Montag, 21. März 2016

[Rezensionsexemplar] Rita Hampp - Im Dunkel der Schuld

Die Galeristin Ebba ist eines von drei Kindern eines vor Jahren verstorbenen Malers. Was niemand weiß ist, wie sehr dieser Vater sie und ihre Geschwister psychisch misshandelte - bis heute leiden die drei unter diesen Kindheitserlebnissen. Auch ihre Mutter ist kaum eine Hilfe, hat sie sich eingerichtet in ihrer eigenen Welt zwischen Kirche und Gebetkreis. Als Ebbas Bruder Georg an einem Hezrinfarkt stirbt, weist alles auf einen natürlichen Tod hin, doch Ebba ist irritiert. Was hat den schweren Klaustrophobiker dazu gebracht, in einen Fahrstuhl zu steigen? Als sich immer mehr seltsame Zufälle in ihrem Umfeld häufen, erkennt Ebba, dass die Vergangenheit ans Licht drängt und sie sich den Dämonen ihrer Kindheit stellen muss ...

Ja, tatsächlich passt das Cover sehr gut, denn als Leser steigt man hier Schritt für Schritt hinunter in die Kindheit Ebbas. Diese Szenen haben es durchaus in sich, auch wenn ich gelegentlch über das Alter er Protagonisten ein wenig erstaunt war - bei der einen Szene muss Georg zumindest schon 19 sein, dafür wirkt sein Verhalten aber sehr ... kindisch ist das falsche Wort.

Was ich für einen Thriller ungewöhnlich, gleichzeitig aber extrem faszinierend fand, war die lange Zeit über mehrere Jahre, die die Haupthandlung beinhaltet. Da stapeln sich nicht Leichen innerhalb von Tagen, sondern es entsteht ein allmähliches Gefühl der Bedrohung, bei der ich sehr lange nicht wusste, was dabei rauskommen wird. Als Leser ist man dabei zumindest in der bequemen Position, bereits zu wissen, dass wirklich eine geheimnisvolle Person existiert, die es auf Familie Seidel abgesehen hat, aber wer das ist, stellt sich erst etwa hundert Seiten vor Ende endgültig heraus. Leider wird da dann alles sehr Knall auf Fall abgehandelt, das ging mir persönlich zu schnell.

Wird man mit den Figuren warm? Eher nicht. Natürlich versteht man durch ihren Hintregrund viele ihrer Verhaltensweisen, aber irgendwie war mir keiner der Seidels sympathisch und auch der gute Jörg war mir zu nett und verzeihend. Hier hätte die Autoren insgesamt ein bisschen kantiger und auch mal sympathischer schildern können.

Insgesamt fand ich das Buch toll, grade weil es nicht ganz so 08/15 war wie andere Thriller, die ichin letzter Zeit gelesen habe. Vielleicht bin ich genau deshalb auch so davon überzeugt worden :-)

Freitag, 11. März 2016

[Rezensionsexemplar] Niall Williams - Die Geschichte des Regens

Ruth is 19 Jahre als und wird an Leukämie sterben. Also liegt sie in ihrem Zimmer, von dem aus man den Shannon hören kann, lauscht dem ständigen irischen Regen und  liest sich durch die dreitausendneunhundertfünfundachtzig Bücher, die ihr Vater Virgil Swain ihr hinterlassen hat. Inspiriert von der Lektüre und ihrer eigenen überbordenden Fantasie lässt sie vor den Augen des Lesers ihre Ahnen aufmarschieren: Urgroßvater Absalom Swain, den Reverend, Großvater Abraham, der beim Stabhochsprung das Fliegen lernte, und schließlich ihre Eltern Virgil und Mary, die sich vornahmen, die unfruchtbarsten vierzehn Morgen Erde, die Westirland zu bieten hat, urbar zu machen ...

