München, 1925. Silena arbeitet wie ihre beiden Brüder für eine Orgaisation der katholischen Kirche, die sich einem einzigen Ziel verschrieben hat: Drachen zu töten. Da Flugdrachen bis in die Gegenwart hinein aktiv sind, haben sich die Nachfahren der Drachenheiligen ihrer Vernichtung verschrieben, wobei jede Familie sich ein wenig spezialisiert hat. Und so ist Silena eine der wenigen Pilotinnen, die es wagt, die Viecher direkt im Luftkampf zu besiegen. Als ihre beiden Brüder getötet werden, bekommt Silena von ganz oben den Befehl, Pause zu machen und dafür zu sorgen, dass ihre Linie nicht ausstirbt - doch sie hat ganz andere Pläne, will sie doch den Tod ihrer Brüder rächen. Was jedoch auch sie nicht ahnt: neben den gewöhnlichen Drachen gibt es die Altvorderen, Drachen, die man nur aus den Mythen und Legenden kennt. Sie sind es, die die Welt beherrschen und die gerade wieder einmal zu einem neuen Krieg rüsten ...
Ich habe das Buch jetzt endlich mal wieder gelesen, da ich nach einer riesigen medimops-Bestellung die Fortsetzung "Drachenkaiser" im Schrank stehen habe und doch nochmal kurz nachvollziehen wollte, was da eigentlich los ist. Wie immer bei Markus Heitz haben wir hier ein hochgradiges Action-Spektakel, bei dem viel Geknalle und Explosionen gepaart mit einem hohen Bodycount auftritt. Das ganze aber so charmant und schnell erzählt, dass man sich dabei vor allem blendend unterhalten fühlt. Das Reizvolle an "Die Mächte des Feuers" ist einfach die Tatsache, dass wir es hier mit einer Art Paralleluniversum zu tun haben, in der Drachen alltägliche Behinderungen des Flugverkehrs sind und noch immer die alten Königreiche existieren, da der Erste Weltkrieg ein wenig anders ausgegangen ist als wir es kennen. Dass nämlich Staatsoberhäupter nichts anderes sind als Spielfiguren in einem Jahrtausende alten Kampf der Urdrachen ist ein spannender Schachzug, aus dem Heitz hier einiger herausholt. Die abgedrehten Ideen und vor allem der Machtkampf der Drachen untereinander sind spannend ausgearbeitet und vor allem der finale Endkampf bietet alles, was das Actionherz benötigt.
Allerdings finde ich dann doch, dass in diesem Buch die sehr eindimensionalen Figuren mehr als offen zutage treten. Mir ging gerade Silenas permanente Tough-heit zunehmend auf den Wecker, die dann in einer extrem klischeehaften Liebesepisode endet. Aber andererseits: diese Drachen sind schon verdammt cool :-)
Samstag, 15. November 2014
Dienstag, 14. Oktober 2014
[Hörbuch] "Der Trümmermörder" ( gelesen von Burghart Klaußner)
Hamburg, 1947. In der britischen Besatzungszone versuchen die Menschen mehr schlecht als recht durch den Winter zu kommen. Zu ihnen gehört auch Kommissar Stave, der in diesem klirrenden Winter mit einer Mordserie konfrontiert wird. Alles nimmt seinen Anfang mit einer weiblichen Leiche, die nackt in einem Trümmergrundstück gefunden wird ohne einen einzigen Hinweis auf ihre Identität. Schon bald finden sich dazu die Leichen einer weiteren Frau, eines kleinen Mädchens und eines alten Mannes. Doch was haben die vier gemeinsam? Staves Ermittlungen führen ihn hinein in eine Welt, in der Fälschungen und Lügen für die Menschen aus purer Not zum Alltag geworden sind, in der die letzten vierzehn Jahre noch immer Schatten werfen, in die die niemand eintauchen will, und in der er selbst sich immer wieder die Frage stellen muss, wie viel Wahrheit er herausfinden will ...
Hmmm ... Ich habe dieses Hörbuch vor einiger Zeit schon im CD-Player gehabt und schiebe die Rezension seitdem vor mir her. Ich fand den Fall wirklich nur leidlich spannend, die Auflösung hat sich schon sehr früh zumindest für mich erahnen lassen. Das fand ich besonders schade, denn eigentlich beruft sich Rademacher auf einen realen Fall aus Hamburg im Jahr 1947, der bis heute als ungeklärt gilt, und für mich war die Lösung schon sehr an den Haaren herbeigeschrieben. Garniert wurde das Ganze dann mit sehr vielen Beschreibungen von Elend, Leid und Alltag der unmittelbaren Nachkriegszeit im kältesten Winter 1947 - die an und für sich bestimmt interessant sind, für mich aber auch wahnsinnig langatmig daherkamen. Allein die Beschreibung der Szene, wenn Stave morgens aufsteht, hat mir fast die Lust verdorben, weiterzuhören, weil mich nicht jede kleine Kleinigkeit interessiert. Dass wir dann auch noch in einer Zeit sind, in der Polizeiermittlungen halt nicht per Telefon und Computer, sondern in guter alter Fußarbeit erledigt werden müssen, vergeht auch zwischen zwei Hinweisen, die den Fall mal weiterbringen, eine so unendlich lange Zeitspanne, dass ich abzuschweifen beginne. Und darin lag für mich die größte Schwäche dieses Buches, das so immer weniger Krimi und immer mehr Sittengemälde sein wollte, und dann so viel reingepackt hat, dass ich langsam die Lust auf alles verloren habe. Wenigstens eine der Stories hätte man doch erst in Band zwei oder drei auftauchen lassen können, so hatte ich das Gefühl, das dient in erster Linie dem Seitenfüllen, weil es im Fall so gar nicht weitergeht.
