Donnerstag, 10. März 2016

[Buchgedanken] Sebastian Fitzek/Michael Tsokos - Abgeschnitten

Rechtsmediziner Paul Hertfeld verbringt einen einigermaßen normalen Arbeitstag mit der Obduktion einer bestialisch verstümmelten Frauenleiche. Dabei stößt er auf eine Kapsel, in der sich die Handynummer seiner Tochter befindet - und auf ihrer Mailbox eine Nachricht von ihrem Entführer. Zur selben Zeit stolpert die Comiczeichnerin Linda auf der Insel Helgoland an der sturmgepeitschten Küste über eine Leiche, auf der der Entführer ebenfalls Hinweise hinterlasen hat. Herzfeld und Linda bleibt keine Wahl, als telefonisch zusammenzuarbeiten ...

Oh. Mein. Gott.

Anders kann ich meine Reaktion auf das Buch zusammenfassen. Ich habe es auf einer längeren Bahnfahrt quer durch Deutschland zwar kmplett gelesen, war dazwischen aber immer wieder versucht, es einfach nur aus dem Fenster zu werfen und seinem Schicksal am Bahngleis zu überlassen. Der einzige Grund, warum ich das nicht getan habe, war, dass ich leider kein anderes auf der Reise dabei hatte.

Irgendwie hatte das Buch so viel Potential. Ein profilierter Thrillerautor und der Leiter der Rechtsmedizin in der Berliner Charitée tun sich zusammen - da kann doch nur was Gute bei rauskommen. Also zumindest kommt dabei was raus, allerdings eine hanebüchene Story, die in einer so kruden Verteidigung von Selbstjustiz gipfelt, dass sich mir alles umgedreht hat. Ich hätte es ahnen können, beginnt das Buch doch quasi mit der Gegenüberstellung zweier Fälle, einmal ein Diebstahldelikt und einmal eine Vergewaltigung - und selbstverständlich wird der geneigte Leser denken, wie ungerecht doch das deutsche Rechtssystem ist. Damit ist die restliche Richtung des Romans schon vorgegeben. Denn letztlich ist das Buch nichts anderes als eine Feier des einsamen Helden, der das Recht in seine eigenen Fäuste nimmt. Das wird bereits mit dem ersten Auftreten vo Mr.Superman aka Herzfeld deutlich, der heldenhaft einen misshandelten Hund rettet, indem er dem Tierquäler so richtig das Nasenbein und anderes zertrümmert. Jetzt weiß ich, was aus TKKG-Tarzan geworden ist!

Nach einigen halbherzig komischen Einlagen in der Rechtsmedizin, die vermutlich zeigen sollen, dass die auch Humor haben, kommt dann die erste Szene am Rande der Glaubwürdigkeit (also halt neben dem Mord am Anfang, dem Karate-Kicker und allem anderen bisherigen), nämlich eine obduktion per Telefon. Durchgeführt von einem medizinischen Laien und angeleitt vom Superhero persönlich. Im weiteren Verlauf werden dann noch auftreten ein durchgeknallter Stalker, diverse Leichen, deren Verletzungen immer wieder möglichst detailliert beschrieben werden. Ach ja, und dazwischen immer wieder - damit der Leser auch versteht, dass man so jemanden einfach umbringen muss - die detaillierte Schilderung der Vergewaltigung einer Schülerin.

Mehr steckt nicht im Buch. Jede Menge Blut und Gewalt und ein extrem merkwürdiges Rechtsempfinden, in dem es gerechtfertigt erscheint, Selbstjustiz zu üben. Kann man haben. Muss man aber wirklich nicht.

1 Kommentar:

  1. Fitzek halt! Ärgere mich jedes mal wieder, wenn ich doch wieder eins von ihm lese.

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