Entweder ist es mein schwangerschaftshormongeplagtes Gehirn oder einfach nicht die richtige Zeit - aber ich und das Buch sind einfach nicht warm geworden, so dass ich bis zur Hälfte gekommen bin, es danach fast vier Wochen neben meinem Bett lag und mir jedes Mal ein schlechtes Gewissen verschaffte, kaum, dass ich es angesehen habe ... Schließlich habe ich mich dazu gezwungen, es zu beenden, hatte damit aber wirklich nicht viel Spaß, ws ich auch für mich schade finde.

Ich hatte mir das Buch ausgesucht, weil der Klappentext wahnsinnig gut klang. Es geht um Literatur, um Irland, um Familie, eigentlich alles, was mich so durch die trüben Wintermonate bringt. Aber chon nach wenigen Seiten musste ich feststellen: dieses Buch ist unendlich ermüdend. Das liegt vor allem am Erzählstil. Nicht nur, dass Ruth ganz getreu der Flussmetapher schweift und Bögen schlägt, ging mir ihr Wortschatz so gewaltig auf die Nerven, dass ich gelegentlich gewünscht habe, dass die Leukämie sich mal beeilt. Gemein, ich wei. Aber dieses permanente "werter Leser" hier und "werter Leser" da gekoppelt mit der nervigen Angewohnheit, jedes zweite Wort in Großbuchstaben zu schreiben (merke: wenn man betonen will, dann sollte man dabei nicht dafür sorgen, dass der Leser vor lauter Bedeutung den Überblick verliert!) - ich bin regelmäßig mit dem Buch in der Hand eingeschlafen und war doch nur zwei Seiten weitergekommen. Es ist nicht so, dass die Geschichte an sich langweilig wäre, aber mir fehlt einfach ein roter Faden, der micht wirklich durch das Buch führt und mich dazu bringt, es beenden zu wollen. Ich habe mir noch nie so schwer damit getan, ein Buch zu lesen, habe dabei an mir selbst immer wieder gezweifelt, ob ich irgendetwas nicht verstehe oder dergleichen - aber anscheinend ist Niall Willias Stil einfach nichts für mich.

Donnerstag, 10. März 2016

[Buchgedanken] Sebastian Fitzek/Michael Tsokos - Abgeschnitten

Rechtsmediziner Paul Hertfeld verbringt einen einigermaßen normalen Arbeitstag mit der Obduktion einer bestialisch verstümmelten Frauenleiche. Dabei stößt er auf eine Kapsel, in der sich die Handynummer seiner Tochter befindet - und auf ihrer Mailbox eine Nachricht von ihrem Entführer. Zur selben Zeit stolpert die Comiczeichnerin Linda auf der Insel Helgoland an der sturmgepeitschten Küste über eine Leiche, auf der der Entführer ebenfalls Hinweise hinterlasen hat. Herzfeld und Linda bleibt keine Wahl, als telefonisch zusammenzuarbeiten ...

Oh. Mein. Gott.

Anders kann ich meine Reaktion auf das Buch zusammenfassen. Ich habe es auf einer längeren Bahnfahrt quer durch Deutschland zwar kmplett gelesen, war dazwischen aber immer wieder versucht, es einfach nur aus dem Fenster zu werfen und seinem Schicksal am Bahngleis zu überlassen. Der einzige Grund, warum ich das nicht getan habe, war, dass ich leider kein anderes auf der Reise dabei hatte.