Immerhin war das Hörbuch dank des Sprechers nicht langweilig. Burghart Klaußner spricht Hamburgerisch, radebrecht englischen Akzent, parliert in dezentem Französisch, und schafft für die Figuren individuell erkennbare Sprechweisen, die mich bei der Stange halten. Seine Klangfarbe und dieses Variationenreichtum sind es dann auch, die das Hörbuch für mich wieder zu einem echten Tipp werden lassen, denn so langatmig der Fall auch sein mag, am Ende wollte ich halt doch hören, wie es weitergeht ;-)
Hmmm ... Ich habe dieses Hörbuch vor einiger Zeit schon im CD-Player gehabt und schiebe die Rezension seitdem vor mir her. Ich fand den Fall wirklich nur leidlich spannend, die Auflösung hat sich schon sehr früh zumindest für mich erahnen lassen. Das fand ich besonders schade, denn eigentlich beruft sich Rademacher auf einen realen Fall aus Hamburg im Jahr 1947, der bis heute als ungeklärt gilt, und für mich war die Lösung schon sehr an den Haaren herbeigeschrieben. Garniert wurde das Ganze dann mit sehr vielen Beschreibungen von Elend, Leid und Alltag der unmittelbaren Nachkriegszeit im kältesten Winter 1947 - die an und für sich bestimmt interessant sind, für mich aber auch wahnsinnig langatmig daherkamen. Allein die Beschreibung der Szene, wenn Stave morgens aufsteht, hat mir fast die Lust verdorben, weiterzuhören, weil mich nicht jede kleine Kleinigkeit interessiert. Dass wir dann auch noch in einer Zeit sind, in der Polizeiermittlungen halt nicht per Telefon und Computer, sondern in guter alter Fußarbeit erledigt werden müssen, vergeht auch zwischen zwei Hinweisen, die den Fall mal weiterbringen, eine so unendlich lange Zeitspanne, dass ich abzuschweifen beginne. Und darin lag für mich die größte Schwäche dieses Buches, das so immer weniger Krimi und immer mehr Sittengemälde sein wollte, und dann so viel reingepackt hat, dass ich langsam die Lust auf alles verloren habe. Wenigstens eine der Stories hätte man doch erst in Band zwei oder drei auftauchen lassen können, so hatte ich das Gefühl, das dient in erster Linie dem Seitenfüllen, weil es im Fall so gar nicht weitergeht.
Immerhin war das Hörbuch dank des Sprechers nicht langweilig. Burghart Klaußner spricht Hamburgerisch, radebrecht englischen Akzent, parliert in dezentem Französisch, und schafft für die Figuren individuell erkennbare Sprechweisen, die mich bei der Stange halten. Seine Klangfarbe und dieses Variationenreichtum sind es dann auch, die das Hörbuch für mich wieder zu einem echten Tipp werden lassen, denn so langatmig der Fall auch sein mag, am Ende wollte ich halt doch hören, wie es weitergeht ;-)
Samstag, 13. September 2014
[Bedeutende literarische Ereignisse] Am Grab von Douglas Adams
Lieber Mr. Adams!

Ich wollte Ihnen ja immer mal Danke sagen.
Danke, dass Sie mit dem "Anhalter" ein Buch geschaffen haben, dass meinen Vater und mich zusammengebracht hat.
Danke für den Namen Trillian.
Danke, dass Sie mir gezeigt haben, wie wunderschön Manatees sind.
Danke für Ihre Inspiration.
Ich hab es nie gemacht.
Gab immer anderes zu tun als Ihnen zu schreiben.
2001 sind Sie gestorben.
Scheiße, ich unterrichte Kinder, die da nicht einmal auf der Welt waren.
Und dann stolpere ich im Urlaub per Zufall über Ihren Grabstein
Und dann wird mir klar, dass es das war.
Und dann stehe ich heulend auf dem Highgate Cementary.
Und dann sehe ich den kleinen blauen Daumen, den Ihnen jemand auf das Grab gelegt hat.
Und dann weiß ich, dass Sie da draußen mit einem Yangtse-Delphin durchs Weltall schwirren und ich wünsche mir, dass ein oder zwei Ihrer Moleküle in mir stecken.
Und dann sage ich es laut auf dem Friedhof.
DANKE!
Dieser Text ist tasächlich nach Jahrzehnte ein Versuch, mal wieder aktiv zu schreiben. Seht es mir nach. Es war ungelogen der bewegendste Moment seit langem, auf dem Friedhof zufällig zu sehen, dass der Lieblingsschriftsteller dort begraben liegt.

Ich wollte Ihnen ja immer mal Danke sagen.
Danke, dass Sie mit dem "Anhalter" ein Buch geschaffen haben, dass meinen Vater und mich zusammengebracht hat.
Danke für den Namen Trillian.
Danke, dass Sie mir gezeigt haben, wie wunderschön Manatees sind.
Danke für Ihre Inspiration.
Ich hab es nie gemacht.
Gab immer anderes zu tun als Ihnen zu schreiben.
2001 sind Sie gestorben.
Scheiße, ich unterrichte Kinder, die da nicht einmal auf der Welt waren.
Und dann stolpere ich im Urlaub per Zufall über Ihren Grabstein
Und dann wird mir klar, dass es das war.
Und dann stehe ich heulend auf dem Highgate Cementary.
Und dann sehe ich den kleinen blauen Daumen, den Ihnen jemand auf das Grab gelegt hat.
Und dann weiß ich, dass Sie da draußen mit einem Yangtse-Delphin durchs Weltall schwirren und ich wünsche mir, dass ein oder zwei Ihrer Moleküle in mir stecken.
Und dann sage ich es laut auf dem Friedhof.
DANKE!
