Mittwoch, 13. April 2016

[Rezensionsexemplar] Kishwar Desal - Das geliehene Kind

Delhi. Hier bringt eine Frau ein Kind zur Welt. So weit, so normal. Doch bei dieser Frau handelt es sich um eine Leihmutter, die die kleine Amelia für ein englisches Paar austrägt. Noch während bei dem Baby ein HIV-test positiv ausfällt, verschwindet sie spurlos, und schon kurz darauf kommen die englischen Eltern bei einem Unfall ums Leben. Simran Singh nimmt sich der Waise an und  und reist nach London, um eventuelle Angehörige des Elternpaars zu finden, für das Amelia bestimmt war. Bei ihren Recherchen und ihrem dringenden Versuch, dem kranken Baby zu helfen, ist es, als würde die Sozialarbeiterin in ein Wespennest stoßen, denn sie findet ein Gewirr aus Korruption, Täuschung und Verschleierung der Abläufe, und sie scheint schlafende Hunde geweckt zu haben. Als auf sie selbst ein Anschlag verübt wird, kommt ihr die Tragweite des Falls und die Gefährlichkeit dieses Netzwerks erst so richtig zum Bewusstsein. Wem kann sie noch vertrauen und wo sitzen die eigentlichen Drahtzieher?

Harter Tobak ist das Buch für mich grade, weil ich selbst nicht in der Situation stecken wollen würde. Wunschkinder, sagt sich so leicht, aber bei diesem krimi wird gefragt, welchen Preis man für ein Wunschkind zu zahlen bereit wäre. Wie sehr gerade Leihmutterschaft in Indien zu einer Industrie verkommen ist, bei der längt nicht alles legal ist, was legal zu sein scheint,  die aber gleichzeitig für viele Frauen die einzige Möglichkeit darstellt, sich zu versorgen. Insofern war das Buch ein heißes Thema und ein Bereich, der nicht sehr oft in Krimis zu finden ist. Gepaart war es mit einer extrem starken Protagonistin, die sehr viele Klischees über Indien aufräumt - auch wenn sie für meinen geschmack geglentlich schon zu sehr mit dem Holzhammer gezeichnet wurde, um auch ja zu zeigen, wie unabhängig, strk und gleichzeitig auch verletzlich Simran Singh sein kann.

Für mich aber irrsinnig schwer war der Aufbau des Buchs, und das führt zu erheblichen Abzügen. bedingt durch die Geschichte wechselt das Buch natürlich zwischen Schauplätzen, aber als ob das nicht schon schlimm genug wäre, springt man dabei immer wieder durch die Zeiten. Nicht etwa chronologisch, sondern mal hierhin, mal dorthin - mein Kopf ist zur Zeit eingestellt auf monodimensionale Lektüre und ich fand es wahnsinnig anstrengend, der Handlung folgen zu können. Deshalb von mir leider wirklich nur eine mittelmäßige Bewertung, obwohl es mti Sicherheit ein spannender Krimi ist, dessen Grundaussage man nicht jeden Tag hört.

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