Sonntag, 24. August 2014

[Buchgedanken] Jeffrey Deaver - Todeszimmer

Als der Aktivist Roberto Morano auf den Bahamas in seinem Hotelzimmer erschossen wird, steht schnell fest: er muss sich mit Drogenkartellen eingelassen haben und wurde aus dem Weg geräumt. Doch die Staatsanwältin Nance Laurel glaubt das nicht und bittet Lincoln Rhyme um Hilfe. Ihr wurden Dokumente zugespielt, dass Morano im Auftrag der amerikanischen Regierung von einem Geheimdienst beseitigt wurde, da er als Terrorist gehandelt wurde - wobei die Beweise seiner Terrorbereitschaft gefälscht wurden. Lincoln Rhyme und Amelia Sachs ermitteln mit ihrem kleinen Team fast undercover, denn eine Anklage gegen den Chef der Nationalen Sicherheitsbehörde vorzubereiten ist etwas, was nicht unbedingt Freunde schafft. Und in der Tat gibt es jemanden, der dabei ist, die Zeugen des Attentats zu töten - und dieser Jemand ist Amelia Sachs gefährlich nahe ...

Mit "Todeszimmer" packt Deaver ein heißes Eisen an, nämlich die Frage nach der Berechtigung von gezielten Anschlägen auf Terrorverdächtige. Darf ein Staat Menschen prophylaktisch töten? Diese Diskussion ist im Ansatz vorhanden, wird aber leider nicht völlig zuende geführt und an vielen Fällen verschenkt. Zu sehr sieht man im ganzen Buch die Bedenken des Autors, auch nur im Ansatz eine Meinung durchscheinen zu lassen, die die US-amerikanische Regierungshaltung schärfer zu kritisieren als nur ein bisschen durch die Blume. Deshalb wird dann am Ende auch an der Deaver-typischen Plottwist-Schraube so lange gedreht, bis sie fast schon aus dem Gewinde bricht (und das von mir, die ich Deavers Twist-Vorlagen einfach genial finde um immer wieder mit Vergnügen darauf reinfalle!) - und das alles nur, damit man doch noch etwas anderes präsentieren kann als das, was vielleicht ganz interessant zu diskutieren wäre ... Es sind wirklich nur die letzten dreißig Seiten, die sich Deaver hätte sparen müssen, um das Buch für mich extrem überzeugend zu machen, denn bis dahin kommen einfach so viele verschiedene Aspekte eines hochmoralischen Themas im Buch vor, wie ich es nicht erwartet hätte.

Die Figurenzeichnung ist wieder einmal ein wenig klischeehaft in den nicht-dauerhaften Figuren, dafür aber wird die Geschichte rund um Amelia und Lincoln wieder vorangetrieben. Lustigerweise habe ich kurz bevor ich das Buch gelesen habe einer Freundin von der Reihe vorgeschwärmt und ihre ersten Bedenken waren "Aber die kommen doch nicht zusammen, oder?", was ich dann mit "Doch, aber das dient alles der Geschichte, die werden dadurch immer wieder neu charakterisiert" entkräften konnte. In diesem Buch sind vor allem wieder Lincolns Wunsch nach Operationen und Amelias zunehmende Verschleißerscheinungen ein immer wiederkehrendes Motiv, die auch zur Frage führen, wie viel Gesundheit ein Mensch braucht und wo der schmale Grad zwischen Gesundheit und Krankheit genau definiert wird. Ich bin vor allem gespannt, was in dem grade auf Englisch erschienenen elften Band da noch auf mich zukommt.

Alles in allem ist das jetzt nicht der beste Band der Reihe, aber zumindest ist mein Dreamteam ENDLICH zurück auf den Seiten und wie haben hier immer noch einen Thriller mit einigen erstklassigen Plottwists, die sehr viel Spaß machen ;-)

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