Dieser Text ist tasächlich nach Jahrzehnte ein Versuch, mal wieder aktiv zu schreiben. Seht es mir nach. Es war ungelogen der bewegendste Moment seit langem, auf dem Friedhof zufällig zu sehen, dass der Lieblingsschriftsteller dort begraben liegt.
[Buchgedanken] Elke Schulze - Erich Ohser alias e.o.plauen. Ein deutsches Künstlerschicksal
Es gibt Autoren, deren Leben tritt so vollständig hinter ihren Werke zurück, dass man immer wieder überrascht davon ist, dass sie reale Personen waren. e.o.Plauen gehört mit Sicherheit zu diesen Personen, denn mal ehrlich, was weiß man über ihn? Mit viel Glück, dass der Erich Ohser aus Plauen kam und einen Sohn hatte - und da sind wir auch schon bei "Vater und Sohn" angekommen. Dabei ist das Leben dieses Mannes so was von verflucht ... kompliziert und spannend, dass es sich lohnt, sich damit näher zu beschäftigen.
Elke Schulze nimmt den Leser dieser sehr reich bebilderten Biografie mit in dieses Leben, allerdings - und das ist mein wesentlicher Kritikpunkt - streift sie dabei nur an der Oberfläche. Wir begleiten Erich kurz zur Schule, erfahren von seiner Entscheidung, Künstler werden zu wollen, und von den zwei Freundschaften, die sein Leben prägen werden: Erich Kästner, dessen Gedichtbände er zum Teil später illustriert, und Erich Knauf, einem Zeitungsredakteur, mit dem Ohser schließlich 1944 gemeinsam ins Gefängnis wandern sollte. Doch bis dahin liegt noch ein Weg, auf dem e.o.plauen alles mitnimmt, was möglich ist. Eine On-Off-Beziehung mit seiner großen Liebe Marigard, eine Künstlerin wie er, die nach der Machtübernahme die Familie alleine durchbringen musste, weil Ohser dank seiner politischen Karikaturen ein Berufsverbot erhalten hatte. Dann 1934 die Möglichkeit, unter Pseudonym Comic Strips zu veröffentlichen - und der Durchbruch mit "Vater und Sohn", zwei trotz aller NS-Anpassung des Künstlers so unpolitischen und unangepassten Figuren, dass man sie liebhaben muss. Die sogar Goebbels mit dem Karikaturisten versöhnen, der bald zum Erfolgsgaranten wird und einen Popularitätsaufschwung erlebt, dass er schließlich sogar wieder politische Karikaturen anfertigen darf. Und schließlich 1944 der Selbstmord unmittelbar vor dem Beginn eines Prozesses, weil der schwerhörige Ohser seinem Freund Erich wieder einmal zu laut politische Witze erzählt und diesmal die falschen Leute zuhören ... Dieses Leben wird in Zitaten, Faksimiledrucken und vor allem Fotografien ausgebreitet in einem überbordenden Bilderreigen, der zum Weiterlesen verführt, gepaart mit einfachen und gut recherchierten Kapiteln zu all diesen Stationen. Die Autorin schreibt einfach, klar und sachlich, ich habe mich jede Sekunde informiert und unterhalten gefühlt, wenn auch wie gesagt, sehr vieles nur an der Oberfläche blieb.
Ich hoffe, dass es bald mal eine richtig lange, gut aufbereitete Biografie über ihn gibt, für die dieses Buch eine gute Grundlage sein kann. Ich würde sie sofort kaufen!!
Elke Schulze nimmt den Leser dieser sehr reich bebilderten Biografie mit in dieses Leben, allerdings - und das ist mein wesentlicher Kritikpunkt - streift sie dabei nur an der Oberfläche. Wir begleiten Erich kurz zur Schule, erfahren von seiner Entscheidung, Künstler werden zu wollen, und von den zwei Freundschaften, die sein Leben prägen werden: Erich Kästner, dessen Gedichtbände er zum Teil später illustriert, und Erich Knauf, einem Zeitungsredakteur, mit dem Ohser schließlich 1944 gemeinsam ins Gefängnis wandern sollte. Doch bis dahin liegt noch ein Weg, auf dem e.o.plauen alles mitnimmt, was möglich ist. Eine On-Off-Beziehung mit seiner großen Liebe Marigard, eine Künstlerin wie er, die nach der Machtübernahme die Familie alleine durchbringen musste, weil Ohser dank seiner politischen Karikaturen ein Berufsverbot erhalten hatte. Dann 1934 die Möglichkeit, unter Pseudonym Comic Strips zu veröffentlichen - und der Durchbruch mit "Vater und Sohn", zwei trotz aller NS-Anpassung des Künstlers so unpolitischen und unangepassten Figuren, dass man sie liebhaben muss. Die sogar Goebbels mit dem Karikaturisten versöhnen, der bald zum Erfolgsgaranten wird und einen Popularitätsaufschwung erlebt, dass er schließlich sogar wieder politische Karikaturen anfertigen darf. Und schließlich 1944 der Selbstmord unmittelbar vor dem Beginn eines Prozesses, weil der schwerhörige Ohser seinem Freund Erich wieder einmal zu laut politische Witze erzählt und diesmal die falschen Leute zuhören ... Dieses Leben wird in Zitaten, Faksimiledrucken und vor allem Fotografien ausgebreitet in einem überbordenden Bilderreigen, der zum Weiterlesen verführt, gepaart mit einfachen und gut recherchierten Kapiteln zu all diesen Stationen. Die Autorin schreibt einfach, klar und sachlich, ich habe mich jede Sekunde informiert und unterhalten gefühlt, wenn auch wie gesagt, sehr vieles nur an der Oberfläche blieb.
Ich hoffe, dass es bald mal eine richtig lange, gut aufbereitete Biografie über ihn gibt, für die dieses Buch eine gute Grundlage sein kann. Ich würde sie sofort kaufen!!
