Donnerstag, 8. Dezember 2016

[Buchgedanken] Graeme Simsion - Das Rosie-Projekt

Don Tillman ist Universitätsprofesor für Genetik und eigentlich eine gute Partie: gutaussehend, erfolgreich und eignetlich ganz sympathisch. Vorausgesetzt er hält den Mund und sich in seinen eigenen vier Wänden auf, denn bedauerlicherweise hat es Don nicht so mit Sozialkompetenz. Ironie ist ihm kein Begriff, Fakten sind ihm näher als Gefühle und Empathie sucht man bei dem undiagnostizierten Asperger-Kandidaten meist vergeblich. Don möchte aber heiraten und die Suche nach der Traumfrau geht er ganz wissenschaftlich an: Mit einem 16-seitigen Fragebogen. AAuf diese Weise will er die Eine finden, die nicht raucht, nicht trinkt, nicht unpünktlich und auf keinen Fall Veganerin ist.
Und dann kommt Rosie. Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin. Offensichtlich ungeeignet. Aber Rosie verfolgt ihr eigenes Projekt: Sie sucht ihren biologischen Vater. Dafür braucht sie Dons Kenntnisse als Genetiker. Ohne recht zu verstehen, wie ihm geschieht, lernt Don staunend die Welt jenseits beweisbarer Fakten kennen und stellt fest: Gefühle haben ihre eigene Logik ...

Das Buch habe ich relativ zügig weggelesen, denn Simsion hat ein Händchen für schnelle Dialoge und durchaus auch für Situationskomik, durch die er mich die ersten 200 Seiten ganz gut getragen hat. Gefallen haben mir die durchaus witzigen Nebenfiguren, insbesondere Dons bester Freund und Uni-Casanova Gene, insbesondere, weil diese offenen Beziehung von Gene und seiner Ehefrau durch Dons besonderen Blickwinkel sehr normal wirkt und das tatsächlich mal eine neue Darstellung ist. Insofern alles prima. 

Nach diesen 200 Seiten fing es allerdings an, sich totzulaufen, denn je länger ich las, desto mehr hatte ich das Gefühl all diese Szenen schon zu kennen. Das Buch lebt vom Klischee des autistischen Nerds, der alles außerhalb seiner eigenen Gedankenwelt mit staunenden Augen betrachtet und nie so richtig ankommt in der realen Welt. Kennen wir alle, die Sorte Sheldon Cooper eben. Um ehrlich zu sein, hat man bei dem Buch immer wieder Sheldon vor Augen, nur ohne Geek-Shirts. Dadurch verliert das Buch im Laufe der letzten 100 Seiten extrem an Fahrt, auch, weil man das Ende einfach vorher sehen kann. Klar hatte ich keine schöngeistige Hochliteratur erwartet, aber ein bisschen weniger offensichtliche Wendungen hätte man sich schon gewünscht. Insbesondere jedoch waren die dann doch immer gleichen Sammlungen von DNA-Material zur Vaterschaftstestung nicht mehr wirklich mitziehend und ich gestehe, dass ich da dann ein paar Absätze übersprungen habe. Trotzdem hat mich das Buch unterhalten, was ja schon einmal ein Pluspunkt ist.

Fazit: Es tut nich weh, es ist ganz nett zu lesen - und wenn man das Hirn freikriegen möchte, ist es mit Sicherheit eine gute Wahl ;-)


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