Irgendwie hatte das Buch so viel Potential. Ein profilierter Thrillerautor und der Leiter der Rechtsmedizin in der Berliner Charitée tun sich zusammen - da kann doch nur was Gute bei rauskommen. Also zumindest kommt dabei was raus, allerdings eine hanebüchene Story, die in einer so kruden Verteidigung von Selbstjustiz gipfelt, dass sich mir alles umgedreht hat. Ich hätte es ahnen können, beginnt das Buch doch quasi mit der Gegenüberstellung zweier Fälle, einmal ein Diebstahldelikt und einmal eine Vergewaltigung - und selbstverständlich wird der geneigte Leser denken, wie ungerecht doch das deutsche Rechtssystem ist. Damit ist die restliche Richtung des Romans schon vorgegeben. Denn letztlich ist das Buch nichts anderes als eine Feier des einsamen Helden, der das Recht in seine eigenen Fäuste nimmt. Das wird bereits mit dem ersten Auftreten vo Mr.Superman aka Herzfeld deutlich, der heldenhaft einen misshandelten Hund rettet, indem er dem Tierquäler so richtig das Nasenbein und anderes zertrümmert. Jetzt weiß ich, was aus TKKG-Tarzan geworden ist!

Nach einigen halbherzig komischen Einlagen in der Rechtsmedizin, die vermutlich zeigen sollen, dass die auch Humor haben, kommt dann die erste Szene am Rande der Glaubwürdigkeit (also halt neben dem Mord am Anfang, dem Karate-Kicker und allem anderen bisherigen), nämlich eine obduktion per Telefon. Durchgeführt von einem medizinischen Laien und angeleitt vom Superhero persönlich. Im weiteren Verlauf werden dann noch auftreten ein durchgeknallter Stalker, diverse Leichen, deren Verletzungen immer wieder möglichst detailliert beschrieben werden. Ach ja, und dazwischen immer wieder - damit der Leser auch versteht, dass man so jemanden einfach umbringen muss - die detaillierte Schilderung der Vergewaltigung einer Schülerin.

Mehr steckt nicht im Buch. Jede Menge Blut und Gewalt und ein extrem merkwürdiges Rechtsempfinden, in dem es gerechtfertigt erscheint, Selbstjustiz zu üben. Kann man haben. Muss man aber wirklich nicht.

Mittwoch, 9. März 2016

[Rezensionsexemplar] Val McDermid - Anatomie des Verbrechens. Meilensteine der Forensik

Schon wieder ein Sachbuch über Forensik? Wer den Buchmarkt in dieser Hinsicht kennt, der weiß, dass es etliche gibt. Nicht jedes qualitativ wertvoll und vor allem stolpert man im Laufe der Zeit einfach immer wieder über dieselben Fälle, weil die nunmal wichtig oder besonders oder erwähnenswert sind. Insofern war ich natürlich einerseits gespannt auf dieses Rezensionsexemplar, andererseits hatte ich mich auch schon fast damit abgefunden, dass es eben doch wieder eins von vielen anderen Büchern sein würde, die sich in meinem Forensik-Regalbrett drängeln.

Glücklicherweise wurde ich dabei ziemlich schnell eines besseren belehrt. Val McDermid, die als Krimiautorin natürlich bekannt ist, verfolgt hier nicht den Ansatz, einfach nur ein paar Fälle nachzuerzählen. Vielmehr geht es ihr darum, dem Leser einen Einblick in die forensische Arbeit zu gewähren und zu zeigen, was heute eigentlich alles möglich ist. Jedes Kapitel ist dabei einem Reilbereich gewidmet, der sowohl in historischer Entwicklung als auch in seiner heutigen ausprägung gezeigt wird. Dazu schaut sie führenden Experten aus Großbritannien über die Schulter, die aus ihrem Arbeitsalltag berichten. Auf diese Weise werden auch eher komplexe Zusammenhänge wie beispieslweise die Frage nach dem Ausbreiten von Bränden sehr schnell verständlich. McDermid ist neugierig und stellt die richtigen fragen, nämlich die, die sie auch bei der Recherche zu ihren Romanen stellen muss, um zu verstehen, was das eigentlich alles beinhaltet. Für mich besonders interessant war das Kapitel über die Arbeit im Gericht, in dem auch für Nicht-briten das englische Rechtssystem erklärt und in Vor- und Nachteilen dargestellt wird.

