Dienstag, 29. November 2016

[Buchgedanken] Stephen King - Mr Mercedes

2009 stecken die USA in einer völligen Rezession und so stehen die Arbetslosen beriets am Abend vor der Eröffnung einer Jobbörse Schlange. Im Morgengrauen nähert sich ihnen ein grauer Mercedes, gibt plötzlich Gas und tötet 12 Menschen, darunter eine Mutter mit ihrem Säugling. Der Täter entkommt und hinterlässt im Fahrzeug einen Smilie-Aufkleber und eine Clownsmaske. Ein Jahr später erhält der pensionierte Detective Bill Hodges einen Brief vom Täter. Der macht sich über Hodges lustig und kündigt eine weitere Tat an. Dumm nur, dass er dadurch den Jagdtrieb des übergewichtigen Ex-Cops weckt, der sich zusammen mit dem technikaffinen Nachbarsjungen auf seine Spur setzt ...

Stephen King mal wieder. Ich kann ja einfach nicht an ihm vorbeigehen und das Buch ist mir in der Bibliothek quasi im Vorbeigehen in die Tasche gehüpft. Spannend fand ich bereits den Klappentext, der so gar nicht nach Stephen King klingt. Nicht, weil kein übersinnliches Element erwähnt wird (in seinen Novellen beweist er immer wieder, dass er auch ohne das Horror schreiben kann), sondern weil das so nach einem ganz typischen Krimiplot klang. Und in der Tat ist das das bislang untypischste King-Buch, das mir untergeommen ist - das scheint auch King zu merken, der das Buch bereits dadurch von seinen anderen Büchern kapselt, dass er die als explizit fiktionale Geschichten erwähnt, statt wie andere Romane durch dieselben Orte oder Ereignisse miteinander zu verknüpfen.

Am Buch extrem gut gefallen hat mir der Einstieg. Je älter King wird, desto mehr wird er zu einem sehr genauen Beobachter einzelner Personen, die er durch Handlung und Sprache charakterisiert wie kein zweiter. So begleite ich als Leser zunächst Augie mit zur Eröffnung der Jobbörse und werde reingeworfen in dieses Heer der Arbeitslosen. Im Anschluss erlebe ich Bills langweiliges Rentnerdasein und bin wie er der Meinung, dass Selbstmord angesichts des Fernsehprogramms eine ziemlich gute Option darstellt. Dann kommt es zum Bruch, denn mit einem Mal wechsele ich de Perspektive zum Täter. Dieser Brady Hartsfield - kein Spoiler, denn man wird als Leser nicht im Unklaren gelassen - ist ein Antagonist, der ziemlich weit oben in der Liste der Psychopathen zu finden ist. Am Anfang fand ich ihn fast schon zu überzeichnet, das bessert sich im Laufe der Zeit ein wenig.

Trotzdem hat mich das Buch nicht ganz überzeugt, was vielleicht daran liegt, das King einerseits sehr konsequen die Kiste der hardboiled-detective-stories öffnet, andererseits aber seine Protagonisten ehr wie die weichgespülte Teddybär-Variante von Sam Spade wirken. Bill ist einfach ein bisschen zu peinlich berührt ob seines Äußeren, einen Ticken zu alt und eine Spur zu pensioniert, um richtig hart drauf zu sein. Und auch die Yo-Bro-Fassade seines Helfers ist ja letztlich nur eine Fassade eines hochintelligenten potentiellen Elite-Uni-Studenten. Gekoppelt mit diesem absoluten Super-Schurken war ich immer mal wieder versucht zu sagen "jetzt werd mal ein bisschen realistischer, alter Junge", und das ausgerechnet bei Stephen King. Nichtsdestotrotz war das Buch kein Reinfall, ich wollte wissen, wie sie schließlich Hartsfield auf die Schliche kommen und wie das alles enden wird.

Fazit: für einen krimi zu light, für einen King wieder mal echt gut.

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