Dienstag, 29. November 2016

[Buchgedanken] Jay Asher - Tote Mädchen lügen nicht

Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf »Play« – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon ...

Der Hype um das Buch ist so ein bisschen an mir vorbeigegangen - ich bin zu wenig begeisterter Young-Adult-Leser und zu wenig inder Blogszene drin, glaube ich. Aber irgendwie habe ich das Buch im Laufe der Zeit in jeder Buchhandlung stapelweise liegen sehen und dachte mir, ich wage mich doch mal ran. Aber als hätte ich es geahnt und deshalb so lange nicht zum Buch gegriffen, war es für mich nicht die große Erleuchtung. Ich habe, um ehrlich zu sein, einige Probleme mit dem Kerngedanken des Buchs. Das Problem, meiner Meinung nach, besteht darin, dass grade für Jugendliche, die in Hannahs Situation sind, das Buch Selbstmord letztlich als die Möglichkeit verkauft, es den ganzen Ärschen der Schule mal zu zeigen. Die kommen nicht ins Nachdenken, bis Hannah zu ihnen spricht. Die tote Hannah wohlgemerkt.Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Asher glaubt, dass eine lebendige Hannah nicht genug Macht hat, ihre Peiniger zum Nachdenken zu bringen - ihr Selbstmord ist also dieeinzige logische Handlungsmöglichkeit für sie. Ob das bei ihren Leidensgenossen in der Realität auch so ankommt, weiß ich natürlich nicht, aber ich halte es für gefährlich, dass diese Darstellung gewählt wird. Vielleicht hätte ich mir voneinem Buch zu der Thematik Mobbing mehr Empowerment erwartet als eine Selbstmörderin, die sich sehr lange in Selbstmitleid ergeht.

Ja, das ist das zweite, was das Buch für mich wenig lesbar gemacht hat. Hannah suhlt sich im Selbstmitleid und schiebt die Schuld an ihren Problemem konsequent ihren dreizehn "Gegnern" zu, obwohl deren Beteiligung an ihrem Selbstmord zum Teil wirklich sehr an den Haaren herbeigezogen wirkt. Nein, natürlich ist Hannah nicht Schuld daran, dass sie gemobbt wird, das will ich gar nicht sagen, aber dennoch machte sich mir beim Lesen immer mehr das Gefühl breit, dass Hannah hier krampfhaft nach einer Begründung sucht, ohne die eigentlichen Probleme in ihrem Leben - niemanden zu haben, an den sie sich wenden kann - zu problematisieren. Stattdessen lamentiert sie darüber drei Jahre zuvor als der geilste Arsch der Jahrgngsstufe gewählt worden zu sein ... hmmmmmm, für mich war das nicht wirklich überzeugend, und das, obwohl ich selbst in der Pubertät dank einiger Klassenkameraden die Hölle durchgemacht habe. Es waren einfach immer so vordergründige Gründe für ihren Selbstmord, wirklich tief eingedrungen ist man nicht, und dadurch bleibt das Buch für mich - auch in der Zeichnung der restlichen Figuren - viel zu sehr an der Oberfläche. 

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