Montag, 27. Juli 2015

[Buchgedanken] Akif Pirincci - Felidae

Kater Francis und sein Herrchen Gustav sind umgezogen. Während sich Gustav, hauptberuflich Autor von Frauenzeitschriftsromanen, voller Elan in die Renovierung der dreistöckigen Bruchbude stürzt, stolpert Francis im Garten über einen tödlich verletzten Artgenossen. Nicht etwa ein Mensch hat den Kater getötet, sondern eine andere Katze. Francis Spürsinn ist geweckt und gemeinsam mit dem ramponierten Kater Blaubart und dem computeraffinen Pascal nimmt die Spürnase die Ermittlungen auf. Was ist es für eine seltsame neue Katzenrasse, die sich gerade in der Nachbarschaft ausbreitet? Was hat es mit der seltsamen Claudandus-Sekte auf sich, der die Katzen huldigen? Wer ist Professor Preterius, über dessen Tagebuch Francis im Keller stolpert? Während der Mörder immer wieder zuschlägt, dringt Francis immer tiefer in die Geheimnisse der Nachbarschaft ein ...

Dieses Buch hat schon 25 Jahre auf dem Buckel? Wahnsinn, hätte ich nicht gedacht, mir ist, als hätte ich es gestern erst gelesen. Ich mag "Felidae" sowohl als einen funktionierenden Krimi als auch als ein Versuch, konsequent eine Tiersicht einzuhalten, die dem Leser gleichzeitig vor Augen führt, dass unsere selbstempfundene Überlegenheit über das Tierreich nicht automatisch zutrifft.

Der Krimi selbst wird spannend erzählt. Es ist ein ganz klassisches Thrillermuster mit der Jagd nach einem Serienmörder, angereichert mit einigen esoterischen Ausbrüchen und vor allem Francis seltsamen Träumen, die sich am Ende gut einfügen, bei denen man sich aber auch fragt, wie zur Hölle er diese Informationen im Unterbewusstsein hat, während er im Alltag nicht darauf zugreifen kann. Das ist das einzige, was mich so ein bisschen stört, es wirkt ein bisschen wie Seitenschinderei. Andererseits hat man als Leser so noch zusätzliche Anhaltspunkte, die einem beim Selbstkombinieren helfen könnten :-D  Besonders gefallen haben mir die Kathencharaktere, die so unterschiedlich geraten sind. Blaubart, der ein altgedienter Brummbär mit Knodderschnauze ist, Pascal, immer ein bisschen überbesorgt um Gäste und clever wie keine andere Katze, und vor allem Francis. Arrogant, selbstverliebt und irgendwie typisch Katze, respektlos gegenüber seinem Herrchen und trotzdem von tiefer Achtung erfüllt. Seine Erzählerstimme ist es, die mich beim Lesen hält und die mich durch die wahnsinnigen Abgründe führt, die sich hinter der Geschichte verbergen. Ich mag diese Perspektive auf vier Pfoten, die für mich ungewohnt ist, andererseits aber sehr realistisch und glaubhaft vermittelt wird. Diese Katzen haben keine Superkräfte, sondern nur ihre eigenen, und trotzdem sind sie als Ermittler hervorragend geeignet. Ein spannender Krimi, den man mal wieder lesen sollte ;-)

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