Mittwoch, 8. Februar 2012

Friedrich Torberg - Der Schüler Gerber


Der Schüler Kurt Gerber ist 17 und ein Schüler, wie so viele in dem Alter waren: intelligent genug, um gute Leistungen zu erringen, aber zu faul, um die Anstrengung zur sehr guten Leistung auf sich zu nehmen. Zu Beginn des letzten Schuljahres, seines Matura-Jahres, dem Jahr, in dem er "in die Welt treten" und "erwachsen" werden soll - ja, in genau diesem jahr geht es in seinem Leben drunter und drüber. Da ist seine Liebe zu einer Mitschülerin, die eigentlich nur auf einen kleinen Flirt aus ist; da ist die ständige Sorge um seinen herzkrankne Vater; und dann ist da Dr. Kupfer. Kupfer ist Mathematiklehrer mit einem ausgeprägten Hang dazu, seine Schüler zu demütigen, und der Schüler Gerber ist in diesem Schuljahr sein erklärtes Ziel. Kurt steht, ohne zu wissen warum, schon vor Ende der Sommerferien auf der Abschussliste des Mannes, der sein Klassenlehrer werden wird. Er nutzt jede Gelegenheit dazu, Kurt zu zeigen, wer von ihnen beiden am längeren Hebel sitzt, und Kurt hat immer mehr Angst, durch das Abitur zu fallen. Bis er es nicht mehr aushält und - nur Minuten vor Verkündigung des Abiturergebnisses - Selbstmord begeht.

"Der Schüler Gerber" stammt aus dem Jahr 1930, aber bereits sein Hauptthema - Schul- und Leistungsdruck - macht das Buch so aktuell wie eh und je. Es aber nur darauf zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht werden. In diesem Buch mit seiner geschliffen-geradlinigen Sprache, seiner neutral-sachlichen Erzählebene eines alles überblickenden Autors wird man als Leser hineingeführt in die miefige Welt der Spießbürger, die genauso miefige Welt der Anti-Spießer, und steht am Ende wie auch Kurt vor der Frage, ob das wirklich das ist, was man "das Leben" nennt. Das Buch hat mich abgeholt und mitgenommen, und was will ich von Literatur mehr?

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