Natürlich gibt es ein Wiedersehen mit Dr.Crippen und anderen. Und ein Buch, das die englsiche Forensik thematisiert und nicht den Namen Sir Bernhard Spillsbury beinhaltet, kann es einfach nicht geben. Was mir aber gefallen hat, ist, dass mcDermid mit eben beispielsweise diesem Helden der britischen Rechtsmedizin sehr kritisch ins Gericht geht und die heute geäußerte Kritik an seinen Methoden und seinem Verhalten vor Gericht mit in ihr Buch einbezieht. Alles in allem war es für mich ein echt gutes Buch, das mein Interesse in Forensik weiter nährt und nicht nur altes aufbereitet, sondern einen interessanten Einblick in den aktuellen Zustand der forensischen Tatortarbeit liefert.

Dienstag, 1. März 2016

[Rezensionsexemplar] Kate Morton - Das Seehaus

Sadie Sparrow ist Polizistin und hat einen Kardinalfehler begangen. Weil sie, im Gegensatz zu ihren Vorgesetzten, nicht daran glaubt, dass eine junge Frau ihre kleine Tochter einfach in der Wohnung zurücklässt und verschwindet, hat sie den Fall an die Presse weitergegeben - und sieht sich jetzt mit einer internen Ermittlung konfrontiert. Vorsichtshalber begibt sie sich aus dem Schussfeld und macht Urlaub bei ihrem Großvater in Cornwall, wo sie beim Joggen auf ein verlassenes Haus stößt. Dort ist 1930 ein zweijähriger Junge unter mysteriösen Umständen verschwunden, der Bruder der heute gefeierten Schriftstellerin Alice Edevane. Sadie ist von dem Fall fasziniert und will dem Geheimnis auf den Grund gehen ...

Was habe ich auf dieses Buch hingefiebert, seit ich wusste, dass es einen neuen Morton geben wird. Demnentsprechend habe ich mich auch direkt um das Rezensionsexemplar beworben und hatte es pünktlich zum Wochenende hier. Und wie jedes einzelne Mal habe ic das Buch förmlich eingesogen, weil Kate Morton es mir sehr einfach macht, ihren Wendungen zu folgen. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren dieses Genres gelingt es ihr wirklich gut, sinnige Übergänge von der Gegenwart in die Vergangenheit zu finden, so dass ich beiden Handlungssträngen gerne folge und mich über die Verknüpfungen freue. Dieses Mal spielt sie sehr stark mit den Erwartungen und legt einige offene Fährten, nur um sie kurz darauf um 180° zu drehen. Diese Kniffe und Twists haben das Buch nicht nur sehr kurzweilig gemacht, sondern führen auch dazu, dass ein Großteil des Buches immer wieder neue Facetten präsentiert. Dieses Mal ist der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen ein großes Thema, das immer wieder aufkommt, und grade das Leben in der Familie Edevane war für mich spannend durch die immer wieder neuen Informationen, die das bisher Gelesene ziemlich durcheinander schütteln. Das ist nunmal Mortons große Stärke und der Grund, warum ich immer zu ihr zurückkehren werde.

Dennoch bin ich vom Buch nich tzu 100% restlos begeistert wie ich es bei anderen ihrer Büchern bin. Und das liegt eindeutig daran, dass sie dieses Mal versucht, alle Stränge miteinander zu verflechten, wodurch für mich aber kein wirkliches Kunstwerk sondern mehr ein Knoten herauskommt. Was ich damit meine kann ich schlecht ohne Spoiler schreiben, aber so viel sei verraten: einige der Auflösungen war einfach so einerseits vorhersehbar und meiner Meinung nach auch so unnötig, dass ich mich wirklich drüber geärgert habe. Darunter hat für mich wirklich der Spaß gelitten, denn dieser "Zufall" war einfach nur ... naja, ein klassischer Fall von "ich versuch jetzt mal, mir was auszudenken, was iiiiiiiiiiiirgendwie möglich sein könnte".

