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Montag, 3. Oktober 2011

Margret Nissen - Sind Sie die Tochter Speer?

Margret Nissen, geboren 1938, hat lange Jahre versucht, jede öffentliche Äußerung zu vermeiden, die sie in Verbindung zu ihrem Mädchennamen bringen könnte. Das änderte sich erst, als Heinrich Breloer den Film "Speer und Er" drehte und sie sich dadurch zum ersten Mal mit ihrer Familiengeschichte auseinandersetze. Denn Margret Nissen ist nicht nur Margret Nissen, sondern vor allem auch die "Tochter Speer", viertes von sechs Kindern des Architekten und späteren Reichswirtschaftsministers Albert Speer.

In ihrer Autobiographie beschreibt sie das Aufwachsen in einer relativ friedvollen NS-Normalität, bei der man zu Hitler zum Essen geht, ansonsten aber - vermutlich dank der Mutter - relativ unpolitisch bleibt und das Rampenlicht allein dem dauerabwesenden Vater überlässt. Bezeichnenderweise ist das Buch keine Abrechnung mit dem Vater, wie es z.B. Niklas Frank macht, sondern es ist eine Beschreibung eines Lebens, in dem der Vater abwesend, gleichzeitig irgendwie präsent ist. Und genau damit hatte ich immer wieder meine Probleme beim Lesen. Margret Nissen scheint unglaublich unter ihrer Herkunft gelitten zu haben, wenn sie eine Beschäftigung damit so lange weggestoßen ha, auf der anderen Seite sind mir in dem Buch einfach keine wirklichen Gründe offenbart worden, worin dieses Leiden bestand. Ihre Kindheit nach 1945 führen sie und ihre Geschwister weiter fort wie bisher, zunächst mit weniger Geld, aber wirklich ausgegrenzt oder sonstwas werden sie wegen ihres Namens nicht - im gegenteil, die Großeltern Speer sind sehr honorige Personen, die in ihrer Stadt angesehen werden und das gilt auch für Schwiegertochter und Kinder. Drüber geredet, wer da noch zur Familie gehört, wird in den Fünfziger Jahren weder in der Familie noch in der Stadt, das Leben geht einfach weiter wie gehabt. Nur dass der Vater, der ja schon früher mehr oder weniger nur im Urlaub auftauchte und zum Held der Kinder avancierte, im Gefängnis sitzt und die Kommunikation größtenteils schriftlich abgewickelt werden muss, ist vielleicht anders - aber selbst diese Breif sind so normal, so alltäglich, so ... man kann es nicht anders sagen ... belanglos, das man sich beim Lesen immer wieder fragt, warum Margret Nissen plötzlich dieses Buch geschrieben hat. Irgendwann wird angedeutet, dass ihre frühe Hochzeit auch damit zu tun hat, dass sie ihren Mädchennamen loswerden will - aber so richtig verstehen kann man es alles nicht.

Ihr seht schon, ich hatte mir etwas mehr erwartet. Etwas mehr Auseinandersetzung, etwas mehr Autobiographie statt blabla. Deshalb von mir keine unbedingte Empfehlung ;-)

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Stephen Fry - Moab is my washpot


Ich bin einfach nicht in der Lage, objektiv zu urteilen, wenn es um Mr. Stephen Fry geht. Hackt mir meine Füße ab und blendet mich - das Ergebnis ändert sich immer noch nicht: ich finde ihn einfahc nur geil. Ich liebe seine Bücher. Ich liebe sein Englisch, das mich jedesmal nicht nur neidisch werden lässt, sondenr mir das Gefühl gibt, keine Ahnung von der Sprache zu haben. Und ich liebe ihn selbst, einfach weil er der wohl beste schreibende, darstellende Regisseru mit Unterrichtserfahrung ist, den england je hervorgebracht hat ;-)
Ja, ich bin ein Fan - nur fürs Protokoll. Deshalb habe ich auch zugeschlagen, als ich in England "Moab is my washpot" für 3,- entdeckt habe. Bislang stand das Buch dann doch im Regal, aber der schöne orangerote Einband hat sich einfach angeboten.
"Moab is my washpot" - auf Deutsch unter dem Titel "Kolumbus war ein Engländer" erhältlich - ist eine Art Autobiographie. Eine Art deshalb, weil sie erstens nur die ersten zwanzig Jahre von Stephen Fry abdeckt und zweitens eingentlich eher ein 400 Seiten langer Monolog mit dem Leser ist, den Stephen Fry über sein Leben, seine Lieben, seine Stephenesque und den Rest, der sonst noch so auf der Strecke liegt, führt. Stephen Fry führt das traditionelle Leben der englischen Upperclass, mit sieben auf dem ersten Internat, Ferien mit den Eltern, das restliche Jahr über zusammen mit hunderten von Jungen irgendwo außerhalb sämtlicher schädlichen städtischen Einflüsse. Er stiehlt, er lügt, er macht alles das, was niemand tun sollte - und was trotzdem immer wieder Erinnerungen an die eigenen Kinderzeit und vor allem Pubertät wachruft. Kamen wir uns nicht alle irgendwie viel erwachsener, viel reifer und vor allem viel wichtiger vor als der Rest der Welt, Eltern eingeschlossen? Wenn dein IQ dann tatsächlich höher ist als der aller anderen um dich herum - wieviel lässt du dir dann noch sagen? Mit 18 ist es soweit, Stephen Fry landet wegen mehrfachen Diebstahls und Kreditkartenbetrugs vor Gericht - und ergreift letztendlich doch die Chance, endlich seinen Schulabschluss zu machen und sich nach Cambridge aufzumachen. Zum Glück - denn dort entdeckt er nicht nur die Camebridge Footlights, sondern vor allem auch einen kongenialen Partner, mit dem er fortan einen Teil seiner Karriere fortsetzt ;-)
Um das zu verdeutlichen mal ein Ausschnitt aus "A bit of Fry and Laurie". Übrigens merkt man hire eins ganz deutlich, um auch mal das Buch zu zitieren: "Hugh Laurie is able to play every instrument you throw at him, that son of a son of a son of a son of a bitch. The sound of Stephen Fry singing makes people to jump out of the closest window or throw themselves in front of the next bus just to end the pain."

Damit bricht das Buch allerding schon ab, was wirklich schade ist, denn jetzt geht es doch eignetlich erst los. Aber das Schöne ist: die Fortsetzung "The Fry Chronicles" steht auch schon in meinem Regal ;-)