[Buchgedanken] Friedrich Dürrenmatt - Das Versprechen
1957 wurde der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt darum gebeten, das Drehbuch für einen Film zu entwickeln, der Sexualverbrechen an Kindern thematisieren sollte. Während der Arbeit am Film kam es jedoch immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Dürrenmatt, dem Regisseur und den Produzenten, und auch wenn er den Film am Ende nicht ablehnte, war es für Dürrenmatt keine wirklich befriedigende Aufgabe geworden. Ihn hätte vielmehr die Frage interessiert, ob ein Mörder denn tatsächlich allein durch clevere Polizeiarbeit gefasst werden kann oder ob nicht vielmehr der Zufall die Polizeiarbeit steuert. Um dieser Frage nachzugehen, schrieb er nach Ende der Drehbucharbeit den Roman "Das Versprechen", der die Handlung des Films als Ausgangslage nimmt, allerdings auch deutliche Änderungen aufweist, die er im Film nicht hatte durchsetzen können.
Den Inhalt kurz zusammenfassen kann ich fast gar nicht, denn dadurch würde die Qualität des Romans schon dadurch verloren gehen, dass man die Rahmenhandlung nicht würdigt. In ihr ist ein Schweizer Kriminalschriftsteller auf einer Tagung und lernt dort einen Kriminalkommissar kennen. Bei einem gemeinsamen Abendessen kommen die beiden ins Diskutieren über den Anspruch des Kriminalromans, eine Lösung zu präsentieren und die Leser zu unterhalten, der mit der Realität des Polizeialltags nichts zu tun hat. Um dies zu beweisen, nimmt der Polizist den Schriftsteller mit zu einer Tankstelle, die von einem ehemaligen Kollegen betrieben wird, und erzählt dessen Geschichte. Besagter Kommissar Matthäi ermittelte in einem Fall eines ermordeten Mädchens und gab den Eltern das Versprechen, den Mörder zu finden. Der schon bald festgenommene Hausierer, der sich im Gefängnis umbringt, ist nach Matthäis Überzeugung nicht der Täter und so ermittelt er privat weiter.
Ich habe das Buch wirklich in kurzer Zeit durchgehabt, denn Dürrenmatts Schreibweise kommt mir sehr entgegen: keine langen Worte, keine unnötigen Zwischenschritte, sondern sehr klare und präzises Aussagen mit messerscharfen Beobachtungen. "Das Versprechen" ist kein klassischer Kriminalroman, sehr früh steht fest, dass Matthäi scheitern wird, ja im Dienst der Geschichte einfach scheitern muss, und dennoch hofft man als Krimileser das Gegenteil. Ich finde sogar, dass das dann in der Rahmenhandlung präsentierte Ende fast noch gestrichen werden sollte, es kommt mir ein bisschen so vor, als wollte Dürrenmatt hier dem verwirrten Leser doch noch eine gewohnte Auflösung schenken - dabei ist doch das eigentlich Interessante am Buch, dass dies eben nicht so ist. Dass die Probleme der Polizei nicht die Verbrechen sind, sondern die Ungewissheit, den Verbrecher zu finden - und dass die größten Versprechen nichts nützen, wenn der Zufall sich dagegen wendet. Matthäi ist jemand, der dieses Prinzip nicht wahrhaben will und daran zugrunde geht, ein verbissener Jäger, der seine Beute nicht loslassen will und dafür im Notfall über Leichen geht. Eigentlich ein Unsympath, und dennoch empfindet man für ihn Mitleid - es ist nicht seine Entscheidung, so zu werden, es ist das Verprechen, das er halten will und nicht halten kann. Bei seiner Seligkeit schwört er der Mutter des toten Mädchens, den Mörder zu fassen, und genau die riskiert er auch mit seiner jahrelangen Suche.
Ein deprimierendes Buch? Ja. Aber trotzdem ein Buch, das es auf die "Zum Glück endlich gelesen"-Liste schaffte.
Den Inhalt kurz zusammenfassen kann ich fast gar nicht, denn dadurch würde die Qualität des Romans schon dadurch verloren gehen, dass man die Rahmenhandlung nicht würdigt. In ihr ist ein Schweizer Kriminalschriftsteller auf einer Tagung und lernt dort einen Kriminalkommissar kennen. Bei einem gemeinsamen Abendessen kommen die beiden ins Diskutieren über den Anspruch des Kriminalromans, eine Lösung zu präsentieren und die Leser zu unterhalten, der mit der Realität des Polizeialltags nichts zu tun hat. Um dies zu beweisen, nimmt der Polizist den Schriftsteller mit zu einer Tankstelle, die von einem ehemaligen Kollegen betrieben wird, und erzählt dessen Geschichte. Besagter Kommissar Matthäi ermittelte in einem Fall eines ermordeten Mädchens und gab den Eltern das Versprechen, den Mörder zu finden. Der schon bald festgenommene Hausierer, der sich im Gefängnis umbringt, ist nach Matthäis Überzeugung nicht der Täter und so ermittelt er privat weiter.
Ich habe das Buch wirklich in kurzer Zeit durchgehabt, denn Dürrenmatts Schreibweise kommt mir sehr entgegen: keine langen Worte, keine unnötigen Zwischenschritte, sondern sehr klare und präzises Aussagen mit messerscharfen Beobachtungen. "Das Versprechen" ist kein klassischer Kriminalroman, sehr früh steht fest, dass Matthäi scheitern wird, ja im Dienst der Geschichte einfach scheitern muss, und dennoch hofft man als Krimileser das Gegenteil. Ich finde sogar, dass das dann in der Rahmenhandlung präsentierte Ende fast noch gestrichen werden sollte, es kommt mir ein bisschen so vor, als wollte Dürrenmatt hier dem verwirrten Leser doch noch eine gewohnte Auflösung schenken - dabei ist doch das eigentlich Interessante am Buch, dass dies eben nicht so ist. Dass die Probleme der Polizei nicht die Verbrechen sind, sondern die Ungewissheit, den Verbrecher zu finden - und dass die größten Versprechen nichts nützen, wenn der Zufall sich dagegen wendet. Matthäi ist jemand, der dieses Prinzip nicht wahrhaben will und daran zugrunde geht, ein verbissener Jäger, der seine Beute nicht loslassen will und dafür im Notfall über Leichen geht. Eigentlich ein Unsympath, und dennoch empfindet man für ihn Mitleid - es ist nicht seine Entscheidung, so zu werden, es ist das Verprechen, das er halten will und nicht halten kann. Bei seiner Seligkeit schwört er der Mutter des toten Mädchens, den Mörder zu fassen, und genau die riskiert er auch mit seiner jahrelangen Suche.