Muss man das Buch jetzt meiden wie der Teufel das Weihwasser? Quatsch, bloß nicht. Lest es, denn es macht Spaß und man lernt sogar noch das ein oder andere über die Geschichte des Kriminalromans. Aber ähnlich wie bei Agatha Christie muss man eben damit leben, dass manche Wendung die Glaubwürdigkeit schon sehr strapazieren kann ;-)

Samstag, 20. Februar 2016

[Rezensionsexemplar] Colin Cotterill - Dr.Siri und der explodierende Drache

Gerade erst ist Dr.Siri von seinen Abenteuern in Kambodscha zurückgekehrt, die er nur knapp überlebt hat, und deshalb braucht er vor allem eins: Ruhe. Und Frieden. Ein bisschen Nudelsuppe essen mit seiner Ehefrau Madame Daeng. Aber ganz sicher nicht ein amerikanisches Forensikteam, das sich genau jetzt in Laos ankündigt und dem Siri von ganz oben beigeordnet wird. Einige Erpressungsversuche später hat er zumindest durchgesetzt, dass nicht nur er sondern auch seine Feunde und Mitarbeiter losgeschickt werden, um sich auf Schatzsuche zu begeben. Um genau zu sein, nach Boyd Bowyn, einem amerikanischen Piloten, der vor einigen Jahren mit seinem Hubschrauber über Laos abgestürzt sein soll. Dass man ausgerechnet jetzt Spuren findet, die darauf hinweisen, dass er überlebt hat, hat die Amerikaner auf den Plan gerufen. Während die Suche anfangs einem feucht-fröhlichen Pfadfinderlager gleicht, wandelt sich die Stimmung, als Major Potter eines Morgens tot in der Küche liegt, in einem recht schlüpfrigen Arrangement. Wer hat es auf die Truppe abgesehen? Und vor allem: warum?

Ich kannte die Dr.Siri-Romane bisher vor allem durch die Hörbcher mit Jan Josef Liefers. Insofern war ich ganz glücklich, den direkten Anschluss ans letzte Hörbuch als Rezensionsexemplar vom bloggerportal zu bekommen, denn der hatte mich ein wenig unbefriedigt zurückgelassen. Und auch hier war ich nicht zu hundert Prozent übrzeugt von dem Buch. Woran das liegt? An zwei Gründen.

Das eine ist, dass sie Krimihandlng sich diesmal schon sehr versteckt. In erster Linie ist das Buch eine Aneinanderreihung skurriler Szenen, insbesondere auf der Reise. Die allmägliche Verbrüderung durch Alkohol, die trotz mangelnder Sprachkenntnisse um sich greift, ist beim ersten und zweiten Mal ganz lustig, wird aber allmählich sehr wiederholend. Spannung durch die Krimihandlung wird allerdings auch kaum erzeugt, dazu passiert zu wenig. Madame Bpoh, das Medium, ist irritierend und eine Figur zum Liebgewinnen, die aber trotz allem merkwürdig blass bleibt. Wie genau da mittendrin dann plötzlich Leichen und Anschläge auftauchen, hat mich beim Lesen gelegntlich verwirrt, ich hatte mehrfach das Gefühl, dass da jetzt einfch was fehlt oder ich etwas überlesen hatte.

Womit wir auch schon beim zweiten Kritikpunkt wären: Mir ist das Buch in vielen Dingen einfach zu kurz, zu angerissen. Sei es die Krimihandlung an sich, seien es andere Dinge über die Figuren. Der Einbruch beipielseise wird nur kurz erwähnt und dann wartet man, dass da was kommt - erst ganz am Ende wird es für drei Zeilen wieder thematisiert und effektiv auch sofort wieder zur Seite gewischt. Für mich war das Buch mühsam zu lesen, weil meine Gedanken immer wiedder abgeschweift sind. Ich mag Siri auch weiterhin, aber dieses Buch braucht ein wenig, bis man es mag.

