Freitag, 30. Mai 2014

[Buchgedanken] Frank McCourt - Tag und Nacht und auch im Sommer

Tausende von Unterrichtsstunden hält ein Lehrer bis zur Pensionierung, hunderte von Schülern kreuzen seinen Weg und werden von ihm mehr oder weniger für den Stoff begeistert. Ganz diese Erfahrungen machte auch Frank McCourt, der nach seiner Kindheit in Irland zurück in seine Geburtsstadt New York ging, dort Lehrer wurde und Jahrzehnte im Schuldienst verbrachte. Nach seiner Pensionierung begann er zunächst, die Geschichte seiner Kindheit zu erzählen, die mit "Die Asche meiner Mutter" zu einem Überraschungserfolg wurde. Mit "Ein rundherum tolles Land" und "Tag und Nacht und auch im Sommer" legte er zwei weitere Bände nach, die sein Leben in den USA zeigten. Beide Bände finde ich persönlich aber nicht mehr so gelungen, was vor allem daran liegt, dass McCourt doch wieder zum großen Teil Geschichten aus Limerick rekapituliert, die man bereits im ersten Teil gelesen oder angedeutet bekommen hat.

"Tag und Nacht und auch im Sommer" ist dementsprechend in vielen Seiten sehr redundant. Es ist in gewisser Weise wie ein Dialog in einem durchschnittlichen Unterricht aufgebaut, bei dem die Schüler den Lehrer vom Unterrichtsthema ablenken wollen und der nur zu gerne darauf einsteigt. Das ist ganz nett und ich habe mich als Kollegin wiedererkannt ;-) Es wird aber mit der Zeit ein wenig langweilig, wenn das Buch nicht linear erzählt wird, sondern sehr springt und sehr episodenreich erzählt. Dadurch fehlt mir ein wenig Hintergrundinfo - plötzlich ist Frank verheiratet und ich weiß gar nicht, woher die Frau kommt, dann sind sie geschieden und man weiß wieder nicht so richtig warum oder wieso. Das ist mein größter Kritikpunkt am Buch, der den Leseeindurck wirklich extrem runtergezogen hat.

Warum ich das Buch aber andererseits wirklich gerne gelesen habe? Es ist ein ideales Buch Junglehrer, die im Referendariat total zerbrochen wurden und eh nichts richtig machen konnten. Frank McCourt geht es so ähnlich, er steht nach dem Studium vor Klassen und lernt erst langsam, sich in die Lehrerrolle hineinzufühlen. Egal, ob es um völlig danebengegangene Lehrproben geht oder Ausflüge mit desinteressierten Klassen in öffentlichen Verkehrsmitteln, du wirst es überleben und du wirst daran wachsen. Ich hoffe, dass ich später ein klen wenig wie er vor den Klassen stehen kann, ein klein wenig Schüler inspirieren kann, aber selbst wenn nicht, ich werde wissen, dass ich nicht allein mit meinem Gefühl der chronischen Überforderung und des chronischen Neulernens sein muss ;-)

1 Kommentar:

  1. Hi!:)
    Ich habs auch mal mit der Geschichte versucht :D . http://readformylife.wordpress.com/2014/06/07/tag-seite-44-satz-3-geschichte/

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