Ein deprimierendes Buch? Ja. Aber trotzdem ein Buch, das es auf die "Zum Glück endlich gelesen"-Liste schaffte.
Sonntag, 24. August 2014
[Buchgedanken] David Sedaris - Sprechen wir über Eulen - und Diabetes
Ich habe wirklich sehr lange warten müssen, bis ich endlich wieder einmal von meinem Lieblingsautor gehört habe. David Sedaris ist der Held meiner Teenagerzeit, seit ich mit 17 zum ersten Mal "Nackt" gelesen habe, wirklich gefangen hat er mich dann mit "Ich ein Tag sprechen hübsch". Seitdem muss ich automatisch jedes Buch besitzen, auf dem sein Name steht, und ich überlege ernsthaft, ein Abo des New Yorker zu erwarben, in dem er immer wieder veröffentlicht. Dementsprechend bin ich natürlich sehr, sehr voreingenommen, was das neue Werk betrifft ... Aber zurück zum Buch ;-)
Eigentlich gefiel es mir wirklich sehr gut, allerdings sollte man es sich doch eher auf Englisch besorgen. Da ich zwei der Geschichten im Original kenne, konnte ich hier ein bisschen sehen, dass der Übersetzer zwar ganz okay gearbeitet hat, die absurde Sprachkunst von Sedaris aber einfach nicht hingekriegt hat, und das erklärt vielleicht den Smilie in der Bewertung am besten. Das Buch versammelt zunächst einmal viele Impressionen aus dem Leben des David S., in denen er absurde Begebenheiten des Alltags aufgreift, darüber reflektiert, sie auf die Spitze treibt. Es gibt ein Wiedersehen mit der chaotischen, verrückten und nichtsdestotrotz liebenswerten Familie Sedaris, mit Davids Langzeitlebenspartner Hugh (grade eben habe ich auf Facebook gelesen, sie sind seit 23 Jahren ein Paar :-) ) und es gibt dazwischen auch einige "nicht-David"-Geschichten, in denen aus der Sicht von Teenagern, einer Tea-Party-Anhängerin und anderen Leuten geschrieben wird, deren Weltsichten auch nicht viel verquerer sind als in den restlichen Geschichten. Obwohl, vielleicht doch ein kleines bisschen ...
Man muss sich auf das Buch einlassen, habe ich festgestellt, nachdem ich es voller Begeisterung anderen Leuten ausgeliehen habe. Einfach nur ein bisschen unterhalten wird man bei Sedaris selten, dazu sind bei ihm Triumph und Tragödie zu nahe beieinander. Aber wenn man es tut, wird man wirklich belohnt mit einem berührenden Buch. Berührend beim Lachen, beim Nachdenken, beim Kopfschütteln - man wird es sicher nicht zuklappen und es danach komplett vergessen ;-)
Eigentlich gefiel es mir wirklich sehr gut, allerdings sollte man es sich doch eher auf Englisch besorgen. Da ich zwei der Geschichten im Original kenne, konnte ich hier ein bisschen sehen, dass der Übersetzer zwar ganz okay gearbeitet hat, die absurde Sprachkunst von Sedaris aber einfach nicht hingekriegt hat, und das erklärt vielleicht den Smilie in der Bewertung am besten. Das Buch versammelt zunächst einmal viele Impressionen aus dem Leben des David S., in denen er absurde Begebenheiten des Alltags aufgreift, darüber reflektiert, sie auf die Spitze treibt. Es gibt ein Wiedersehen mit der chaotischen, verrückten und nichtsdestotrotz liebenswerten Familie Sedaris, mit Davids Langzeitlebenspartner Hugh (grade eben habe ich auf Facebook gelesen, sie sind seit 23 Jahren ein Paar :-) ) und es gibt dazwischen auch einige "nicht-David"-Geschichten, in denen aus der Sicht von Teenagern, einer Tea-Party-Anhängerin und anderen Leuten geschrieben wird, deren Weltsichten auch nicht viel verquerer sind als in den restlichen Geschichten. Obwohl, vielleicht doch ein kleines bisschen ...
Man muss sich auf das Buch einlassen, habe ich festgestellt, nachdem ich es voller Begeisterung anderen Leuten ausgeliehen habe. Einfach nur ein bisschen unterhalten wird man bei Sedaris selten, dazu sind bei ihm Triumph und Tragödie zu nahe beieinander. Aber wenn man es tut, wird man wirklich belohnt mit einem berührenden Buch. Berührend beim Lachen, beim Nachdenken, beim Kopfschütteln - man wird es sicher nicht zuklappen und es danach komplett vergessen ;-)
[Buchgedanken] Jeffrey Deaver - Todeszimmer
Als der Aktivist Roberto Morano auf den Bahamas in seinem Hotelzimmer erschossen wird, steht schnell fest: er muss sich mit Drogenkartellen eingelassen haben und wurde aus dem Weg geräumt. Doch die Staatsanwältin Nance Laurel glaubt das nicht und bittet Lincoln Rhyme um Hilfe. Ihr wurden Dokumente zugespielt, dass Morano im Auftrag der amerikanischen Regierung von einem Geheimdienst beseitigt wurde, da er als Terrorist gehandelt wurde - wobei die Beweise seiner Terrorbereitschaft gefälscht wurden. Lincoln Rhyme und Amelia Sachs ermitteln mit ihrem kleinen Team fast undercover, denn eine Anklage gegen den Chef der Nationalen Sicherheitsbehörde vorzubereiten ist etwas, was nicht unbedingt Freunde schafft. Und in der Tat gibt es jemanden, der dabei ist, die Zeugen des Attentats zu töten - und dieser Jemand ist Amelia Sachs gefährlich nahe ...
