig pausiert, obwohl ich ja doch wissen wollte, wie die Geschichten weiter entwickelt werden.

Ein absoluter Pluspunkt: Stinker. Seitdem ich noch vor dem Lesen des ersten Bandes das Graufreud Motto "Wir säen nicht" gesehen habe, bin ich ein heimlicher Fan der Eiseninseln. Gut, die Familie ist jetzt nicht die sympathischste, aber Theon ist für mich die Figur mit den meisten Ecken und Kanten, die hier auf so barbarische Weise geschliffen und neu behauen werden, dass ich beim Lesen selbst fast wahnsinnig geworden bin. Die Kombination Bolton - Theon ist unnachahmlich und die ständige Angst, die den Charakter begleitet, ist zum Teil auf mich übergesprungen. Auf ihn bin ich auch in der nächsten Staffel im Fernsehen gespannt :-)

Ja, den Band muss man natürlich lesen, einfach um der Handlung weiter folgen zu können. Er wird aber sicher nicht zum Lieblingsband werden - aber trotzdem, schnappt ihn euch!

Sonntag, 29. März 2015

[Blogger schenken Lesefreude] Ankündigung zum Welttag des Buches


Ich wollte euch schon einmal darauf hinweisen, dass es wie jedes Jahr bei mir etwas zu gewinnen gibt ;-) Auch in diesem Jahr wird der Welttag des Buches am 23. April mit vielen, vielen Gewinnspielen auf vielen, vielen Blogs gefeiert werden, und dann der Aktion "Blogger schenken Lesefreude" werde ich wieder einmal viele Blogs kennenlernen, die sich rund ums Buch und darüber hinaus beschäftigen.

Freut euch also schon einmal, dieses Jahr werde ich, wenn alles gut geht, ein Gewinnspiel der Sonderklasse veranstalten können, bei dem ihr Highlightbücher gewinnen könnt :-) Bis dahin: verbreitet die Kunde gern ;-)

Samstag, 28. März 2015

[Buchgedanken] P.G.Wodehouse - Right Ho, Jeeves

Gussie Fink-Nottle ist einer der vielen Freunde von Bertie Wooster. Und wie immer ist Bertie der Meinung, dass dieser ohne ihn völlig aufgeschmissen wäre. Besitzt der gute Gussie doch neben einem unschätzbaren Fachwissen über Molche eigentlich nichts, was ihn für die Damenwelt auch nur im Ansatz wertvoll machen würde. Und genau jetzt verknallt sich Gussie in Madeline Bassett, Berties Bekannte, und bringt wieder mal kein Wort über die Lippen. Ein Fall für Bertie Wooster, der es sich zur Aufgabe macht, Gussie und Madeline zu verkuppeln und nebenbei im Handumdrehen noch die geplatzte Verlobung seines Kumpels Tuppy Glossop mit Angela zu revidieren - aber seine ausgefeilten Pläne benötigen dann doch das Gehirn des Butlers Jeeves, der sich der jungen Liebenden annimmt ...


Immer dann, wenn ich ein Buch brauche, das einfach nur Spaß macht und unterhält, das sich als Strand- und Flugzeuglektüre eignet und trotzdem einen gewissen Anspruch hat - immer dann lande ich bei P.G.Wodehouse. Nicht nur, dass er eine Fülle an Büchern geschrieben hat, er ist einfach köstlich unterhaltsam. Angesiedelt in den Zwanzigern, sind vor allem die Jeeves-und-Wooster-Bücher eine absolute Kaufempfehlung, die man auch gut im Original lesen kann. Dann erhält man nämlich auch noch parallel eine Einführung in den Sprachslang der englischen Flapper-Szene, der der gute Bertie angehört. Ausgestattet mit genügend finanziellem Hintergrund, kann er es sich leisten, den Tag mit Müßiggang zu verbringen und Probleme zu ergründen, die selbst die erste Welt nur erträumen kann. Dabei lavriert er sich von einem Schlamassel in den nächsten, und ist darauf angewiesen, mit Jeeves einen Mann an seiner Seite zu haben, der ihn aus allem Dreck zieht, ohne dass Bertie es bemerken würde. Jeeves, der Inbegriff des Butlers, der alles sieht, alles hört und emsig dient, und dabei so stetig sein egienes Süppchen kocht, dass man sich fragt, was er wohl wirklich denken mag. Vermutlich sind die Liebesirrungen und Liebeswirrungen, in denen er hier hilft, auf derselben Ebene wie Flecken auf dem Cocktailkleid oder die Suche nach der besten Cocktailkirsche - Dinge, die erledigt werden sollten zur Zufriedenheit. Das Buch ist britisch im besten Sinne, von der distinguierten Atmosphäre bis zum Humor, der aus jeder einzelnen Zeile tropft - großartige Figuren, die in aller Übertriebenheit doch realistisch wirken, Dialoge zum Niederknien und ein Heidenspaß, wenn man sich das ganze tatsächlich mal vorstellt. Wer noch nie etwas gelesen hat von ihm, muss zugreifen - und alle anderen kriegen hier mit diesem Vand einen der besten Romane mit den beiden Londoner Upperclass-Helden auf Abwegen serviert :-)

[Buchgedanken] Heinrich Mann - Der Untertan

Diederich Heßling ist ein weichliches Kind, das schnell lernt, dass man im Leben weiterkommt, indem man nach oben buckelt und seine Verachtung nur nach unten weitergibt. Ein Katzbuckler, ein Radfahrer, ein typischer Vertreter des Großbürgertums des preußischen Staats - und ein idealer Untertan des jungen Kaisers Wilhelm II. Der Leser folgt dem kleinen Wilhelm durch die Schulzeit ins Studium und die Burschenschaft, in den Beruf und ins Eheleben und wir Zeuge, wie der kleine Feigling Heßling sich durch geschickte Schazüge immer wieder so zu setzen weiß, dass er am Ende als gemachter Mann dasteht ...