Donnerstag, 18. Februar 2016

[Rezensionsexemplar] Lilli Beck - Glück und Glas

Im Mai 1945 kommen in einem Münchener Krankenhaus zwei Mädchen zur Welt, die aus völlig verschiedenen Gesellschaftsschichten stammen. Während Hannelore die Tochter eines Schuhfabrikanten ist, dessen Geschäft auch in den Kriegsjahren ganz gut läuft, ist Marions Mutter ausgebombt und wohnt zur Zeit im Krankenhaus als "Übungsmaterial" für die Geburtsstation. Als sich die beiden Mütter zufällig begegnen, beschließt Hannelores Mutter, die beiden zu sich zu nehmen, eine Haushälterin wird sowieso gebraucht. So wachsen die beiden Mädchen miteinander auf, werden beste Freundinnen und beginnen dennoch, sich allmählich zu entzweien, als sie unterschiedliche Lebenswege einschlagen. Wird es zu ihrem Siebzigsten Geburtstag endlich eine Versöhnung geben, nachdem die Freundschaft zerbrach?

Das Buch, das ich mir als Rezensionsexemplar bei blanvalet aussuchen durfte, klang eignetlich sehr schön. Ein Roman, der eine Geschichte von Freundschaft mit der Geschichte der Bundesrepublik verbindet - ich war sehr gespannt. Und die ersten Kapitel sind auch wirklich schön, man schnuppert das Leben in der unmittelbaren Nachkriegszeit und findet die beiden kleinen Gören doch ganz sympathisch. Okay, diese zwischengeschalteten Kapitel, in denen die jetzt siebzigjährige Marion auf ihre beste Freundin wartet, hätten nicht sein müssen - doch man ist gewillt, darüber hinwegzusehen. Aber je weiter das Leben dann voranschreitet, desto mehr wandelt sich der Roman von einer spannenden Schilderung hin zu einer wahnsinnigen Oberflächlichkeit. Marions und Hannelores Charakterzüge werden einach nur noch grob gepinselt und so wirklich warm wird man mit keiner der beiden erwachsenen Frauen. Noch schlimmer war für mich aber, dass ich - je mehr die Zeit voranschritt - das Gefühl hatte, das Buch ist entstanden mit folgendem Dialog:

"Ich will ein Buch schreiben, das zwischen 1945 und 2010 spielt."
"Hast du was drin zur APO?"
"Klar."
"Sexuelle Revolution?"
"Logisch."
"Anti-Atomkraft-Bewegung?"
"Wird mal erwähnt."
"Hausfrauenehe der Fünfziger Jahre und deren Problematik?"
"Selbstverständlich."
"Olympische Spiele 1972?"
"Was denkst du denn?"

Je näher wir ans Jahr 2010 kommen, desto mehr ergeht sich das Buch in belanglosen Erwähnungen historischer Ereignisse. Nach dem Motto "Hannelore ist schwanger. Sie ist froh, dass ihr Kind gesund ist. Das ist nicht immer der Fall. Die Zeitungen sind voll mit Fällen der Contergan-Kinder. Das ist wirklich schlimm." Ich zitiere nicht ganz im Original, aber das ist auch in etwa der Stil, in dem das Ganze gehalten ist. Sehr starke Hauptsatzreihungen, die mich als Leser immer weniger etwas erleben lassen, als mir nur Namen von früheren Marken, Namen bekannter Persönlichkeiten und Namen historischer Ereignisse um die Ohren zu hauen. Ich kam mir immer mehr vor wie beim Lesen eines Buchs "Das Jahr XY". Die Geschichte selbst wurde dabei immer oberflächlicher und erging sich letztlich in totaler Vorhersehbarkeit (ganz im Ernst, ich wusste von Anfang an, dass der Schwule natürlich in den Achtzigern AIDS bekommen muss ...) Für mich ein Roman, der meine Lesewerwartungen einfach nur enttäuscht hat, sowohl vom Stil als auch vom Aufbau der Geschichte her. :-(