Mit "Todeszimmer" packt Deaver ein heißes Eisen an, nämlich die Frage nach der Berechtigung von gezielten Anschlägen auf Terrorverdächtige. Darf ein Staat Menschen prophylaktisch töten? Diese Diskussion ist im Ansatz vorhanden, wird aber leider nicht völlig zuende geführt und an vielen Fällen verschenkt. Zu sehr sieht man im ganzen Buch die Bedenken des Autors, auch nur im Ansatz eine Meinung durchscheinen zu lassen, die die US-amerikanische Regierungshaltung schärfer zu kritisieren als nur ein bisschen durch die Blume. Deshalb wird dann am Ende auch an der Deaver-typischen Plottwist-Schraube so lange gedreht, bis sie fast schon aus dem Gewinde bricht (und das von mir, die ich Deavers Twist-Vorlagen einfach genial finde um immer wieder mit Vergnügen darauf reinfalle!) - und das alles nur, damit man doch noch etwas anderes präsentieren kann als das, was vielleicht ganz interessant zu diskutieren wäre ... Es sind wirklich nur die letzten dreißig Seiten, die sich Deaver hätte sparen müssen, um das Buch für mich extrem überzeugend zu machen, denn bis dahin kommen einfach so viele verschiedene Aspekte eines hochmoralischen Themas im Buch vor, wie ich es nicht erwartet hätte.
Die Figurenzeichnung ist wieder einmal ein wenig klischeehaft in den nicht-dauerhaften Figuren, dafür aber wird die Geschichte rund um Amelia und Lincoln wieder vorangetrieben. Lustigerweise habe ich kurz bevor ich das Buch gelesen habe einer Freundin von der Reihe vorgeschwärmt und ihre ersten Bedenken waren "Aber die kommen doch nicht zusammen, oder?", was ich dann mit "Doch, aber das dient alles der Geschichte, die werden dadurch immer wieder neu charakterisiert" entkräften konnte. In diesem Buch sind vor allem wieder Lincolns Wunsch nach Operationen und Amelias zunehmende Verschleißerscheinungen ein immer wiederkehrendes Motiv, die auch zur Frage führen, wie viel Gesundheit ein Mensch braucht und wo der schmale Grad zwischen Gesundheit und Krankheit genau definiert wird. Ich bin vor allem gespannt, was in dem grade auf Englisch erschienenen elften Band da noch auf mich zukommt.
Alles in allem ist das jetzt nicht der beste Band der Reihe, aber zumindest ist mein Dreamteam ENDLICH zurück auf den Seiten und wie haben hier immer noch einen Thriller mit einigen erstklassigen Plottwists, die sehr viel Spaß machen ;-)
Mit "Todeszimmer" packt Deaver ein heißes Eisen an, nämlich die Frage nach der Berechtigung von gezielten Anschlägen auf Terrorverdächtige. Darf ein Staat Menschen prophylaktisch töten? Diese Diskussion ist im Ansatz vorhanden, wird aber leider nicht völlig zuende geführt und an vielen Fällen verschenkt. Zu sehr sieht man im ganzen Buch die Bedenken des Autors, auch nur im Ansatz eine Meinung durchscheinen zu lassen, die die US-amerikanische Regierungshaltung schärfer zu kritisieren als nur ein bisschen durch die Blume. Deshalb wird dann am Ende auch an der Deaver-typischen Plottwist-Schraube so lange gedreht, bis sie fast schon aus dem Gewinde bricht (und das von mir, die ich Deavers Twist-Vorlagen einfach genial finde um immer wieder mit Vergnügen darauf reinfalle!) - und das alles nur, damit man doch noch etwas anderes präsentieren kann als das, was vielleicht ganz interessant zu diskutieren wäre ... Es sind wirklich nur die letzten dreißig Seiten, die sich Deaver hätte sparen müssen, um das Buch für mich extrem überzeugend zu machen, denn bis dahin kommen einfach so viele verschiedene Aspekte eines hochmoralischen Themas im Buch vor, wie ich es nicht erwartet hätte.
Die Figurenzeichnung ist wieder einmal ein wenig klischeehaft in den nicht-dauerhaften Figuren, dafür aber wird die Geschichte rund um Amelia und Lincoln wieder vorangetrieben. Lustigerweise habe ich kurz bevor ich das Buch gelesen habe einer Freundin von der Reihe vorgeschwärmt und ihre ersten Bedenken waren "Aber die kommen doch nicht zusammen, oder?", was ich dann mit "Doch, aber das dient alles der Geschichte, die werden dadurch immer wieder neu charakterisiert" entkräften konnte. In diesem Buch sind vor allem wieder Lincolns Wunsch nach Operationen und Amelias zunehmende Verschleißerscheinungen ein immer wiederkehrendes Motiv, die auch zur Frage führen, wie viel Gesundheit ein Mensch braucht und wo der schmale Grad zwischen Gesundheit und Krankheit genau definiert wird. Ich bin vor allem gespannt, was in dem grade auf Englisch erschienenen elften Band da noch auf mich zukommt.