Seit wann lag dieses Buch jetzt auf meinem ereader? Mindestens sieben Jahre, würde ich schätzen, und jetzt habe ich mich endlich dran gewagt. klar, ein Klassiker und von Heinrich Mann, das konnte eignetlich nicht großartig schiefgehen, dachte ich. Anfangs jedoch fand ich so gar nicths ins Buch. Der Stil von Manns Erstling ist extrem zäh (anders als bei Thomas Mann scheinen bei Heinrich die älteren Bücher deutlich besser zu sein ;-) ) und die ständigen zwischengeschalteten Auszüge aus Kaiserreden haben michnur noch genervt. Dafür wurde ich aber belohnt mit einer Charakterstudie, die sich gewaschen hat, wenn man sich konzentriert. Diederich (noch nicht einmal der Name ist wirklich hart, sondern ein verwaschen-verweichlichter Abklatsch von Dietrich) ist ein Schweinehund, wie er im Buch steht. Ein Saftsack, der seine eigene Oma dem Teufel verkaufen und persönlich zur Hölle hinterhertragen würde, wenn er dafür etwas bekommt, was sich rentiert. Ein Mann, der nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist und wie eine Spinne dafür im Notfalla uch ein wenig warten kann. Wirklich eklig wurde er mir zum ersten Mal bei einer Gerichtsverhandlung, in der er als Belastungszeuge aussagen soll - und erstm einmal zurückzieht, weil er Angst hat, der Gegner könnte freigesprochen werden und er damit als der Dumme dastehen. Wie Mann diesen Geier im Laufe des Roman enttarnt und vorführt, das hat großen Stil - bis zum bitteren Ende, wenn Diederichs Großmachtphantasien im Regen fortgespült werden.

Ein tolles Buch. Ein Biedermann im schlimmsten Sinne, dem man sich gar nciht nähern will - es aber immer wieder tun sollte.

Montag, 9. März 2015

[Buchgedanken] Georg Lentz - Muckefuck

Karl Kaiser, geboren Ende der Zwanziger Jahre wächst in einem typischen Haushalt auf. Die Eltern arbeiten sich mit einem Taxiunternehmen langsam von Laubenbewohnern zu Eigenheimbesitzern hoch, Karl, auch Menschlein genannt, wächst und gedeiht, die Schule beginnt, die ersten Freundschaften entstehen und zerbrechen wieder, erste Liebe wandelt sich zu erstem Liebeskummer, und das alles vor dem Hintergrund des heraufziehenden Zweiten Weltkriegs ...

So kurz lässt sich der Inhalt dieses Buches zusammenfassen, das ich schon seit geraumer Zeit auf dem ereader gespeichert hatte. Es war an der Zeit, mich näher mit ihm zu beschäftigen und so habe ich vor allem den Flug nach Neuseeland dazu genutzt. Auf insgesamt 286 Seiten wird mit typischer Berliner Schnauze von einer typischen Kindheit erzählt. Und genau das ist vermutlich ein wenig mein Problem mit dem Buch, das sich mir nicht immer so geöffnet hat, wie ich es gerne gehabt hätte. Was mir zum einen fehlt, sind mal ein wenig stringentere Zeitangaben, oftmals schließt man mit gesundem Allgemeinwissen die Zeit richtig aus irgendwelchen historischen Ereignissen, die am Rande erwähnt werden - allzu oft allerdings schmeißt einen Lentz dann schon wieder zurück in eine andere Zeit oder mal voraus in eine Zeit. Das Buch ist so ein typisches "vom Hälzchen auf Stöckchen zum Gummibaum"-Buch, was unterhaltsam ist, worunter aber meiner Meinung nach die Qualität extrem leidet. Denn leider nimmt sich Lentz nicht die Zeit, diese Anekdoten immer auszuerzählen, sondern stattdessen lässt er sie einfach nur angerissen im Raum stehen. Fand ich doof und hat mich beim Lesen immer mehr gestört.
Auch die Figurenzeichnung leidet darunter, denn hier bleiben Figuren oftmals nur bei einer einzigen charakteristischen Sache, die in Anekdoten wiedergeben wird. Das Buch hat mich sehr an alte Leute erinnert, die sich im Altersheim beim Sonntagskaffee gegenseitig im "Wisst ihr noch, damals ..."-Rausch wiegen. Für einen Flug war es seichte Unterhaltung, die ich nicht mehr unbedingt wieder lesen muss.