Donnerstag, 4. Juli 2013

Stephanie Meyer - Biss zum Morgengrauen


Heute mache ich es mir ein wenig einfach - während ihr das hier lest, schreibe ich gerade eine Schulaufgabe in meiner fünften Klasse, um genau zu sein Grammatik und Rechtschreibung. Meinen Nachmittag werde ich also damit verbringen, mir interessante Rettungsversuche wie das "Prädikatsobjekt", das man mit "Wo oder wessen?" erfragt, zu Gemüte zu führen. Und deshalb habt ihr heute die erfreuliche Möglichkeit, mich dabei zu beobachten (oder belesen?), wie ich mich zu dem Buch äußere, das mir mehr schlaflose Nächte bereitet hat als alle anderen :-p

Was soll ich zu "Biss zum Morgengrauen" genau sagen? Ich hab ihm echt Chancen gegeben. Zuerst auf Deutsch (Abbruch bei Seite 48), dann auf Englisch (zwanzig Seiten mehr). Dann hab ich den Film angeschaut, erst auf Deutsch, dann auf Englisch. Die einzigen Highlights waren für mich die Vorstellung, wie man vor jedem Dreh den armen Robert Pattison kopfüber in eine Mehltüte gestippt haben muss, und die herrlich subtile "huh, ich bin ein düsterer Engel"-Inszenierung mit dem ausgestopftem Schwan :-D  Aber ich habe es nicht aufgegeben und mir das Buch letzte Weihnachten doch noch einmal vorgeknöpft. Ich habe es bis zum Ende durchgehalten und frage mich immer noch: Warum eigentlich? So ziemlich alle drei Seiten hatte ich akuten Fremdschämalarm, weil Bella so unglaublich, unglaublich peinlicher Teenager ist, oder weil mir das Liebesgeschwafel ein wenig zu viel des Guten war und ich regelmäßig "komm zu Potte" dachte.
Und dann habe ich überlegt, was ich falsch mache. Warum gibt es so viele, denen das Buch gefällt? Es kann nicht daran liegen, dass jeder einen schlechten Geschmack hat, es muss etwas anderes sein ...

Und dann fiel es mir plötzlich auf. Bella ist eine Figur, die - so unglaublich doof ich sie finde - eigentlich der Teenager par excellence ist. Sie bietet so unglaublich viel Identifikationspotential, dass man sich leicht an ihre Stelle versetzen kann. Um genau zu sein, Bella ist in ihrer Unsicherheit, ihrer Ruppigkeit, ihrer Tollpatschigkeit nahezu vollständig wie ich mit 15 Jahren. Nur, dass ich keinen glitzernden Vampir zur Hand hatte (btw, DAS solle definitiv bei sämtlichen Dracula-Filmen übernommen werden :-p) und relativ wenig Freundesauswahl. Ich denke, sehr viele der Teenager-Leser sind einfach in das Buch reingewachsen und haben die restlichen Bände mitgenommen, weil man schon dabei war. "Biss zum Morgengrauen" bietet Sicherheit, wie man sie sich wünscht - Junge und Mädchen kriegen sich immer, egal, wie viele Seiten dazwischen liegen. Diese Ruhe, diese Überschaubarkeit ist es, die mich am Buch eigentlich abschreckt. Ich kann mein Leben ziemlich gut planen, ich muss nicht auch noch davon lesen - aber andererseits, als Teenager hätte ich mich davon sicher behütet und angesprochen gefühlt. So, wie ich bei Enid Blyton regelmäßig Lust auf Dosenfisch und Kondensmilch verspürt habe, obwohl ich beides eigentlich nie runterkriegen würde.

Hmm, gefällt mir das Buch jetzt oder nicht? Ich weiß es nicht ... aber immerhin, ich habe es bis zum Ende gelesen ;-)




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