Alles in allem ist das jetzt nicht der beste Band der Reihe, aber zumindest ist mein Dreamteam ENDLICH zurück auf den Seiten und wie haben hier immer noch einen Thriller mit einigen erstklassigen Plottwists, die sehr viel Spaß machen ;-)
Samstag, 16. August 2014
[Buchgedanken] Ulrike Edschmid - Das Verschwinden des Philip S.
Philip S. kommt als Student aus der Schweiz nach Deutschland. Sohn aus gutem Hause, Erziehung durch Kindermädchen und vermögende Eltern, wirkt er als Filmstudent im Berlin der 68er wie ein Fremdkörper und fügt sich gleichzeitig perfekt ein in diese Welt. Seine Freundin und er ziehen schnell zusammen und Philip wird zum Ersatzvater ihres Sohnes. Beide verbringen die Nächte mit Diskussionen über Kommunismus, Philosophie, die Ungerechtigkeit des Staates - und irgendwann ist man mit dabei bei den Demonstrationen gegen den Springer-Verlag, bei den Steinwürfen auf Polizisten. Und dann steht plötzlich die Polizei morgens in deinem Schlafzimmer und durchsucht deine Wohnung, verhaftet dich wegen des Verdachts, ein Terrorist zu sein. Während sie die Notbremse zieht, entscheidet sich Philip S. für das gegenteil - er wird noch radikaler, wagt den Schritt in den Untergrund und den Terrorismus. Bis er 1974 bei einer Fahrzeugkontrolle einen Polizisten erschießt und dabei selbst erschossen wird ...
"Das Verschwinden des Philip S." ist schwer zu beschreiben. Ein Tatsachenroman? Eine Reflexion? Es ist von allem ein bisschen was und nichts ganz. Die Autorin ist die besagte Freundin von Philip S., die nach vierzig Jahren versucht, sich selbst eine Antwort darauf zu geben, warum er zum Terroristen wurde, warum er und nicht sie. Ihn fragen kann man nicht mehr, so bleibt sie die Antwort mehr oder weniger schuldig, sie schildert nur das langsame Abgleiten, das irritierende Anderswerden. Besonders fasziniert hat mich, dass sie ihre eigene Rolle einerseits hinterfragt, andererseits aber auch nicht diskutiert - dass sie sich z.B. weiterhin mit Philip trifft, auch als klar ist, dass er eben nicht mehr ein "Worttäter" ist, sondern nachdem er an den ersten Anschlägen beteiligt war. Das Buch wirft mehr Fragen auf, als es Antworten bietet, genau das finde ich aber sehr spannend daran und werde es auf jeden Fall noch ein bisschen in meinem Regal stehen lassen ...
"Das Verschwinden des Philip S." ist schwer zu beschreiben. Ein Tatsachenroman? Eine Reflexion? Es ist von allem ein bisschen was und nichts ganz. Die Autorin ist die besagte Freundin von Philip S., die nach vierzig Jahren versucht, sich selbst eine Antwort darauf zu geben, warum er zum Terroristen wurde, warum er und nicht sie. Ihn fragen kann man nicht mehr, so bleibt sie die Antwort mehr oder weniger schuldig, sie schildert nur das langsame Abgleiten, das irritierende Anderswerden. Besonders fasziniert hat mich, dass sie ihre eigene Rolle einerseits hinterfragt, andererseits aber auch nicht diskutiert - dass sie sich z.B. weiterhin mit Philip trifft, auch als klar ist, dass er eben nicht mehr ein "Worttäter" ist, sondern nachdem er an den ersten Anschlägen beteiligt war. Das Buch wirft mehr Fragen auf, als es Antworten bietet, genau das finde ich aber sehr spannend daran und werde es auf jeden Fall noch ein bisschen in meinem Regal stehen lassen ...
Sonntag, 10. August 2014
[Lebenszeichen] Da bin ich dann mal wieder ;-)
Uff, ich hätte nie gedacht, dass der letzte nicht vorgepostete Blogbeitrag schon wieder so lange her ist. Aber zusätzlich zu ein paar privaten Stressfaktoren kam seit Mai bei mir die erste Abschlussprüfung meines Lebens dazu, die ich abnehmen durfte. Inklusive mündliche Prüfungen in vier verschiedenen Fächern und jeder Menge Arbeit führten dazu, dass ich erst einmal den Blog nach hinten geschoben habe. Vor allem aber führten sie dazu, zwei ganze Monate nicht lesen zu können. Also wirklich so gar nicht. Ich hatte einfach keine Zeit. Dass die Arbeit dazu führen wird, dass ich weniger lesen kann, war mir von Anfang an klar, aber über diese Entwicklung war ich dann doch ziemlich erstaunt ... Immerhin habe ich dann meinen Geburtstag für einen kleinen Ausflug in den Süden genutzt und die Stadtbibliothek meines Herzens aufgesucht - und mit vollen Körben verlassen. Meine ???-Leidenschaft wurde wieder einmal voll befriedigt, aber auch etliches andere an Druckmaterial wurde in einer Woche geradezu aufgesogen und wartet nur darauf, hier besprochen zu werden. Ich hoffe, ab nächstem Wochenende ein bisschen mehr Zeit feigeschaufelt zu bekommen :-)Dementsprechend liegt auch ein größeres Blogprojekt brach, dass ich eigentlich ab September starten wollte. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, ich werde das auf jeden Fall weiter im Kopf behalten und dafür fleißig lesen!
Ich wünsche euch erst einmal einen schönen Restsommer und viele gute Bücher auf dem Weg in den Herbst :-)
Montag, 4. August 2014
[Buchgedanken] Lucy Maud Montgomery - Anne auf Green Gables
Es gibt Bücher, die haben mich in meiner Kindheit so lange begleitet, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich ohne sie ausgekommen bin. "Anne auf Green Gables" ist so ein Fall, eine Geschichte aus der Jahrhundertwende auf der kleinen kanadischen Insel Prince Edward Island.