Sonntag, 7. Februar 2016

[Buchgedanken] Agatha Christie - Der Tod auf dem Nil

Ein kleiner Urlaub in Ägypten, eine schicke Nilkreuzfahrt - das Leben von Hercule Poirot könnte so schön sein. Doch sein Dampfer dient ausgerechnet der Millionärserbin Linnet Doyle für ihre Flitterwochen. Doch nicht nur Linnet und ihr Ehemann sind and Bord, sondern auch Jaqueline. Die war eigentlich mit Linnets Mann verlobt und deren beste Freundin - dass hier Ärger in der Luft liegt, ist nur wahrscheinlich. In der Tat fühlt sich Linnet schon bald von allen Seiten bedroht und bittet Poirot um Hilfe. Doch noch bevor dieser weiß, was gespielt wird, wird Linnet erschossen - aber ausgerechnet Jaqueline hat ein felsenfestes Alibi ...

Und schon wieder ein Agatha Christie, diesmal mit überraschendem Spielort. Ägypten und der Nil bieten eine nette Kulisse, die für den Krimi an sich aber nicht wirklich eine Rolle spielt. Ob man jetzt einen Mordversuch in Abu Simbel unternimmt oder in Chestershire - bleibt sich das nicht letztlich gleich? In diesem Fall spiegelt sich die Beliebigkeit des Sets auch irgendwie im Fall wieder. Ich fand, da wurde dieses Mal versucht, mit möglichst vielen verschiedenen Nebenhandlungen vom eigentlichen Fall abzulenken. So treten also noch Trickbetrüger, Anarchisten und Kleptomanen an Bord auf, nahezu jeder scheint ein Geheimnis mit sich herumzuschleppen, das Poirot natürlich ans Licht bringt. Der Fall selbst wird dann zwar nett aufgelöst, aber irgendwie ... das erscheitn mir alles so weit hergeholt. Insbesondere der Schlussakt, den Poirot dann auch noch kommentiert nach dem Motto "es ist besser so" ... also ich weiß nicht. Das ist schon ziemlicher Pathos vor Pyramiden, der mir in diesem Fall geboten wurde, und deshalb nicht unbedingt ein Buch, das ich wiederlesen würde.

Freitag, 5. Februar 2016

[Buchgedanken] Alex Garland - Der Strand

Richard ist Anfang 20 und kommt aus England. Mit seinem Rucksack reist er als Backpacker durch Thailand, immer auf der Suche nach den Orten abseits des Massentourismus. In einem Hostel erhält er von seinem Zimmernanchbarn eine Karte, die ihn gemeinsam mit dem französischen Pärchen Etienne und Francoise an einen entlegenen Strand führt. Weißer Sand, kristallklares Wasser und eint ropischer Dschungel - was sie begrüßt wie eine Idylle entpuppt sich schon bald als das gehütete Geheimnis einer Gruppe Aussteiger, die die Neuankömmlinge in ihre Gemeinschaft aufnehmen. Aber als sich dann weitere Neulinge ankündigen, beginnt die Situation zu eskalieren ...

Ich hatte das Buch jetzt so ewig in meinem Regal stehen - es war einfach an der Zeit, mich dranzumachen. Es ist jetzt nicht so, dass ich es total schlecht fnd, aber komplett begeistert war ich auch nicht. Woran liegt das? Die Geschichte hatte für mich immer wieder etwas Plätscherndes, bei dem ich mich fragte, worauf das jetzt alles rauslaufen soll. Immer wieder übt Garland Kritik nicht nur an der Zivilisation (quasi die Gegenwelt zu dem Backpackerleben, das Richard anfangs führt), sondern auch an dem utopischen Paradiesleben am Strand. Bezeichnend ist da die EInkaufsfahrt, die für die Gruppe immer eher eine unumgängliche Peinlichkeit darstellt, bei der aber gleichzeitig alles an Konsumgütern erworben wird, was die Geschäfte hergeben.