Anne Shirley ist elf Jahre alt, hat karottenrotes Haar und den Kopf irgendwo in den Wolken. Sie ist Waise und landet durch einen Zufall bei Marilla und Matthew Cuthbert, einem alten Geschwisterpaar, das einen Jungen adoptieren wollte, der ihnen auf ihrer Farm Green Gables zur Hand geht. Zumindest sind die beiden fair und geben dem Mädchen eine Chance, sich zu beweisen - und damit zieht in Green Gables ein Wesen ein, wie man es nie erwartet hätte. Annes Träumereien und erfundene Geschichten begleiten den Leser durch den ersten Band, wir werden Zeuge von ganz alltäglichem Chaos einer Heranwachsenden (wie dem Versuch, sich die ungeliebten Haare zu bleichen) und dem Aufeinanderprallen von Erziehungsstilen (Annes Versuch, sich bei der Nachbarin Rachel Lynnde zu entschuldigen), von erster Liebe und urkomischen Szenen (als Anne ihre beste Freundin Diane versehentlich mit Alkohol statt Beerensaft abfüllt). In den folgenden Jahren begleiten wir Anne auf das College nach Kingston und in ihre erste Stelle als Lehrerin, werde Zeugen einer Hochzeit (ausgerechnet mit Gilbert Blythe, dem Anne im ersten Band eine Schultafel auf den Kopf zerbricht, als er sich über ihre Haare lustig macht!) und sehen Annes Kindern beim Aufwachsen zu. Wir erleben rührende Szenen und Momente der Trauer, und über all dem schwingt ein Geruch nach Ahornsirup und frischen Brötchen, nach Kindheit und Unbeschwertheit mit. Und das, obwohl die Geschichte rund hundert Jahre vor unserer eigenen Kindheit spielt - das soll man Lucy Maud Montgomery mal nachmachen!
Ich habe die Bücher auf deutsch gelesen und dann auch im englischen Original. Das lohnt sich allein schon deshalb, weil "Rainbow Valley", der siebte Band, nie auf Deutsch veröffentlich wurde. Auch in ihm spielen Annes Kinder die Hauptrollen, die wir schon in "Anne in Ingleside" kennengelernt haben, und ich bin immer wieder bezaubert und gerührt. So kitschig manches im Buch auch anmutet, es ist nie zuviel, wird abgefedert durch andere Situationen, in denen man sich ausschütteln will vor Lachen. Es gibt eine Stelle, an der ich, seit ich sie zum ersten Mal gelesen habe, weinen muss, egal wie vorbereitet ich darauf bin. Montgomery ist eine starke Szenenerzählerin, insgesamt sind die Bücher eine Sammlung von bezaubernden Einzelepisoden, ganz wie ein guter Rückblick auf das Leben, das sich im "weißt du noch, als ..." verliert und dem man gerne folgt in diese Erinnerungen.
Anne Shirley ist elf Jahre alt, hat karottenrotes Haar und den Kopf irgendwo in den Wolken. Sie ist Waise und landet durch einen Zufall bei Marilla und Matthew Cuthbert, einem alten Geschwisterpaar, das einen Jungen adoptieren wollte, der ihnen auf ihrer Farm Green Gables zur Hand geht. Zumindest sind die beiden fair und geben dem Mädchen eine Chance, sich zu beweisen - und damit zieht in Green Gables ein Wesen ein, wie man es nie erwartet hätte. Annes Träumereien und erfundene Geschichten begleiten den Leser durch den ersten Band, wir werden Zeuge von ganz alltäglichem Chaos einer Heranwachsenden (wie dem Versuch, sich die ungeliebten Haare zu bleichen) und dem Aufeinanderprallen von Erziehungsstilen (Annes Versuch, sich bei der Nachbarin Rachel Lynnde zu entschuldigen), von erster Liebe und urkomischen Szenen (als Anne ihre beste Freundin Diane versehentlich mit Alkohol statt Beerensaft abfüllt). In den folgenden Jahren begleiten wir Anne auf das College nach Kingston und in ihre erste Stelle als Lehrerin, werde Zeugen einer Hochzeit (ausgerechnet mit Gilbert Blythe, dem Anne im ersten Band eine Schultafel auf den Kopf zerbricht, als er sich über ihre Haare lustig macht!) und sehen Annes Kindern beim Aufwachsen zu. Wir erleben rührende Szenen und Momente der Trauer, und über all dem schwingt ein Geruch nach Ahornsirup und frischen Brötchen, nach Kindheit und Unbeschwertheit mit. Und das, obwohl die Geschichte rund hundert Jahre vor unserer eigenen Kindheit spielt - das soll man Lucy Maud Montgomery mal nachmachen!
Ich habe die Bücher auf deutsch gelesen und dann auch im englischen Original. Das lohnt sich allein schon deshalb, weil "Rainbow Valley", der siebte Band, nie auf Deutsch veröffentlich wurde. Auch in ihm spielen Annes Kinder die Hauptrollen, die wir schon in "Anne in Ingleside" kennengelernt haben, und ich bin immer wieder bezaubert und gerührt. So kitschig manches im Buch auch anmutet, es ist nie zuviel, wird abgefedert durch andere Situationen, in denen man sich ausschütteln will vor Lachen. Es gibt eine Stelle, an der ich, seit ich sie zum ersten Mal gelesen habe, weinen muss, egal wie vorbereitet ich darauf bin. Montgomery ist eine starke Szenenerzählerin, insgesamt sind die Bücher eine Sammlung von bezaubernden Einzelepisoden, ganz wie ein guter Rückblick auf das Leben, das sich im "weißt du noch, als ..." verliert und dem man gerne folgt in diese Erinnerungen.
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