Sehr schnell ist für den Leser klar, dass in dieser Gruppe viele unausgesprochene Konflikte herrschen, in die Richard manchmal komplett reingrätscht. Ich habe nie so ganz verstanden, was sein Problem mit Bugs ist, aan dem sich letztlich alles entzübnden wird, ebenso, wie mir Etiennes Verhalten immer ein wenig seltsam erschien. So ganz warm geworden bin ich mit keiner der Figuren, viele ihrer Handlungen konnte ich weder anchvollziehen noch mir wirklich erklären. Insbesondere aber genervt haben mich gegen Ende die permanenten Visionen Richards von Daffy, von dem er die Karte erhalten hatte. Für mich war er ein dämlicher durch zu viel kiffen verursachter Nervfaktor, bei dem ich mich immer mehr zwingen musste, nicht weiterzublättern.

Ein wirklicher Thriller, wie ihn der Buchrücken versprochen hat, war das Buch jetzt nicht. Aber eine interessante Abrechnung mit dem Paradies und der Zivilisation.

Sonntag, 31. Januar 2016

[Buchgedanken] Dan Brown - Illuminati

Der Symbologe Robert Langdon wird eines frühen Morgens aus dem wohlverdienten Schlaf geklingelt. Am Apparat is Maximilian Kohler, der Leiter der Genfer Forschungsanstalt CERN. Einer seiner Angestellten, dem es vor kurzem gelang, Antimaterie herzustellen, ist ermordert worden und die Antimaterie verschwunden. Was das mit Langdon zu tun hat? Auf der Brust der Leiche findet sich ein Hinweis auf eine Geheimgruppe, die Illuminaten, ein Steckenpferd Langdons. Und während dieser noch verarbeitet, dass sich ein Geheimbund erhoben hat, dessen Existenz bislang eher diskutiert als bewiesen war, meldet sich der Vatikan - irgendwo dort wurde die Antimaterie versteckt und soll genau am Abend der Papstwahl in die Luft gehen. Zuvor sollen allerdings die vier preferiti der Papstwahl auf den Altären der Wissenschaft geofert werden. Langdon und der Physikerin Vittoria Vectra bleiben noch sechs Stunden, um die Illuminati zu stoppen ...

Ach, wen interessiert, dass Dan Brown im Buch mit der von ihm behaupteten Wahrheit und wesentlichen Fakten über Papstwahl und Illuminati eher dichterisch umgeht? Oder dass er willkürlich Kirchen in Rom umbaut und Kunstwerke neu gestaltet, damit sie in seine Theorie passen? Oder dass die Figuren in diesem Buch so sehr nach Stereotyp scheien, dass einem die Ohren schmerzen könnten? Mich diesmal ein klitzekleines bisschen, lese ich das Buch doch zum fünften Mal. Und jedes Mal bin ich sofort wieder in der Geschichte drin und denke mir immer "ach, ein Kapitel schaffst du schnell noch". Das Buch ist irrsinnig rasant und temporeich, vor allem dank der sehr kurzen Kapitel. Sprachlich sind die nicht immer ein Meisterwerk, es wird viel wiederholt und in simplen Worten gearbeitet. Vor allem die Actioneinlagen lassen sich aber sehen: da wird auch Flugzeugen gesprungen ohne Fallschirm, Langdon zerlegt spontan einen der hermetischen Kästen im vatikanischen Archiv, die Leichen fallen im wahrsten Sinne des Wortes von den Decken - ein rasantes Actionspektakel eben. Dass Vittoria da einfach nur hübsche Stichwortgeberin ist und Lngdon in seinem Leben vermutlich bereits mehr Katastrophen erlebt hat als der durchschnittliche Katastrophentourist, kann man dabei vielleicht einfach mal unter den Tisch fallen lassen. Das Buch bläst das Hirn frei, mehr will ich davon gar nicht, und diese Aufgabe erfüllt es zu hundert Prozent.